Basketball

Alba genießt Sieg über die Spurs mit Gefühlen wie noch nie

Niemand hatte daran geglaubt, doch Alba gelang die Sensation gegen den NBA-Champion. Aber zum Feiern blieb keine Zeit. Schon am Freitag treten die Berliner um Bundesligapunkte in Bonn an.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Sebastian Wells

Wenn Sasa Obradovic bestens gelaunt zu einer Pressekonferenz erscheint, sich hinsetzt und ungefragt sagt: „I am happy“, dann muss etwas Besonderes geschehen sein. So war es: Der sonst nie ganz zufriedene Trainer von Alba Berlin platzte fast vor Stolz auf seine Spieler, die soeben die San Antonio Spurs, den NBA-Champion und somit die beste Basketball-Vereinsmannschaft der Welt, mit 94:93 besiegt hatten. Ob man nach einem Testspiel gleich von einem historsichen Erfolg sprechen muss, sei dahingestellt, aber jedenfalls „war dies einer der größten Siege einer europäischen über eine amerikanische Mannschaft“. In seinem Lebenslauf, sagte der mit vielen Titeln gesegnete Coach lächelnd, „wird das eine Zeile werden“.

Ein Wurf geht um die Welt

Jamel McLean steht noch am Beginn seiner Profi-Laufbahn, und der 26-Jährige wusste gar nicht, wie er seine Gefühle in Worte fassen sollte. Er wusste ja nicht einmal, wie er nach seinem goldenen Wurf „richtig jubeln sollte, so unwirklich war es“. Reggie Redding hatte den Ball fünf Sekunden vor Ende der Partie beim Einwurf der Spurs gestohlen, ihn zu Leon Radosevic gepasst, der wiederum schnell den losstürmenden McLean ins Spiel brachte. Die Zeit lief ab, fast von der Dreierlinie musste McLean werfen. Vom Brett prallte die orangene Kugel in den Korb der entgeisterten Stars aus der NBA.

Als der Ball noch in der Luft war, erklang die Schlusssirene, das rote Licht am Brett leuchtete auf, also: Die zwei Punkte zählten. Die Zuschauer in der O2 World flippten aus. „So ein Gefühl“, gab Albas glücklichster Mann des Abends preis, „hatte ich noch nie.“ Sein Stoßgebet, während des Wurfs gen Himmel gesendet, war erhört worden. Der junge Mann aus New York wurde zum Matchwinner gegen seine eigenen Idole. Als er nach dem Spiel in die Alba-Kabine kam, fand er auf dem Smartphone schon 60 Meldungen mit Glückwünschen. Jamel McLeans Wurf geht um die Welt.

Alba steht jetzt in einer Liste mit Maccabi, Barca und ZSKA Moskau

So wie das Ergebnis. Fakten sind hilfreich, es einzuordnen. Der Bundesligist bestritt einschließlich der Vorbereitung sein 14. Saisonspiel, San Antonio sein erstes. 118 Vergleiche hat es zwischen NBA-Teams und Konkurrenten außerhalb der USA gegeben; zum 15. Mal ging nun dieser Vergleich zu Ungunsten der Favoriten aus. Maccabi Tel Aviv hat allein vier solcher Partien gewonnen, der FC Barcelona und ZSKA Moskau je drei. Einem deutschen Team jedoch war dies nie gelungen. Seit den Achtigerjahren scheiterten der ASC Göttingen (zweimal), der SSV Hagen, Bayer Leverkusen und auch Alba Berlin (2012 beim 84:89 gegen die Dallas Mavericks). Und jetzt der Name Alba in einer Reihe mit den Euroleague-Champions Maccabi, Barca oder ZSKA – das klingt herrlich in Berliner Ohren. Dazu wurde nicht ein Mittelklasseteam geschlagen nach Istanbul weitergeschickt, wo die Spurs gegen Fenerbahce antreten. Sondern der Champion. Von Glück sollte man auch nicht reden bei einem Gewinner, der drei der vier Spielviertel für sich entschied.

Genauso hilfreich ist es, die Stimmen der Verlierer zu hören. Zu Recht verwiesen Trainer Gregg Popovich und sein Spieler Manu Ginobili darauf, dass sie noch nicht in Bestform sind. Gleichzeitig priesen sie den Sieger. „Ich kannte diese Spieler nicht, aber sie haben einen phantastischen Job gemacht, vor allem als Team“, lobte Ginobili. Sein Trainer fand drastischere Worte: „Wir wollten das Spiel wirklich gewinnen, aber Alba hat uns in den Hintern getreten.“ Er habe von Beginn an gewusst, was sein Gegenüber Obradovic vorhabe: „Ich kenne ihn. Er ist Serbe!“ Lautes Gelächter. Popovich ist selbst serbischer Abstammung.

Erfolg gegen die NBA-Stars ist eine tolle Werbung für die Liga

Was bedeutet der Erfolg für Alba? „Wir genießen den Moment und müssen uns klar machen, was es wirklich bedeutet, dieses Spiel gewonnen zu haben“, sagte Niels Giffey. Es wird noch ein bisschen dauern. Jan Pommer, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, kommentierte freudig: „Ein großartiger Erfolg für Alba – eine tolle Werbung für unsere Liga.“ Von überall, nicht nur aus Europa, trafen Glückwünsche ein. Radiosender aus den USA wünschten Interviewtermine mit Jamel McLean. Aus China war vom neuen Sponsor Zhong De Metal Group eine fünfköpfige Delegation angereist, die verblüfft sehen konnte, wie gut sein Geld angelegt ist.

Alba Berlin ist nun NBA-Champion-Besieger. Außerdem hat Obradovics Team im Spiel um den Champions Cup bereits die deutsche Übermannschaft der Stunde, Bayern München, an die Wand gespielt. Beide Siege zeigen: Teamgeist und Leidenschaft können das größere Talent, die höhere individuelle Qualität, die bessere Athletik schlagen.

Obradovic schwant die Schwere der Aufgabe in Bonn

Nur bekommen das nun auch einmal mehr die vermeintlich Kleineren in der Bundesliga vor Augen geführt, wenn sie gegen Alba spielen müssen. Gegen ihr eigenes Vorbild sozusagen. An diesem Freitagabend wartet ein solcher Konkurrent mit den Telekom Baskets Bonn auf das noch ungeschlagene Berliner Ensemble, das gerade einen Rausch der Gefühle hinter sich hat. Obradovic schwante schon die Schwere der Aufgabe, als er sich eigentlich noch über seine Mannschaft freuen wollte. Eine große Feier wurde seinen Spielern verwehrt, die am Donnerstagabend nach einem kurzen Training die Reise nach Bonn antreten mussten. Einbisschen traurig sagte Niels Giffey: „Dort beginnt für uns wieder der Alltag.“