Der Einzige, der immer noch ernst dreinschaute, war der Trainer. Während Fans und Spieler von Alba Berlin den Einzug in das Halbfinale bejubelten, sah Pedro Calles noch nicht so aus, als könnte er den Moment genießen. „Wir wussten, dass es sehr schwierig werden würde. Aber wir haben einen guten Weg gefunden, zurückzukommen“, sagte der Spanier. Mit einer starken Leistung hat sich sein Team gegen Rasta Vechta im entscheidenden fünften Spiel des Viertelfinales der Basketball Bundesliga (BBL) durchgesetzt.
Das 98:89 (50:40) vor 8867 Zuschauern in der Uber Arena bedeutete das 3:2 in der „Best of five“-Serie. Damit treffen die Berliner ab Sonnabend im Halbfinale auf Pokalsieger Bamberg. Zunächst tritt das Team daheim an, allerdings in der Max-Schmeling-Halle (16.30 Uhr). „Es wird nicht leichter werden. Die spielen auch eine hervorragende Saison“, so Kapitän Jonas Mattisseck über die nächste Aufgabe im Play-off.
Alba Berlin lernt den Umgang mit Stress
Mit Druck umzugehen, das ist Alba bislang gut gelungen. Zweimal lag das Team aus der Hauptstadt im Viertelfinale gegen Vechta zurück. Zweimal glich der elffache Meister gegen die Niedersachsen aus. Doch diese Option gab es am Mittwochabend nicht. Diesmal musste Alba die Gesetze dieses Duells brechen und zum zweiten Mal in Folge gewinnen. Und zwar um das frühe Saisonende zu verhindern. „Einen größeren Kampf hätten wir uns nicht liefern können. Wir mussten alles auf dem Feld lassen“, sagte Mattisseck.
Lesen Sie auch:
- Alba in der neuen Saison: Ansprüche statt Fragezeichen
- Jungstar Jack Kayil: „Jetzt weiß ich, wo ich stehe“
- Duell mit den Bayern: Die große Revanche im Spiel um Geld oder Liebe
- Alba-Trainer Calles: „Ich beschäftige mich nicht mit Träumen, ich arbeite“
- Große Projekte: Alba arbeitet an der Zukunft
Mit engen Serien im Viertelfinale haben die Berliner einige Erfahrung. Bereits sechs Mal musste der Klub in der ersten Runde des Play-offs in ein fünftes und entscheidendes Spiel gehen. Jedes Mal setzte sich Alba dabei mit dem Heimvorteil im Rücken durch. Die Historie sprach also für das Team. Jedoch hielt sich die Aussagekraft dessen in Grenzen. Der aktuelle Jahrgang ist recht jung und daher nicht sonderlich routiniert in solchen Situationen.
Wie erwähnt, übte das Team von Calles das Verhalten in Stressmomenten zuletzt jedoch. Dabei zeigte Alba gerade in Spiel vier in Vechta mit einem guten Abwehrverhalten die wichtigste Strategie für den Showdown auf. Erstmals in der Serie hielt der Hauptrundenzweite die schwer zu zügelnde Offensive des Kontrahenten unter 80 Punkten. Für die Berliner war es wichtig, gegen den Siebten der Punkterunde genau dort anzuknüpfen.
Berliner zügeln die starke Offensive des Gegners
Nach den bislang packenden Partien mit viel Treffsicherheit aus der Distanz entwickelte sich vor den Augen des früheren Alba-Stars und zuletzt in Japan tätigen Johannes Thiemann ein etwas anderes Spiel. Zusammengerechnet fünf Dreier fielen insgesamt in der ersten Hälfte bei beiden Teams. Der Unterschied dabei war, dass dies bei den Berlinern eher zum Ansatz gehörte. Sie zogen schnell und direkt zum Korb, sammelten so viele Punkte und nahmen eher sichere Versuche aus der Distanz.

Bei Vechta sind die Dreier elementarer Teil der Stärke. Diese jedoch dämmte Alba mit guter Verteidigung stark ein. Oft kamen die Niedersachsen gar nicht erst zum Wurf, oft mussten sie aus schlechten Positionen abschließen. Das resultierte in einer ungewohnt hohen Fehlerquote. Zusammen mit der deutlich verringerten Anzahl an Ballverlusten und guter Arbeit bei den Rebounds enteilte Alba dem Gegner ein Stück. Bis zu 13 Punkte lag das Team von Calles in der ersten Hälfte vorn (40:27/15.).
Es schien, als brächte Alba die Mannschaft mit dem großen Lauf in den vergangenen Monaten zum Stolpern. Jack Kayil (14 Punkte) und Michael Rataj (11) prägten dabei in Halbzeit eins den Berliner Angriff. Routinier Martin Hermannsson, der mit 19 Punkten und zehn Assists ein Double-Double erzielte, lenkte das Alba-Spiel vor allem in den schwierigen Phasen der zweiten Hälfte. Da wollte Vechta die Lücke schließen, wurde besser bei den Dreiern. Doch die Berliner präsentierten immer wieder Antworten.
Alba Berlin muss kritischen Moment überstehen
So blieb der Abstand im dritten Viertel relativ konstant. Alba war dabei, sich trotz nachlassender Effektivität bei den Rebounds konsequent den Weg ins Halbfinale zu bahnen. Während bei den Niedersachsen bisweilen der Frust über die geringe Ausbeute aus der Distanz sichtbar wurde. Die Leichtigkeit, die sie ins Play-off getragen hatte, war verflogen. Doch als Alba ein paar Würfe nicht traf, verkürzte Vechta schnell (74:70/32.).
Den kritischen Moment meisterten die Berliner allerdings. Ihre Stressresistenz, erarbeitet auch in den vorherigen Partien gegen Vechta, mündete bald wieder in Spielkontrolle. Und führte sie letztlich in die nächste Runde. „Der Einsatz war hervorragend. Man muss es genießen, solche Spiele zu spielen“, so Mattisseck. Der Coach wollte das Ergebnis später ebenfalls noch feiern, sagte er mit ernster Miene.



