Erst der Meistertitel, dann das Olympia-Ticket: Fabian Wegmann hatte bei den deutschen Straßenrad-Meisterschaften doppelt Grund zur Freude. Der Gerolsteiner-Profi wiederholte seinen Triumph aus dem Vorjahr und fährt damit erneut im schwarz-rot-goldenen Trikot zur Tour de France. Der Freiburger setzte sich auf dem 210,10 km langen Rundkurs in Bochum nach einer Attacke wenige Kilometer vor dem Ziel souverän vor Oldie Erik Zabel und High-Road-Sprinter Gerald Ciolek den Zielstrich.
„Das war ein hartes Stück Arbeit, am Ende wurde es nochmal richtig eng. Ich bin überglücklich, zumal ich auch ein Stück Geschichte schreiben konnte“, sagte Wegmann. In der Tat gelang durch den 28-Jährigen erstmals seit 26 Jahren (damals Hans Neumeyer) wieder einem Fahrer die erfolgreiche Titelverteidigung bei den deutschen Meisterschaften.
Doch damit nicht genug. Nach dem Rennen erhielt Wegmann außerdem eines der fünf begehrten Tickets für die Olympischen Spiele in Athen. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nominierte außerdem Deutschland-Tour-Sieger Jens Voigt (Berlin/CSC), Wegmanns Teamkollege Stefan Schumacher (Nürtingen) sowie die beiden High-Road-Profis Bert Grabsch (Wittenberg/Zeitfahr-Meister) und Gerald Ciolek (Köln) ins Peking-Aufgebot.
Luise Keller verteidigt ihren Titel
Eine Titelverteidigung gab es auch bei den Frauen, dort wiederholte High-Road-Fahrerin Luise Keller ihren Vorjahrestriumph. Die Cottbuserin siegte nach 114,6 km mit einem Vorsprung von 42 Sekunden vor Eva Lutz (Mainz/Equipe Nürnberger), die den Verfolgersprint gegen Tina Liebig (Gera/Team DSB) für sich entschied.
Lange Zeit hatte eine achtköpfige Spitzengruppe das Renngeschehen bestimmt. Bereits in der vierten von elf Runden hatten sich Fahrer, darunter die Gerolsteiner-Profis Matthias Russ und Ronny Scholz, vom Feld abgesetzt und einen Vorsprung von zwischenzeitlich rund fünf Minuten herausgefahren. In der vorletzten Runde kam es dann aber zum Zusammenschluss aller Favoriten.
Auf den letzten 19 Kilometern ging es dann zur Sache, als die Fahrer in der Spitzengruppe die Entscheidung suchten. Wegmann mobilisierte dabei wie vor Jahresfrist in Wiesbaden die größten Reserven und bescherte seinem Gerolsteiner-Team den 13. Saisonsieg.
Hoffnung für Holczer
Vielleicht ein Erfolg zum idealen Zeitpunkt, schließlich wird Mitte nächster Woche die Entscheidung über die Zukunft des Teams fallen. „Es wird am Dienstag noch eine Besprechung geben, dann werden wir am Mittwoch oder Donnerstag eine Entscheidung verkünden“, sagte Teamchef Hans Michael Holczer. Der Mineralwasserkonzern beendet zum Jahresende nach über zehn Jahren sein Engagement beim Holczer-Team.
Keller, die im Vorjahr in Wiesbaden erstmals den Meistertitel gewonnen hatte, bedankte sich nach dem Rennen bei ihren High-Road-Kolleginnen für „die tolle Teamleistung“. So hatte Einzelkämpferin Hanka Kupfernagel keine Chance, zumal die Zeitfahr-Weltmeisterin vier Kilometer vor dem Ziel auch noch einen Reifenschaden hatte.
Am Ende langte es für Kupfernagel, die am Freitag noch in Luckau den deutschen Meistertitel im Zeitfahren gewann, nur zum fünften Platz. Immerhin erhielt Kupfernagel genauso wie Judith Arndt (Leipzig/Hig Road) und Trixi Worrack (Dissen/Nürnberger) ein Olympia-Ticket.
sid/fb





