Seine alte Verbundenheit stellte Franz Wagner offen zur Schau. Im Pullover von Alba Berlin stand der Star aus der NBA vor der Kabine, zusammen mit seinem neutral gekleideten Bruder Moritz wartete er auf die Protagonisten des Abends, verteilte Umarmungen, klatschte ab. Die gebürtigen Berliner teilten die Freude, die die Männer in den gelben Trikots ausstrahlten nach einem großen Abend, an dem sie in das Finale der Basketball-Bundesliga (BBL) eingezogen sind.
Mit einem 97:84 (48:53) bezwang das Team von Israel Gonzalez im fünften und entscheidenden Halbfinalduell die Niners Chemnitz und gewann die „Best of five“-Serie mit 3:2. „Diese Mannschaft ist besonders, sie kämpft gegen alle Widerstände“, sagte der Trainer, der nun schon am Sonnabend mit seinem Team bei Bayern München zur ersten Endspielpartie antreten muss (20.30 Uhr, Dyn). „Wir sind alle füreinander eingestanden und wollten es heute nicht enden lassen“, sagte Forward Justin Bean.
Alba muss auf Spielmacher Hermannsson verzichten
Es war eine Serie, in der sich beide Kontrahenten nichts schenkten. Eine Serie mit großen Führungen, großen Comebacks, vielen Emotionen. Es war ein Duell mit enorm hoher Intensität und auch großer Härte, in dem beide Mannschaften es immer wieder schafften, über längere Phasen ihre spielerischen Aspekte mehr zur Geltung zu bringen. In dem Alba dem Gegner insgesamt betrachtet aber immer einen Schritt hinterherlief in Bezug auf die Spiele und die Serien-Führung jeweils ausglich.
Dieses Modell war diesmal nicht praktikabel, denn ein weiteres Spiel würde es nicht geben. Insofern fiel die Nachricht, die die Berliner vor der Partie zu verkünden hatten, besonders bitter aus. Denn Martin Hermannsson, der Alba am Dienstag in Chemnitz zum 2:2 geführt und die Partie angeschlagen beendet hatte, durfte aufgrund einer Wadenverletzung nicht mehr mitwirken. Wenigstens konnte Kapitän Johannes Thiemann trotz Problemen an der Patellasehne etwas Einsatzzeit bekommen.
Noch mehr über Alba Berlin:Die härteste Prüfung der Saison
Für die Mannschaft war die Präsenz des Weltmeisters wichtig, denn gegen die Chemnitzer, bei denen Top-Spieler Kevin Yebo nach seiner Sperre wieder dabei war, lag nach dem Ausfall des dritten und damit aller Point Guards nun viel Verantwortung auf Malte Delow. Der hatte die Position in den vergangenen Wochen schon öfter bekleidet, musste jetzt aber noch viel mehr Last im Aufbauspiel tragen, das er sich meist mit Jonas Mattisseck teilte.

Zwei junge Berliner also standen im Fokus, bei Alba groß geworden. So wie zwei, die im Publikum saßen. Die wurden allerdings schnell noch viel größer und spielen inzwischen in der nordamerikanischen NBA. Die Mutter von Franz und Moritz Wagner, Beate, schrieb ein Buch über ihren Aufstieg und präsentierte es vor der Partie, samt Autogrammstunde mit den Stars, was für lange Schlangen im Foyer sorgte.
Chemnitz lässt Alba Berlin lange leiden
Körperlich weniger anstrengend war es für beide, als sie in der Halle sitzen und das Spiel verfolgen konnten. Das hielt dafür emotional wieder einiges bereit. Zwar sprach die Historie der fünften Spiele in der BBL klar für das Heimteam. Allerdings galten feste Regeln für diese Serie bisher eben nicht, es passierte oft Unvorhersehbares. Diesmal schien Alba sich vom Ausfall Hermannssons nicht stören zu lassen und begann gut.
Lesen Sie auch: Die große Zeit der Hintermänner
Doch es breitete sich schnell Unruhe aus in der Partie. Die Niners attackierten die Berliner Spielmacher sehr früh, wollten keinen Rhythmus aufkommen lassen. Allerdings blieb das Team von Gonzalez bissig unter dem Korb, gestattete Chemnitz nicht viel, und traf selbst ordentlich. Die Sachsen aber stellten sich darauf ein, agierten immer aggressiver. Die Führung wechselte einige Male, bis die Berliner tatsächlich unter der Chemnitzer Penetranz zu leiden begannen.
Thomas wirft Alba Berlin ins Finale
Aus dem 30:28 nach dem ersten Viertel wurde durch einen 0:15-Lauf ein 40:50 (17.), das zur Pause auf 48:53 verkürzt werden konnte. Doch die Berliner mussten vor den 9781 Zuschauern in der Uber Arena nun länger hinterherlaufen, blieben aber vor allem dank Delow, dem angeschlagenen Thiemann, Sterling Brown und Matt Thomas im Rennen. Letzterer brachte Alba mit dem Dreier zum 69:68 (27.) wieder in Front. Mit einem Vorsprung von einem Punkt ging es schließlich in den letzten Abschnitt (74:73).
In dem gerieten die Berliner schnell wieder unter Zugzwang, doch die sichere Hand von Thomas (24 Punkte) beim Distanzwurf ebenso wie die Umstellung auf Zonenverteidigung brachten Alba die entscheidenden Vorteile und sicherten den Berlinern den Einzug in das Finale, der auch die Stars aus der NBA begeisterte.


