Baskteball

Dank Saibou stimmt bei Alba die Mischung

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Theo Breiding
Die Alba-Fans haben längst erkannt, was sie an Joshiko Saibou haben – und verehren ihn

Die Alba-Fans haben längst erkannt, was sie an Joshiko Saibou haben – und verehren ihn

Foto: Eberhard Thonfeld / imago/Camera 4

Joshiko Saibou hat sich beim zweiten Engagement in Berlin zum wichtigen Faktor entwickelt. Das will er auch gegen Bilbao zeigen.

Als Joshiko Saibou 2009 bei Alba seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieb, dachten einige, die Berliner hätten erstmals einen Japaner verpflichtet. Dabei hatte der damals 19-Jährige, der beim BSC und dem TuS Lichterfelde mit dem Basketball begonnen hatte, mit Albas Youngstern gerade die Meisterschaft der Nachwuchs-Bundesliga NBBL gewonnen. Als er in diesem Sommer nach seinen Stationen Trier, Crailsheim, Würzburg und zweimal Gießen erneut bei Alba unterschrieb, gab es keine fernöstlichen Irritationen mehr. Albas alter Neuer, mittlerweile 27, hatte in nunmehr acht Profi-Jahren oft genug erklärt, dass sein Vater Deutscher sei, in Köln lebe, er den Nachnamen seiner Mutter trage, die aus Togo stammt und die ihn Joshiko nannte, „weil sie den Namen ganz einfach schön fand“.

Dass einer zurück nach Hause kommt, zurück in die Stadt, in der seine Familie und seine Freunde leben – und das als einer, der in seiner Karriere den nächsten großen Schritt macht, das war jetzt die Geschichte und man sah ihm an, wie gern er sie erzählte.

Die Heimkehr Saibous war nur einer von vielen überraschenden Transfers des vergangenen Sommers. Coach Aito Reneses kam als Legende des Weltbasketballs, Luke Sikma als spanischer Meister, Spencer Butterfield als Dreierkönig des französischen Pokalsiegers, Marius Grigonis als „Wertvollster Spieler“ eines europäischen Final Fours, Stefan Peno vom großen FC Barcelona – Saibou dagegen kam – weit weniger spektakulär – aus Gießen. Im Vergleich zu den anderen waren die Erwartungen an ihn eher diffus. Erwartungen, von denen er aber bald auch die anspruchvollsten übertraf. Anfang November bestritt Saibou seine ersten beiden Spiele in der Nationalmannschaft.

„Schön“ sei das gewesen, sagt er. „Ich habe ein Ziel erreicht, auf das ich hin gearbeitet habe.“ Was auch wo viel heißt wie: Jetzt kann ich mir neue Ziele setzen. Allerdings, ohne sich „verrückt zu machen“, erklärt er. Zu Beginn seiner Karriere habe er sich stets sehr viel Druck gemacht, „aber das hat mir nicht geholfen. Heute bin ich fest davon überzeugt, dass es vor allem darauf ankommt, dass du die Sachen, die du machst, jeden Tag so gut machst, wie es nur irgend geht. Der Rest wird kommen.“ Sein „Mindset“, seine Haltung, seine Einstellung sei, „nicht ergebnis-, sondern prozessorientiert zu denken“. Morgen besser zu sein als heute, sei das Ziel.

Herangehensweise ähnelt der von Aito Reneses sehr

Solche Sätze könnte auch von Albas spanischem Coach stammen, sogar wortwörtlich. Vielleicht spielt Saibou, wie er spielt, weil es für seine Herangehensweise kaum eine größere Bestätigung geben konnte als die einer Trainerlegende wie Reneses. Gewisse Parallelen seien „schon witzig“, sagt Saibou, wehrt aber strikt ab, sich mit seinem Coach zu vergleichen. „Ich habe Bücher gelesen, er schöpft aus einem Universum aus Erfahrungen. Wenn wir fünf Optionen kennen, kennt er 500. Unfassbar, wir können gerade sehr viel lernen und das ist schön.“ Saibou, nach Sikma übrigens zweitältester Spieler im Team, sagt nicht zufällig „Wir“. Dass er sich in kürzester Zeit bei Alba unentbehrlich gemacht hat, ist für ihn kein Thema. Vielmehr freut er sich darüber, „wie sehr wir uns als Mannschaft entwickelt haben“.

Saibous Markenzeichen ist, so absurd sich das liest, dass er nur selten auffällt. Er ist aggressiv, begeht aber kaum dumme Fouls, er trifft, erzwingt aber keine Würfe, er zieht zum Korb oder passt, ohne das letzte Risiko einzugehen. Basketball à la Alba geht weiter, egal, wann er spielt und mit wem. Auch abseits des Parketts wirkt er, als würde er eine ganz besondere Mischung hinbekommen: Selbstbewusst zu sein, ohne überheblich zu werden, ehrgeizige Ziele zu verfolgen, ohne verbissen zu sein. Bei dem Gedanken, ob das Lockere vielleicht ein wenig afrikanisch und das Zielstrebige ein wenig deutsch sei, muss Saibou lachen. „Meine Freundin sagt, dass meine afrikanischen Gene dominieren, wenn ich öfter mal zu spät komme“, scherzt er.

Dank afrikanischer Wurzeln versprüht er Lebensfreude

„Aber im Ernst, ich war als Kind öfter und auch für längere Zeit in Togo, der Heimat meiner Mutter und das hat ganz sicher meinen Horizont erweitert. Ganz bestimmt habe ich von der Lebensfreude dort etwas mitgenommen.“

Saibou hat sich auf beiden Unterarmen Tätowierungen stechen lassen, auf dem rechten die westliche Weltkugel, auf dem linken die östliche. Wenn er die Ärmel hochzieht und beide Karten zusammenfügt, steht darüber: „Le monde est à nous“, was zu deutsch heißt: „Die Welt gehört uns“. Man möchte sich wünschen, dass es so ist – vergleichsweise wäre sie bei ihm bestimmt in guten Händen.

Vorrundenfinale Alba Berlin trifft am Mittwochabend (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) auf Bilbao Basket. Als Tabellendritter ist Alba bereits für die Top-16-Runde qualifiziert und kann auch bei einem Sieg nicht mehr Zweiter werden, weil die dazu benötigte französische Schützenhilfe am Dienstag ausblieb: Limoges verlor gegen den Zweitplatzierten Vilnius 69:71. Damit verpasst es Alba, als Zweiter leichtere Gegner in der nächsten Runde zu bekommen. „So oder so ist es für uns wichtig, unsere Intensität zurückzuerlangen, die wir in der Hinrunde noch hatten, wo unser Sieg in Bilbao mitentscheidend für unsere vorzeitige Qualifikation zum Top16 war“, erklärte Trainer Aito Garcia Reneses. Alba hat die jüngsten drei Eurocup-Spiele verloren. Kapitän Niels Giffey fordert deshalb: „Wir müssen unsere Offensive wieder energischer gestalten, den Ball wieder besser wandern lassen und wieder besser verteidigen.“