Am Montag bestritt Alba Berlin sein erstes Testspiel vor der neuen Saison gegen Energa Czarni Slupsk aus Polen (79:75), noch ohne die gerade von ihren Nationalteams zurückgekehrten Akeem Vargas und Vojdan Stojanovski. In der MBS-Arena in Oranienburg präsentiert der deutsche Basketball-Pokalsieger am Sonntag (17 Uhr) beim nächsten Test gegen Hapoel Jerusalem und erstmals öffentlich auch seine Verstärkungen Niels Giffey, Jamal McLean und Jonathan Tabu; Martin Seiferth fehlt wegen einer Handverletzung. Gewohnt engagiert dirigierte Trainer Sasa Obradovic gegen Slupsk an der Außenlinie das Geschehen. Mit der Morgenpost sprach der Serbe, 45, über seine Zugänge, seine Art, Urlaub zu machen, die übermächtigen Bayern und Herausforderungen in der nächsten Spielzeit.
Berliner Morgenpost: Herr Obradovic, hatten Sie einen entspannten Urlaub?
Sasa Obradovic (lacht): Es war eine Kombination aus Erholung und Arbeit. Komplette Ruhe hast du nie. Auch im Urlaub spreche ich mit Agenten, mit meinen Spielern, versuche, neue Leute von uns zu überzeugen, von unserem Programm. Wenn du in dieser Phase die richtige Auswahl triffst, verhinderst du Probleme während der Saison. Im vergangenen Jahr ist uns das gut gelungen: Alle, die herkamen, wollten sich beweisen, waren sehr motiviert. Das hat es einfacher für mich gemacht, eine funktionierende Gruppe zu bilden.
Und diese Suche muss ausgerechnet im Urlaub stattfinden?
Das fängt ja schon viel eher an, während der Saison. Ich mache das nicht allein, das ganze Management und Umfeld arbeitet daran. Auch in diesem Jahr wieder: Es war sehr wichtig, Niels Giffey zu überzeugen, dass er bei Alba eine gute Situation vorfindet. Ich bin überzeugt, dass er mit seiner Persönlichkeit eine große Rolle spielen kann.
Kann er einer werden, der Alba über Jahre prägt? So wie einst Henrik Rödl?
Ich denke, ja. Er hat große Qualitäten, ein Anführer zu werden. Aber wir müssen auf ihn aufpassen und ihm Zeit geben. Wir müssen geduldig sein – er ist Rookie! Alles ist neu für ihn. Es war gut, dass er sich für uns entschieden hat. Bamberg wollte ihn auch verpflichten, für viel mehr Geld. Unser Sportdirektor Mithat Demirel hat ihn trotzdem von der besseren Perspektive in Berlin überzeugt. Das hat er gut gemacht.
Angeblich wollte Bamberg auch Sie haben. Wie hat Alba Sie gehalten? Mit Geld?
Das nicht, ich bekomme das gleiche wie vergangene Saison. Es gab Angebote, das stimmt. Auch finanziell besser, aber nicht so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsse das sofort unterschreiben. Mein Hauptargument: Meine Arbeit hier ist noch nicht beendet. Die Mannschaft hat einen tollen Job gemacht. Aber nach dem Ende der Saison (Niederlage im Meisterschaftsfinale gegen München, d.Red.) war in mir eine große Leere. Es war ein solches Vergnügen, die Jungs zu trainieren, zu sehen, wie sie mitziehen und auch alle im Umfeld eine Veränderung festgestellt haben. Das hat mich motiviert weiterzumachen. In dieser Mannschaft steckt noch mehr.
Viel Veränderung gibt es nicht im Team.
Nein. Wir haben aber erkannt, dass wir Glück hatten, dass sich keiner unserer großen Drei – Reggie Redding, Clifford Hammonds und Leon Radosevic – schwer verletzt hat. Du musst ein Team auch so zusammenstellen, dass du Ausfälle verkraften kannst. Ich bin sicher, dass unser neuer Spielmacher Jonathan Tabu ein besserer Ersatz sein kann, als dies etwa David Logan gewesen wäre. Er ist sehr solide, mehrdimensional, auch besser in der Verteidigung. Jamal McLeans Stärken sind bekannt: Er ist der Top-Rebounder der Bundesliga. In diesem Bereich hatten wir Schwächen. Ich mochte Levon Kendall sehr als Menschen, er hat der Mannschaft mit seiner Erfahrung gut getan. Aber wir sind jetzt variabler. Stand jetzt sind wir sehr kreativ, haben gute Rebounder, gute Verteidiger, gute Schützen. Das ist ein gutes Gesamtpaket. Vielleicht sind wir noch stärker als im letzten Jahr.
Die Herausforderung wird größer für Sie und Alba. In der letzten Saison konnten Sie überraschen, jetzt wird von Ihnen das gleiche gute Ergebnis wieder erwartet, wenn nicht mehr!
Ich habe keine Angst davor. Natürlich wollen wir den Erfolg bestätigen. Deshalb soll man aber jetzt nicht ein Bild von Alba zeichnen, als würden wir die Bundesliga dominieren. Diese Zeit ist vorbei. Es ist nicht immer leicht, mit diesen ganzen Titeln zu leben...
... acht Deutsche Meisterschaften, acht Pokalsiege ...
... wenn du weißt, die anderen geben deutlich mehr aus als du. Die Liga wird noch ausgeglichener sein. Und alle werden noch heißer darauf sein, uns zu schlagen.
Wie kann man sich dagegen wehren?
Härter arbeiten (grinst).
Haben Sie eigentlich auch Ihre Familie gefragt, ob Sie bei Alba bleiben sollen?
Wir legen immer gemeinsam Plus und Minus auf den Tisch. Ein wichtiger Grund ist ganz sicher, zusammen zu sein. Wie ist die Schulsituation für die Kinder? Wissen Sie, diese zwei Jahre hier in Berlin waren sehr gut für uns als Familie. Davor habe ich zwei Jahre in der Ukraine gearbeitet, da haben meine Frau und die Kinder zunächst in Belgrad gewohnt, dann in Kiew, wir sind viel gereist, um uns zu sehen. Die Kinder mussten häufig die Schule wechseln. Jetzt sind wir das dritte Jahr zusammen, und ich habe gefragt: Was würdet ihr empfinden, wenn wir umziehen müssten? Meine Tochter, sie ist 16, hat gesagt, es wäre okay. Mir gefällt diese Einstellung. Aber wenn Sie mich fragen, ich fühle mich hier sehr heimisch. Egal, was beruflich wird: Leben möchte ich immer in Berlin.
Es hat viele Phasen im deutschen Basketball gegeben, in denen ein Team dauerhaft Meister wurde. Erst war das Bayer Leverkusen, dann Alba, zuletzt Bamberg. Jetzt sind die Bayern Champion. Der Beginn der nächsten Ära?
Sie haben alle Bedingungen, größer zu werden. Das Budget wächst jedes Jahr. Die Bayern denken nicht regional. Sie wollen nicht nur die Besten in Deutschland sein, sondern am liebsten in ganz Europa. Das entspricht dem Selbstverständnis, welches sie im Fußball entwickelt haben. Du brauchst einen Plan, und den hatten sie in den vergangenen Jahren, diese Position zu bekommen und sie dann zu behaupten. Sie haben eine sehr tiefe Besetzung, das hat ihnen natürlich geholfen. So schmerzlich es für uns war: Sie waren in den entscheidenden Spielen besser als wir. Aber ich hoffe doch, dass alle anderen Mannschaften es ihnen dieses Jahr noch schwerer machen werden. Wir werden eines dieser Teams sein.


