Jetzt erst einmal ausruhen. Niels Giffey ist anzumerken, dass er in den vergangenen Monaten jede Menge um die Ohren hatte. Den Bachelor in Wirtschaftsgeografie hat er nach vier Jahren an der University of Connecticut gemacht. Aber wer spricht schon darüber? Vor allem ist der 23-Jährige eben Basketballspieler. Im April dieses Jahres ist er nach 2011 zum zweiten Mal mit seinem College-Team US-Champion geworden. Zuletzt ist er wochenlang herumgezogen, „von Hotel zu Hotel“. Er hat vorgespielt in der sogenannten Summerleague der NBA in Orlando und in Las Vegas. Weil er doch noch die leise Hoffnung hatte, dass ihm ein Klub einen Vertrag in der besten Liga der Welt anbietet.
Doch nun ist Niels Giffey seit Dienstagvormittag wieder zurück in seiner Heimatstadt Berlin, die er vor vier Jahren verlassen hat. Der eine Lebensabschnitt ist beendet: Das Leben am College, in dem er wichtige Prozesse durchlaufen hat. „Eigenständig werden, erwachsen werden“ habe dazu gehört, so Giffey. Und dann natürlich Basketball, die Spiele mit dem Team, zuletzt vor 79.238 Zuschauern in Arlington beim Finalsieg gegen die Kentucky Wildcats.
Der nächste Lebensabschnitt beginnt nun, als Profi von Alba Berlin. In der Stadt, in der er geboren wurde, in der er das Basketball-ABC gelernt hat. Bei dem Klub, mit dem er 2009 den Titel in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL) gewonnen hat. „Es ist schön, wieder hier zu sein, nah bei der Familie“, sagt er.
Alba verspricht sich viel vom zwei Meter großen Giffey. Über die ganzen Jahre hat der Klub immer Kontakt zu seinem verlorenen Sohn gehalten, den man damals gern in Berlin gehalten hätte. Aber es zog ihn in die USA, „um mir meinen Traum von Studium und Basketball auf hohem Niveau zu erfüllen“. Vor knapp zwei Wochen hat er Alba sein Ja-Wort gegeben für einen Dreijahres-Vertrag.
Alba hat ihn gleich für drei Jahre verpflichtet
Zurückgekehrt ist er als einer, um den viele Klubs aus Deutschland und Europa gebuhlt haben. Im vergangenen Jahr hat der vielseitige Giffey, der bis auf Center fast alles spielen kann, auch in der Nationalmannschaft (in diesem Sommer pausiert er dort aus privaten Gründen) gezeigt, dass er am College vom Talent zu einem sehr guten Spieler geworden ist. „Er wird bei uns eine zentrale Rolle spielen“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.
Er könnte zukünftig zum Gesicht von Alba werden, weil er genau das verkörpert, was dem Klub wichtig ist: Einsatz mit Leib und Seele, teamorientierter Basketball. „Ich bin nicht der beste Einzelspieler, aber bin im Team extrem effektiv“, schätzt er sich selbst ein. Gegenüber dem College werde er „eine neue Rolle spielen“, glaubt er. Er müsse wieder lernen, „kreativer zu spielen“, nachdem er am College eher eine Rolle hatte, die zwar sehr wichtig war, ihn aber nicht so sehr als Werfer vorsah. „Höhen und Tiefen“ werde diese Umstellung mit sich bringen, ist er sich sicher.
Giffey hat eine Ausstiegsklausel für die NBA
Giffey schätzt sich angenehm realistisch ein. Er ist keiner, der große Ansagen macht. Es hat ihm gefallen, dass ihm Trainer Sasa Obradovic keine großartigen Versprechungen gemacht hat. „Ich vertraue sowieso niemandem, der viel verspricht.“
Natürlich hat er die Hoffnung nicht ganz aufgegeben, doch noch mal den Sprung in die NBA (sein Vertrag beinhaltet dafür eine Ausstiegsklausel) zu schaffen. Aber: „Ich bin kein Dirk Nowitzki, ich würde nie zu einem Starspieler in der NBA.“ In einer klar definierten Rolle könne er „sicher eine Nische in einem NBA-Team füllen“.
Jetzt aber zählt nur Alba, nur Berlin.

