Basketball

Belgrad-Center Zirbes – „Albas Erfolg überrascht mich nicht“

Nationalspieler Maik Zirbes spielt mit Roter Stern Belgrad in Berlin. Im Morgenpost-Interview spricht er über seine neue Heimat, die Eigenarten serbischer Trainer und lobt Gegner Alba.

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Viele junge Basketballspieler träumen von der NBA. Ein paar Nummern kleiner werden auch Spanien oder Italien gern genommen. Aber Serbien? Auf jeden Fall, findet Maik Zirbes. Der deutsche Nationalcenter tritt am Donnerstag (20.15 Uhr, O2 World) mit Roter Stern Belgrad zum Euroleague-Spiel bei Alba an. Hier erzählt der 25-Jährige, warum es ihm in der serbischen Hauptstadt so gut gefällt.

Berliner Morgenpost: Herr Zirbes, meine erste Frage wird Ihnen nicht gefallen ...

Maik Zirbes: ... ich ahne es: Warum sind Sie eigentlich ausgerechnet nach Belgrad gewechselt? Das fragen alle!

Und?

Also, in erster Linie, weil sie in der Euroleague spielen. Ich wollte immer gern ins Ausland. Und ich kannte Belgrad schon sehr gut, deshalb hatte ich eine Vorstellung, was auf mich zukommt.

Woher kannten Sie Belgrad?

Ich war öfter hier im Urlaub, hatte hier Trainingslager mit meinem Ex-Klub Trier, und eine Universiade habe ich hier auch gespielt. Schon, als ich noch ein Junge war, hatte ich einen Trainer aus Bosnien, der mir viel von Partizan und Roter Stern erzählt hat. Ich bin mit den Geschichten aufgewachsen.

Und, gefällt Ihnen das Leben in Belgrad?

Unglaublich gut. Ich bereue meine Entscheidung nicht, würde immer wieder hierher gehen. Vieles ist ganz anders als bei uns. Angefangen beim Essen bis hin zu den Fans, die komplett hinter dem Team stehen. Außerdem ist es meine erste Großstadt, vorher war ich in Trier und Bamberg. Vielleicht ist Belgrad nicht die allerschönste Stadt, aber sie hat ihren eigenen Charme.

Gleichzeitig sind Sie in das Kernland des europäischen Basketballs gewechselt. Spüren Sie das im täglichen Leben?

Basketball ist hier ganz anders angesehen. Wo man hinschaut, ist Basketball. Im Fernsehen gibt es 30 bis 40 Sportkanäle, man kann immer Basketball sehen. In allen möglichen Ligen sind Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien unterwegs, dazu auch sehr viele Trainer. Daran sieht man, wie groß der jugoslawische Einfluss im europäischen Basketball ist. Und ich bin jetzt im Zentrum des Ganzen.

Wie fühlen Sie sich als Deutscher in einer Mannschaft, die fast nur aus Serben besteht? Sind Sie integriert?

Sehr gut, ich komme mit der Mentalität sehr gut klar. Die Leute sind sehr ehrlich. Wenn sie dich nicht leiden können, zeigen sie es dir. Wenn sie gut mit einem zurechtkommen, sind sie absolut herzliche Menschen. Ich mag diese Ehrlichkeit, zu wissen, woran man ist.

Haben Sie in Belgrad mitbekommen, dass Albas Trainer Sasa Obradovic und sein Spieler Alex Renfroe eine heftige Auseinandersetzung hatten?

Klar, das stand hier groß in der Zeitung. Sasa Obradovic ist ein sehr bekannter Mann in Belgrad, er war ja auch Spieler bei Roter Stern.

In Berlin gab es Stimmen, die das ganz furchtbar fanden. Die Liga hat beide sogar gesperrt. Andere argumentierten: So sind die Jugo-Trainer eben. Sie kennen sich doch aus – ist was dran an dem Klischee?

Ich will nicht behaupten, dass alle ihre Spieler malträtieren. Aber im Allgemeinen passt das schon. Das sind eben sehr emotionale Leute. Es kann passieren, dass der Trainer in seinem Ärger die halbe Kabine auseinandernimmt oder jeden einzelnen Spieler lautstark herunterputzt. Auf der anderen Seite können sie auch sehr gut loben. Ich nenne das: Zuckerbrot und Peitsche.

Ihr früherer Trainer in Bamberg, Chris Fleming, ist jetzt Bundestrainer. Hat er Sie schon gefragt, ob Sie im Sommer bei der EM dabei sind?

Wir telefonieren häufig. Er will mich auch bald mal besuchen kommen. Dann werden wir uns zusammensetzen und darüber sprechen.

Bei der EM kommt es in der Vorrunde zu einem interessanten Duell ...

... ich weiß: Serbien gegen Deutschland!

Da könnten Sie auf Ihre Teamkollegen treffen. Schon mal drüber gesprochen?

Da gibt es schon mal Neckereien, aber selten. In erster Linie konzentrieren wir uns jetzt auf die Saison. Wir haben sehr viele Spiele.

Sind Sie bisher zufrieden mit dem sportlichen Abschneiden?

Absolut. In der Adria-Liga haben wir bislang nur zwei Niederlagen kassiert, in der Euroleague haben wir die Top 16 erreicht und dazu den serbischen Pokal gewonnen. Bis jetzt bin ich absolut zufrieden.

Für Roter Stern wird es schwierig, noch ins Euroleague-Viertelfinale zu kommen. Alba hat bessere Chancen. Überrascht Sie das?

Ich habe mitbekommen, dass Alba in der Liga jetzt mal ein, zwei Niederlagen kassiert hat. Aber das ist völlig normal, die Saison in Europa schlaucht sehr. Sagen wir so: Ja, es ist überraschend, dass Alba ins Viertelfinale kommen kann. Und nein, es ist andererseits keine Überraschung, denn ich halte sehr viel von der gesamten Organisation Alba Berlin – auch von Trainer Obradovic.

Aber zu Alba wollten Sie nicht, Sie hatten doch schon mal ein Angebot, oder?

Ja, nach meiner Trierer Zeit. Da hatte ich Angebote von Alba und Bamberg.

Warum haben Sie sich damals für Bamberg entschieden?

Ich habe immer am meisten darauf geachtet, wo ich mich am besten weiterentwickeln kann. Bamberg war viermal in Folge Meister geworden, spielte in der Euroleague. Ich hatte das Gefühl, dort gleich meinen Platz zu finden. Das war mir sehr wichtig.