Basketball

Alex Renfroe wurde vom Notnagel zum Leistungsträger

Alex Renfroe wurde von Alba als Ersatz verpflichtet. Deshalb erhielt er nur einen Vertrag bis Januar. Doch nun ist er so wertvoll, dass die Berliner ihn nur ungern gehen lassen würden.

Foto: JACK GUEZ / AFP

Die Minus-Temperaturen behagen ihm nicht besonders. Alex Renfroe gibt das gern zu, aber er sieht die Dinge positiv. Vor einem Jahr hat er den Winter schließlich noch in Krasnojarsk verbracht, 5000 Kilometer Luftlinie östlich von Berlin im tiefsten Sibirien, erzählt er lachend, „und dort war es viel kälter“.

Der Amerikaner ist über seine Entscheidung, zu Alba in die Basketball-Bundesliga zu wechseln, aber nicht nur deshalb froh. Es läuft gut. Trotz der 89:95-Niederlage am Donnerstag bei Maccabi Tel Aviv werden die Berliner es wohl in die Top 16 der Euroleague schaffen. National, wo Alba an diesem Sonnabend (18.30 Uhr, O2 World) auf die Artland Dragons trifft, sind sie gar ungeschlagener Tabellenführer. Die Frage ist nur: Wie lange läuft es noch so gut? Gemeinsam?

Europaliga als Reiz

Der 28-jährige Spielmacher hat nur einen Vertrag bis Ende Januar. Er wurde verpflichtet, als sich Jonathan Tabu in der Saisonvorbereitung eine Brustmuskelverletzung zuzog. Alba brauchte schnell Ersatz, aber einen, der die Kasse des Pokalsiegers nicht übermäßig belastet. Irgendwann wird Tabu ja wieder einsatzfähig sein. Im Vergleich zu Russland hat sich Renfroes Gehalt deutlich verringert. Aber er willigte ein, ihn reizte die Chance, in Europas Königsklasse zu spielen. Sich zu zeigen, für andere Vereine interessant zu machen. Das ist ihm viel besser gelungen als von manchen erwartet. Jetzt geht es nicht mehr allein darum, ob Alba vielleicht mit ihm zu gleichen Konditionen verlängern möchte. Sondern darum, ob er zu besseren finanziellen Bedingungen weiterzieht.

Renfroe hat schon bei etlichen Klubs gespielt, in Lettland, Kroatien, Italien, Spanien. Ein paar Monate auch für Bamberg, mit den Franken wurde er sogar 2013 Deutscher Meister. Diese Erfahrung hat er seinen Mitspielern in Berlin voraus. Trotzdem hat auch er hier etwas Neues kennen gelernt. „Dies ist eine spezielle Gruppe“, sagt er, „die Spieler sind sehr eng beieinander. Das macht auf dem Feld einen großen Unterschied. Jeder kämpft und spielt für den anderen.“

Großes Lob von Obradovic und Demirel

Der Linkshänder macht keinen Hehl daraus, wie gern er bleiben würde: „I would love to stay.“ Er hat eine gute Zeit hier, seine Frau ebenfalls, die ihn nach Berlin begleitet hat. Dazu loben alle im Klub den für einen Profi eher zart wirkenden Mann. „Alex ist gut für uns, er hilft uns sehr“, urteilt etwa Trainer Sasa Obradovic. Sportdirektor Mithat Demirel zählt gleich gute Eigenschaften im halben Dutzend auf: die Schnelligkeit des Basketball-Leichtgewichts, seine Ruhe und sein Selbstvertrauen, die Fähigkeit, eins gegen eins zu spielen.

Aber auch das gute Gespür für Pässe bei Schnellangriffen. „Dazu ergänzt er sich hervorragend mit Clifford Hammonds, unserem anderen Spielmacher. Alex ist ein großer Gewinn für uns, so einen Spieler gibt man nicht gern ab.“ Nach Hammonds und Reggie Redding bekommt er von seinem Coach die längsten Einsatzzeiten; in den Statistiken stehen im Schnitt knapp neun Punkte, vier Rebounds und vier Korbvorlagen pro Spiel. Ein gutes Gesamtpaket.

Berlin kann nicht mehr für den Amerikaner zahlen

So etwas lässt sich nur nicht geheim halten. Was also, wenn ein besser betuchter Klub aus Spanien, der Türkei oder erneut Russland kommt und ihm ein verlockendes Angebot macht – würde Alba auch etwas drauflegen, um Renfroe zu halten? „Das Geld haben wir nicht“, stellt Demirel klar und glaubt: „Kommt ein Riesenangebot, nutzt er seine Option. Warten wir mal die Entwicklung der nächsten sechs Wochen ab.“ So ähnlich hört sich der Amerikaner an. „Jetzt ist erst Dezember, also noch eine lange Zeit, bis mein Vertrag endet. Ich schaue mal, was mein Agent sagt.“ Zu weit in die Zukunft solle man sowieso nicht schauen, sondern Schritt für Schritt machen. Und dann tut er es doch, wenn er sagt: „Wir haben alles, was man braucht, um Champion zu werden.“ Abschied klingt anders.