Ob die vergangene Europameisterschaft ihm neue Erkenntnisse gebracht habe, wurde Thomas Schaaf beim Trainingsauftakt am vergangenen Donnerstag gefragt. „Nichts, was meine Arbeit grundlegend verändert“, sagte der Übungsleiter von Werder Bremen und stellte klar, auch in der kommenden Saison sein offensives Spielsystem mit zwei Stürmern nicht zu ändern.
Ganz ehrlich war der 47-Jährige bei seiner Aussage aber nicht, denn die Bremer Verantwortlichen erneuern einiges im Team. Zusätzlich zur Verpflichtung der neuen Fitnesstrainers Yann-Benjamin Kugel krempeln Schaaf sowie Sportdirektor Klaus Allofs, die bislang eher Freunde des konventionellen Übens waren, das Training um. Die Bremer Kicker tragen derzeit auf dem Platz Hightech-Westen, in denen Sender angebracht sind, die Puls, Schnelligkeit und die Laufwege der Spieler aufzeichnen. Per Computer werden diese Daten dann ausgewertet, um Defizite aufzudecken. Auch wird so verhindert, dass die Kicker in den nächsten, trainingsintensiven Wochen weder zu hart noch zu locker üben.
Vor einem Jahr waren die Laktatwerte schlecht
Die neue, technische Trainingskontrolle ist eine Reaktion auf die durchwachsene Vorbereitung vor genau einem Jahr. Damals waren die Laktatwerte einiger Profis schlecht, weil sie sich im Urlaub nicht an das Fitnessprogramm gehalten hatten, das ihnen von Schaaf am Saisonende für die freie Zeit verordnet worden war. Trotzdem zog Schaaf sein Übungspensum voll durch. Das Resultat waren aber auffällig viele Muskelverletzungen einiger Akteure, die sich dann durch die gesamte Spielzeit zogen. Auch, um solche Szenarien vorzubeugen, wurde der 28 Jahre alte Fitnesstrainer Kugel eingestellt. „Unsere Analysen haben ergeben, dass wir in diesem Bereich etwas tun müssen und uns verbessern können“, sagt Manager Klaus Allofs.
Und die Hanseaten denken sogar noch weiter. Die bislang stets konservativen Werder-Verantwortlichen interessieren sich für den „Footbonaut“ – einen Hightech-Käfig, der Ballsicherheit, Passgenauigkeit sowie die Schusshaltung von Fußballspielern optimieren soll. Ein Berliner Tüftler entwarf im Frühjahr die computergesteuerte Zelle, die als eines der innovativsten Übungsgeräte des modernen Fußballs gilt.
Im "Footbonaut" werden die Bälle bis zu 120 Stundenkilometer schnell
Aus insgesamt acht Wurfmaschinen befeuert der „Footbonaut“ den Kicker mit Bällen, die bis zu 120 Stundenkilometer schnell werden und die der Akteur dann kontrolliert in, durch Lichtleisten kurzfristig vorgegebene Felder spielen muss. Neben Werder liebäugeln auch die spanischen Topklubs Real Madrid, der FC Barcelona sowie die italienische Nationalmannschaft mit dem 14 mal 14 Meter großen Schusskäfig.
Allerdings, so stellt Allofs klar, garantiert diese Anlage nicht automatisch auch erfolgreichen Fußball. „Während wir einen Spieler in diesen Käfig stellen, kann man mit ihm auch konventionell auf dem Trainingsplatz arbeiten“, sagt der Manager, der auf den Preis des „Footbonaut“ vereist, denn die Schussmaschine kostet einen sechsstelligen Betrag. Allofs: „Wenn wir allerdings jetzt einen Geldgeber dafür hätten, würden wir wohl sagen: ‚Bauen sie uns diesen Kasten mal schnell hier auf.’“





