Basketball

Berlin gegen Athen als ein Duell der großen Gegensätze

Mit Panathinaikos hat Alba am Freitag in der Basketball-Europaliga einen der Klubs zu Gast, deren Finanzgebaren künftig durch ein Financial Fair Play drastisch eingebremst werden soll.

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Die Manager und Präsidenten der anderen Basketball-Europaligisten waren beeindruckt. In einer Power-Point-Präsentation wurde den Herren in Barcelona kürzlich vor Augen geführt, wie sich die Liga-Verantwortlichen den Budgetplan der Klubs gerne vorstellen. Als Beispiel diente Berlin. Musterschüler Alba. Eine Bezeichnung, die Marco Baldi, dem Geschäftsführer des Klubs, zwar nicht so gefällt. Aber stolz hat es ihn schon gemacht, dass das Geschäftsgebaren seines Klubs als beispielhaft dargestellt wurde.

„Wir erzielen unsere Einnahmen am Markt, aus den Bereichen Tickets, Hospitality und durch Sponsoren“, erklärt Baldi. Ausgaben und Einnahmen stünden sich „mit einer schwarzen Null“ gegenüber. Dies alles wird von der die Europaliga veranstaltenden Uleb (Union der europäischen Basketball-Ligen) als „idealtypisch“ (Baldi) angesehen.

Der Gegenentwurf dazu ist Panathinaikos Athen mit seinem Star Dimitris Diamantidis, der Klub aus der griechischen Hauptstadt, gegen den die Berliner am Freitagabend (20 Uhr, O2 World) anzutreten haben. Der Verein, der ein dreiblättriges Kleeblatt als Emblem hat, ist seit Jahr und Tag finanziell abhängig von der Familie Giannakopoulos, einem Clan milliardenschwerer Bau- und Pharmaunternehmer.

Griechisches Team zu abhängig von einem Mäzen

Die Uleb hingegen wünscht sich „ausreichende Verlässlichkeit und Marktorientierung“, wie es Jan Pommer nennt. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) leitet die Europaliga-Arbeitsgruppe, die seit einigen Jahren die neue Zeitrechnung bei der Lizenzierung der Klubs vorbereitet, die zur kommenden Saison, im Sommer 2015, beginnen soll. Das Schlagwort dabei lautet Financial Fair Play.

Die Klubs müssen ihre Etatplanungen vorlegen und dokumentieren, mit welchen finanziellen Mitteln sie agieren wollen und woher das Geld kommen soll. „Es sollen mäzenatische Strukturen zurückgedrängt werden“, sagt Pommer. „Nicht dass ich das nicht respektiere, aber es ist kein Geschäftsmodell.“ Klar, verlieren Geldgeber die Lust an ihrer Passion, wird also der Geldhahn zugedreht, steht der Klub ziemlich hilflos da. Für die Europaliga und deren Ansehen bei Sponsoren ist Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit eine ganz wichtige Währung. „Je mehr sich am Markt orientiert wird, desto größer ist die Chance, dass die Vereine langfristig im Wettbewerb dabei sind.“ Es wird nun einer Mentalität der Kampf angesagt, die Pommer so umreißt: „Es wird systematisch mehr Geld ausgegeben, als man zur Verfügung hat.“

Klubs wie Real und Barca bekommen Geld vom Fußball

Dabei sind nicht nur Klubs gemeint, die sich auf Mäzene stützen und die es gewohnt sind, „reiche Leute anzupumpen“ (Pommer). Es gibt auch Vereine, die wie ZSKA Moskau Staatsnähe über eine Minengesellschaft haben, die hinter dem Klub steht. Oder Real Madrid und der FC Barcelona, bei denen die Basketballer über die entsprechende Fußball-Abteilung querfinanziert werden. Manche Klubs werden auch massiv von Kommunen unterstützt. Baldi spricht dann von „ungesunden Strukturen“. Wenn Klubs „gerade einmal zwei oder drei Prozent ihres Etats über Ticketeinnahmen generieren“.

Inzwischen wurden die Vereine informiert, was sie vorzulegen haben. Einheitlichkeit herzustellen ist schwierig, schließlich gelten in unterschiedlichen Ländern andere Gesetze, was zum Beispiel Steuern oder Sozialabgaben betrifft. Gerade in Griechenland sind sowieso die Zeiten vorbei, in denen sich die Klubs eben um Steuern oder Sozialabgaben nicht kümmern mussten. „Die haben mir das früher immer gar nicht geglaubt, wenn ich erzählt habe, wie unser deutsches System ist und was wir alles bezahlen müssen“, erzählt Baldi über die Kollegen von Panathinaikos oder Olympiakos Piräus, die nun ziemlich fassungslos sind, was in ihrer Heimat passiert.

Die möglichen Strafen reichen bis zum Ausschluss

„Ich nehme auch an, dass den Vermögenden jetzt in Griechenland mehr zugesetzt wird als früher“, sagt Pommer. Entsprechend hat Panathinaikos inzwischen seinen Etat um mindestens ein Viertel auf etwa 18 Millionen Euro gesenkt. Immer noch eine andere Hausnummer im Vergleich zu Alba (etwa acht Millionen Euro).

Pommers Arbeitsgruppe wird bald von einer Kommission mit Europaliga-Chef Jordi Bertomeu an der Spitze abgelöst werden, der unabhängige und sachkundige Personen angehören sollen. Pommer ist das recht, damit niemand auf die Idee kommen kann, „ich würde in meinem steten Bemühen, die deutsche Liga und deren Klubs nach vorne zu bringen, übers Ziel hinausschießen.“ Klubs wie Alba könnten schließlich davon profitieren, dass ein Krösus von einst zwar nicht zum Bettelmann wird, zumindest aber mit kleinerem Budget arbeiten muss.

Dass das ganze Projekt ein langer Prozess sein wird, ist klar. „Man kann nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, das funktioniert nicht“, meint Pommer. „Es wird dauern.“ Weitere Überzeugungsarbeit ist zu leisten. Denn es wird Widerstand geben, der bisher von niemandem formuliert wurde. Die Beteiligten warten offensichtlich erst einmal ab.

Europaliga sieht europäischen Fußball-Verband Uefa als Vorreiter

Baldi hält es mit Blick auf die Fußballklubs Real oder Barca zumindest für „schwierig, einem Hauptverein zu sagen, du darfst nichts mehr geben“. Doch Pommer sagt: „Jedem muss klar sein, wie die Folterinstrumente aussehen.“ Von Geldstrafen über Punktabzüge bis zum Ausschluss aus dem Wettbewerb soll die Palette reichen.

Die Europaliga orientiert sich dabei am europäischen Fußball-Verband Uefa, der bereits ein Financial Fair Play eingeführt hat. „Wir freuen uns, dass ein Eisbrecher vor uns unterwegs ist“, sagt Pommer. Die Uefa hat Paris St. Germain und Manchester City schon zu Strafen bis zu 60 Millionen Euro verdonnert. Die Klubs gehen momentan mit Anwälten dagegen vor.