Es war ja nicht gerade abwegig, mit drei Niederlagen in den ersten drei Europaliga-Spielen zu rechnen. Schließlich hatte Alba mit ZSKA Moskau, Unicaja Malaga und Maccabi Tel Aviv die drei Schwergewichte der Gruppe vor der Brust. Dennoch: Die drei Niederlagen sind nicht gerade Balsam für das Selbstwertgefühl, schon gar nicht, wenn die letzte gegen den Titelverteidiger aus Israel schon fast eine Lehrstunde war.
Ein klares Zeichen der Mannschaft ist jetzt gefragt. Sie muss beim Gastspiel am Sonntag in Trier (17 Uhr, Sport1) „das Spiel gegen Maccabi ausschwitzen“, wie Geschäftsführer Marco Baldi fordert. Nur mit einem Sieg gegen das Team von Alba-Legende Henrik Rödl ließe sich verhindern, dass bei den Spielern Grübelei und Selbstzweifel aufkommen. Und beides kann Alba nicht gebrauchen, denn am nächsten Freitag kommt CSP Limoges in die O2 World, und „jeder weiß, das ist ein Spiel, das wir gewinnen müssen, das erste in dieser Saison, in dem es ans Eingemachte geht“, sagt Baldi.
Seine Mannschaft sei „leidenschaftlich und intensiv, aber nicht abgezockt“, fasste er seine Erkenntnisse aus den drei ersten Europaliga-Spielen zusammen. Letzteres könne man nur werden, wenn man die Tugenden nicht verliert, mit denen man bislang ja keinesfalls erfolglos war und beispielsweise in der Bundesliga noch ungeschlagen ist.
Was Baldi nicht behagt, ist, dass auch Trier etwas auszuschwitzen hat. Rödl und sein Team wurden nämlich zuletzt vom Aufsteiger Crailsheim mit einer 84:100-Packung nach Hause geschickt. „Kreuzgefährlich“, erwartet Berlins Geschäftsführer die Trierer, wissend, dass einer wie Rödl eine solche Pleite nicht einfach so vorüberziehen lässt.
Giffey trifft auf seinen Mentor
Kreuzgefährlich oder nicht – einer fährt mit einem schönen Gefühl an die Mosel: Niels Giffey, der von Rödl, als der noch Albas Jugendcheftrainer war, das Rüstzeug bekommen hatte, mit dem er am College in den USA bestehen konnte und dort zweimal Meister wurde. „Ich bin glücklich, Henrik als Trainer gehabt zu haben. Er ist noch immer so etwas wie ein Mentor für mich. Ich habe außer bei meiner Rückkehr zu Alba vor allen großen Entscheidungen immer seinen Rat gesucht“, erzählt Giffey. „Jetzt verbindet uns auch, dass ich oft mit ihm verglichen werde. Seine ruhige, solide Art, seine Leidenschaft, mit der er andere mitreißen kann, sind mir auch ein Vorbild.“
Wenn, was auch nicht abwegig ist, Giffey und Alba die Punkte aus Trier mitnehmen, wird das das Verhältnis sicherlich nicht trüben. Rödl will auch immer gewinnen. Seine Mannschaft wird er vielleicht zusammenfalten, insgeheim aber auf seine Zögling stolz sein.





