Der eine oder andere Spielzug dürfte wieder nicht gelaufen sein wie von Sasa Obradovic gewünscht, und sicherlich hat Ulm den einen oder anderen Punkt zu viel gemacht. Das alles dürfte aber die generelle Stimmungslage des Alba-Coaches kaum trüben. Denn Berlins Basketballteam gewann vor 8442 Zuschauern in der O2 World gegen den Gast aus Schwaben am Sonntagnachmittag souverän mit 88:68 (42:36) – es war bereits das sechste Erfolg in Folge.
Die Bayern und die San Antonio Spurs geschlagen und nach Göttingen, Bayreuth und Bonn in der Bundesliga jetzt auch Ulm, besser hätte Alba nicht in Saison starten können. Damit konterte der deutsche Vizemeister den deutlichen Sieg des FC Bayern in Hagen am Sonnabend und schob sich mit einer minimal besseren Korbbilanz wieder auf den ersten Platz in der Tabelle.
„Ich hatte etwas Angst, dass unsere Energie nicht reichen könnte“, gestand Obradovic. „Aber meine Mannschaft hat wieder erstklassig reagiert. Ich bin sehr zufrieden, mit jedem einzelnen.“
Schwere Beine nach dem Spiel gegen die Spurs
Zu Beginn des Spiels bewahrheitete sich die Vermutung von Kapitän Alex King, dass sich sein Team nach dem Sieg gegen NBA-Champion San Antonio in der Liga „doppelt warm anziehen“ müsse, weil alle noch heißer darauf wären, Alba zu schlagen. Zum anderen war aber auch deutlich zu sehen, dass die Berliner mit ziemlich schweren Beinen in dieses dritte Spiel innerhalb von fünf Tagen gegangen waren. Die Würfe steif, die Pässe ohne Präzision, in der Verteidigung kamen sie öfter einen Schritt zu spät.
Obradovic wechselte daher seinen Kader besonders früh durch, was vorerst aber nichts brachte. Die Ulmer taten das, wofür sie bekannt und gefürchtet sind – sie trafen aus der Distanz. Die Berliner lagen erst 5:12 (6.), dann 14:20 (9.) zurück. Ausgerechnet die Langen in Albas Reihen, Jamel McLean und Leon Radosevic, kamen dann als Erste auf Betriebstemperatur und brachten Alba auf 21:22 (10.) heran.
„Fünf Spiele in drei Tagen sind schon ein hartes Programm, das habe ich in den Beinen gemerkt und auch bei Konzentration“, erklärte Niels Giffey danach geschafft. Aber: „Wir hatten einen guten Start, bisher ist es wirklich gut gelaufen“.
Denn lange lief Alba den Ulmern nicht hinterher. Obradovics Team eilt nämlich seit der vergangenen Saison auch ein Ruf voraus, der der gnadenlosen Defense. Durch zwei Ballgewinne von Reggie Redding und Clifford Hammonds wurde in nur wenigen Sekunden aus einem 28:29 ein 32:29 (15.). Ulm kam jetzt mit wesentlich größerer Mühe zu Punkten, dank Hammonds, Marko Banic und McLean setzte sich Alba erstmals bis zur Halbzeitpause auf 42:36 leicht ab.
Youngster Wagner nicht dabei
Wie schon am Freitagabend in Bonn fehlte bei Alba Vojdan Stojanovski, der sich gegen San Antonio den Oberschenkel zerrte und noch gut eine Woche ausfallen wird. Auch Youngster Moritz Wagner ist wieder im Alltag angekommen. Nach seiner Gala gegen Göttingen und seinem Kurzeinsatz gegen San Antonio suchten ihn die Fans vergeblich in Albas Kader. Der 17-Jährige trat fast zeitgleich seinem Alter entsprechend mit Albas NBBL-Team in der Nachwuchs-Bundesliga an, machte beim 94: 58-Kantersieg 25 Punkte, holte sechs Rebounds und gab sieben Assists, empfahl sich als also erneut für höhere Aufgaben.
Auch ohne Stojanovski und Wagner behielten die Gastgeber die Partie nach der Pause unter Kontrolle, wobei sich Hammonds ganz besonderes hervor tat. Albas in der vergangenen Saison zum besten Verteidiger der Liga gewählter Spielmacher glänzte nicht nur in der Defense, sondern auch als smarter Organisator und 18 Punkten. Albas Lenker sorgte per Dreier für die erste zweistellige Führung seines Teams (50:40/23.). Kapitän King, Banic und Redding legten dann nach. Vor den letzten zehn Minuten war Albas Vorsprung mit 64:50 komfortabel.
Hätten nicht Will Clyburn (20 Punkte) und Boris Savovic (15) in Reihen der Ulmer gestanden, wäre die Partie sicherlich schon längst entschieden gewesen. So aber durften sich die Gäste bis zum 75:64 (36.) noch halbwegs in Schlagdistanz wähnen. Nach sechs Punkten in Folge von Banic und einem Dreier von King war auch der letzte Widerstand der Ulmer gebrochen.
Albas Sieg, zu dem hinter Hammonds 18 Punkte McLean 14, Leon Radosevic 13, Banic zwölf und Redding elf besteuerten, wurde noch sehr deutlich. „Wir können jetzt kurz durchpusten“, sagte Mc Lean, „aber eben nur kurz, denn wir wollen auch gut in die Europaliga starten“. Was eine anspruchsvolle Aufgabe wird, denn am Freitag (20.15 Uhr) kommt zum Auftakt gleich Schwergewicht ZSKA Moskau in die O2 World.




