Im Pokal passiert öfter das Gegenteil von dem, was allgemein erwartet wird. Genau das macht ihn so reizvoll, so spannend, so überraschend. Das Top Four in München bot am Sonnabend genau dies. Das Publikum sah Favoriten stürzen in den Halbfinals, unerwartete Hoffnungen erblühen. So mancher Fan von Alba Berlin etwa ging ins Hotelbett mit den Gedanken an eine Titelsause. Denn das Team hatte Oldenburg 98:78 (46:38) besiegt und tritt am Sonntag gegen Bamberg im Finale an (16.30 Uhr, Dyn).

„Ich muss meinen Spielern einmal mehr gratulieren. Sie haben eine tolle Teamleistung gezeigt, wir haben viele Aspekte des Spiels dominiert“, sagte Trainer Pedro Calles. Für ihn stellte sich vor dem Semifinale die große Frage, wer überhaupt alles einsatzfähig ist. Zuletzt musste er zweimal auf alle drei Point Guards verzichten. Infekte führten dazu, dass weitere Spieler wie Justin Bean nicht fit waren. Doch er stand schließlich ebenso wie Jack Kayil im Team, Routinier Martin Hermannsson (Daumen) und Bennet Hundt (Schulter) fehlten.

Alba Berlin tritt kann auf Bean und Kayil zählen

Sicher war das noch immer nicht optimal. Aber der Einsatz von Spielmacher Kayil und Power Forward Bean verbesserte die Lage der Berliner gegen die in den zurückliegenden Wochen sehr formstarken Niedersachsen deutlich. Die hatten ihrerseits einige Personalprobleme in den vergangenen Tagen. Dadurch bedingt verlor Oldenburg (gegen Ulm) ebenso wie Alba (gegen Hamburg) die Generalprobe unter der Woche.

Alba hatte gegen den Tabellenelften der Basketball Bundesliga (BBL) eine knifflige Aufgabe zu lösen. Das zeigte bereits das Liga-Hinspiel Anfang Januar, das der Zweite knapp verlor (73:76). Vor allem gegen die Stärke bei den Dreiern und die individuelle Klasse von Chris Clemons benötigten die Berliner eine Idee. Beides mit einer entsprechenden Defensivarbeit einzudämmen, war ein wichtiger Ansatz für den Rekord-Pokalsieger.

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Prickelnden Basketball erlebten die gut 800 mitgereisten Berliner Fans bereits vor dem Auftritt von Alba. Außenseiter Bamberg lieferte Gastgeber Bayern München einen grandiosen Kampf – und schaffte sogar die Sensation. Nach einer aufreibenden Verlängerung bezwangen die Franken den großen Favoriten mit 103:97 (83:83, 34:36). Im zweiten Jahr in Folge scheiterten die Bayern damit in der Vorschlussrunde, Bamberg hingegen steht wie im Vorjahr im Finale.

Und gab den Teams im nachfolgenden Match damit noch einmal einen Schub. Ein paar Minuten dauerte es, bis die Berliner ihren Rhythmus aufnahmen. Dann aber kontrollierten sie das Geschehen, weil sie aufmerksam waren, den Ball gut laufen ließen und den Aufbau der Gäste früh störten. Auch bei den Rebounds zeigte sich Alba deutlich besser.

Alba Berlin liefert ein souveränes Spiel ab

Daraus resultierte ein wachsender Vorsprung, ehe eine nachlassende Treffsicherheit aus dem Feld und einige Ballverluste die Partie wieder enger machten. Viele der Münchner Besucher des SAP Garden hatten sich da bereits aus Enttäuschung über das Ergebnis der Bayern zurückgezogen.

Die Berliner überwanden die kleine Schwächephase, spielten wieder konzentrierter und vergrößerten den Vorsprung auf bis zu 20 Punkte. Fast unaufgeregt im Vergleich zum vorherigen Spiel spulte Alba sein Programm ab. Und hat nun die große Chance, gegen die Bamberger die titellose Zeit zu beenden. „Wir freuen uns sehr darauf, es wird extrem schwer“, sagte Kapitän Jonas Mattisseck.