Das deutsche Olympia-Team steht fast zur Hälfte. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) berief am Montag in Frankfurt weitere 125 Athleten in das Aufgebot für die 29. Sommerspiele vom 8. bis zum 24. August in Peking. Damit stehen nach zuvor 79 Nominierungen nun vor der letzten Runde am 15. Juli bereits 204 Sportler für China fest. Insgesamt rechnet DOSB-Generaldirektor Michael Vesper mit einer Mannschaftsstärke von 420 bis 430 Aktiven.

Zu den prominentesten Namen auf der zweiten Liste gehörten Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen, Schwimmhoffnung Britta Steffen, Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer, Ruderer Marcel Hacker, Weltmeister Thomas Lurz, der beim Debüt der Langstreckenschwimmer Gold anpeilt, sowie Hochspringerin Ariane Friedrich.


Noch in der Warteschleife befindet sich Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, die zuletzt durch Bluthochdruck gehandicapt war, aber dennoch die Zusage für einen Freibrief hat. „Wir werden keine zweite Norm von ihr erwarten. Sie soll sich in Ruhe auf Olympia konzentrieren“, erklärte DOSB-Vizepräsident Eberhard Gienger.

19 Ärzte und 34 Physiotherapeuten

Die Plätze in der zweiten Nominierungsrunde wurden verteilt auf die Sportarten Gewichtheben (1), Judo (1), Kanu-Rennsport (14), Leichtathletik (16), Moderner Fünfkampf (4), Mountainbike (1), Ringen (6), Rudern (11), Schießen (18), Schwimmen (26), Turnen (13) und Wasserspringen (14).

Zudem wurden 19 Ärzte sowie 34 Physiotherapeuten berufen. Irritationen gab es, weil einige Athletenvereinbarungen im Zuge des Anti-Doping-Kampfes noch nicht vorlagen. Laut Gienger musste die Nominierung deshalb in etwa zehn Fällen verschoben werden.


Die letzten Tickets für Peking haben die deutschen Basketballer um NBA-Star Dirk Nowitzki im Visier, die sich in einem bis zum 20. Juli dauernden Turnier in Athen qualifizieren wollen. Offizieller Meldeschluss beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist der 23. Juli.

Verrabschiedung durch den Bundespräsident

Vesper, der die Mannschaft erstmals als Chef de Mission anführt, bekräftigte die Zielsetzung, mit dem viert- bis fünftgrößten Aufgebot aller Nationen ein ähnliches Ergebnis wie 2004 in Athen zu erreichen. Vor vier Jahren hatte Deutschland mit 49 Medaillen, davon 13 Mal Gold, in der Nationenwertung Rang sechs belegt.

Ein Großteil des Teams wird am 26. Juli von Bundespräsident Horst Köhler in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue auf die Reise geschickt. Einige Athleten werden schon zwei Tage vorher nach Asien aufbrechen. Die Reiter in Hongkong sowie die Turner in Peking und die Schwimmer in Kumamoto/Japan werden die Ersten sein, um sich ausreichend akklimatisieren zu können. Die Leichtathleten bereiten sich nach den guten Erfahrungen bei der WM im Vorjahr bis kurz vor Beginn ihrer Wettkämpfe am 15. August im japanischen Shibetsu vor.

302 Entscheidungen in 28 Sportarten

In Peking stehen 302 Entscheidungen in 28 Sportarten an. Sollten sich die Basketballer noch qualifizieren, würden nur Baseball und Softball ohne deutsche Beteiligung stattfinden. Während der Spiele wohnen alle Athleten in den Olympischen Dörfern, die am 27. Juli in Peking, Hongkong (Reiten) und Qingdao (Segeln) öffnen. Zusammen mit den Betreuern wird das Aufgebot aus etwa 750 Personen bestehen. Das „Unternehmen Olympia 2008“ kostet insgesamt fünf Millionen Euro, 3,5 Millionen davon steuert der Bund bei.

Der DOSB setzt auf eine saubere Mannschaft. Alle Kandidaten mussten sich seit dem 1. Juli 2007 dem Kontrollsystem der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA unterwerfen. Kein Sportler wird berücksichtigt, der seit dem 1. September 2004 des Dopings überführt wurde oder einen Verstoß gestanden hat. Über Betreuer, die in früheren Jahren in Doping- oder Stasi-Aktivitäten verwickelt waren, entscheidet das DOSB-Präsidium im Einzelfall und nach Anhörung der unabhängigen Kommissionen am 15. Juli.

sid/fb