Basketball

Team von Alba Berlin bleibt größtenteils zusammen

Berlins Basketballer haben die Finalniederlage gegen Bayern München ganz gut verdaut, geben sich für die Zukunft kämpferisch. Trainer Sasa Obradovic will sein Werk in Berlin fortsetzen.

Foto: Rainer Jensen / dpa/Jensen

Von 70 Pflichtspielen seit Oktober 2013 nur 16 verloren zu haben, ist eine außerordentlich gute Bilanz. Nach einer solchen muss man selbst in den so oft besungenen Meisterjahren von Alba Berlin lange suchen, bevor man auf die Spielzeit 1996/1997 stößt, der des ersten Doubles aus Meisterschaft und Pokal. Damals verlor Alba nur zwölf von 60 Partien.

Dieses Mal aber blieb Sasa Obradovic, vor 17 Jahren noch Albas Spielmacher, der größtmögliche Triumph versagt. Den Pokal gewann er in dieser Saison als Coach auch, aber die letzte Niederlage war eine zu viel. Bekanntermaßen kann nur eine Mannschaft das letzte Spiel der Saison gewinnen und das war – ausgerechnet in der Berliner O2 World – Bayern München. Obradovic blieb in den ersten Stunden nach dem Aus nur, „einerseits schon traurig zu sein“, sich aber andererseits „nicht als Verlierer zu fühlen“.

Es fehlt nur noch das „Ja“-Wort

Auf seine Gefühle kommt der Serbe nach seiner zweiten Alba-Saison als Cheftrainer auch gleich zu sprechen, wenn er auf seinen auslaufenden Vertrag angesprochen wird. Er fühle sich „in Berlin sehr wohl“, sagt er dann und unterstreicht mit einer kleinen Pause zwischen „sehr“ und „wohl“, wie wohl er sich fühlt. Mischt man das mit dem „Wir werden versuchen, Sasa in Berlin zu halten“ von Geschäftsführer Marco Baldi und dem „Wir wollen, dass Sasa bleibt“ von Sportdirektor Mithat Demirel, steht einer erneuten Vertragsunterschrift wohl kaum etwas im Wege.

In Obradovics Überlegungen dürfte auch eine Rolle spielen, dass Clifford Hammonds, Reggie Redding, Leon Radosevic, Alex King, Akeem Vargas, Jonas Wohlfarth-Bottermann sowie die Talente Ismet Akpinar und Bar Timor noch einen Vertrag für die kommende Saison haben. Spieler, die er beim kompletten Neuaufbau der Mannschaft im vergangenen Sommer geholt hat. Bei Vojdan Stojanovski und Levon Kendell gibt es eine Option für die kommende Saison, lediglich die Kontrakte von David Logan, Sven Schultze und Jan-Hendrik Jagla laufen aus. Das Gerüst für die kommenden Aufgaben steht also, ohne irgendwelche Altlasten irgendeines Vorgängers, auf die er träfe, wenn er Alba verlassen würde.

Team hat Erwartungen übertroffen

Im Finale, sagt Baldi, und vor allem im vierten Spiel habe Albas Mannschaft dann allerdings „dem Druck nicht stand gehalten. Wir haben viele Spieler und ich spreche nicht nur von den jüngeren, die bezüglich solcher Situationen verhältnismäßig unerfahren sind“. Das Team habe schon gezeigt, dass es vieles, was gegen die Bayern nur bedingt klappte, besser kann. „Und natürlich wünscht man sich nach der Saison, wie wir sie gespielt haben, ein anderes Ende“. Aber Alba habe „einen Weg eingeschlagen, der ist klar definiert, der Großteil der Mannschaft bleibt zusammen, wir werden davon profitieren, als Team und individuell“.

Die Mannschaft habe „alle Erwartungen übertroffen“, sagt Obradovic und Demirel fügt gleich hinzu: „Wir haben aber auch Glück, sind beispielsweise von größeren Verletzungen verschont geblieben. Welchen Probleme da drohen, war zu sehen, als uns Radosevic fehlte und nach seiner Rückkehr erst wieder in Form kommen musste.“

Albas Sportdirektor erinnert sich aber auch an einen anderen Glücksfall, nämlich den denkwürdigen Dreier am 5. Februar in der O2 World. Da traf Reggie Redding im Pokal-Viertelfinale im allerletzten Moment und gegen drei Bonner Gegenspieler per Dreier zum 88:87. „Wäre der Wurf daneben gegangen, hätte das Top Four ohne uns statt gefunden“, sagt Demirel. Und in der Folge hätte jemand anderes den Pokal gewonnen – womöglich sogar die so ungeliebten Bayern.

Aktiv in den Sommer

Es steht nicht zu befürchten, dass Albas Entscheider, sobald die weitere Zusammenarbeit mit Obradovic in trockenen Tüchern ist, die Büros abschließen und bis zum Besuch des NBA Champions San Antonio Spurs am 8. Oktober am Strand liegen werden.

Gerade die Vertragssituationen auf den langen Positionen ermöglicht einige Spekulationen. Schließlich gibt es ja den Jungen aus Marzahn, den zweimaligen US-College-Champion Niels Giffey, der gerade bei den Utah Jazz und den Dallas Mavericks vorspielte und im Auge behalten werden muss, falls er es nicht in die NBA schafft. Mit Anton Gavel, Maik Zirbes und Daniel Theis sind weitere interessante deutsche Spieler auf dem Markt. Die Personalpolitik sei im vergangenen Sommer „fast perfekt“ gewesen, sagt Baldi, „aber wir müssen uns wappnen, sehen, wie wir innerhalb unserer Möglichkeiten noch mehr herauskitzeln“. Bevor es an die Arbeit geht, verabschiedet sich Alba am Sonntag (17 Uhr) im Postbahnhof aber erst noch von den Fans.