Die Türken waren schon in der Kabine, als am Mittwochabend alle 23 deutschen Spieler im St. Jakob-Park von Basel in die Fankurve gingen. Vor der Werbebande blieben sie aufgereiht stehen und klatschten der tobenden Menge Beifall. Wie kleine Kinder sprangen sie auf und ab, herzten sich und ließen ihrer Freude freien Lauf. Bis Lukas Podolski ausscherte und die Regie der Jubelparty übernahm.
Der 23-Jährige lief direkt vor die Bande und deutete mit beiden Armen erst seinen Teamkollegen und dann den rund 20.000 Anhängern an, sich hinzusetzen. Als das der Fall war, stimmte er das „Humba Täterä“ an. Podolski rief der Reihe nach die Buchstaben „H-u-m-b-a“, die Masse schrie sie jeweils zurück. Am Ende sprangen alle auf und tanzten zusammen. Doch der Stürmer hatte noch nicht genug. Schon auf dem Weg zurück zu den Spielern, kehrte er noch einmal um, machte einen Satz über die Bande und sprang wie ein Rockmusiker von der Bühne in die tobende Menge.
„Das war ein Dankeschön an alle, die uns seit dem Turnierstart in Österreich und der Schweiz begleiten. Die Unterstützung ist sensationell. Das geht bei jedem Spiel unter die Haut“, sagte Podolski, der sich beim Feiern aber nicht als einziger deutscher Spieler hervor tat.
Sein kongenialer Partner Bastian Schweinsteiger hatte sich wie schon nach dem Viertelfinalsieg über Portugal eine Deutschlandfahne sowie einen Hut in den Landesfarben aus der Fankurve besorgt. Arm in Arm stand er mit Podolski nach dessen Jubelarie auf dem Rasen. Das Duo tanzte ausgelassen vor Freude, später mit allen Kollegen in der Kabine nach „Viva Colonia“.
Krisen beim FC Bayern
Doch die Szene draußen auf dem Rasen war eine mit Symbolcharakter: die Rückkehr der Gute-Laune-Bären. Denn so ausgelassen wie nach dem Sieg über die Türkei waren die beiden lange nicht mehr zu sehen gewesen – zumindest zusammen. Während des Konföderationenpokals im Mai 2005 hatten sich „Poldi“ und „Schweini“, wie sie auch genannt werden, in die Herzen der deutschen Fußballanhänger gespielt. Sie wurden zum Sinnbild für den Aufschwung des deutschen Fußballs und verkörperten eindrucksvoll die gute Stimmung bei der Nationalmannschaft. Die Fortsetzung folgte bei der WM 2006, ehe sie erstmals in ihrer jungen Karriere einige Krisen durchleben mussten. Hauptsächlich beim FC Bayern München, wo sie beide seit 2006 gemeinsam spielen.
Nur in der Nationalelf scheinen sie offensichtlich das Vertrauen zu spüren, dass sie benötigen. Dadurch ist es Podolski gelungen, der vor der EM um einen Stammplatz bangen musste, sich im offensiven Mittelfeld zu behaupten. Und auch Schweinsteiger, der im Auftaktspiel gegen Polen nur Ersatz und dann durch eine Rote Karte aus dem Kroatienspiel gesperrt war, ist mittlerweile wieder fester Bestandteil. Podolski hat drei, Schweinsteiger zwei EM-Tore erzielt, und beide haben auch beim Bundestrainer für große Begeisterung gesorgt.
„Es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten“, sagt Joachim Löw, der von Podolski „Willensstärke“ angetan ist und ihn als „Frohnatur“ bezeichnet. „Er macht zwar viele Späße, vergisst dabei aber nie, worum es hier bei diesem Turnier geht.“ Schweinsteiger hätte laut Löw eine enorme Entwicklung gemacht. „Die vielen Dinge, die Bastian schon erlebt hat, haben ihn sehr reif gemacht.“ Aber den Spaß haben sie zum Glück nicht verloren.




