Flughafenchaos

Albas Odyssee durch die Ukraine - „Der Wahnsinn geht weiter“

Um 17 Uhr wollten die Berliner Basketballer im Europacup in Juschne antreten, doch ihr Flug wurde umgeleitet. Nachts saß das Team im eisigen Charkow fest. Dann ging es weiter - doch nicht ans Ziel.

Foto: Soeren Stache / dpa

Seinen 45. Geburtstag wird Alba-Coach Sasa Obradovic nicht so schnell vergessen. Denn er begann in Charkow, wo das Flugzeug, das ihn und Berlins Basketballteam hätte nach Odessa bringen sollen, ziemlich genau um Mitternacht nach einem Irrflug über die Ukraine gelandet war. Geplant war eigentlich, dass er schon längst rund 600 Kilometer weiter südlich in einem Hotelbett in Juschne in seinen Ehrentag hineinschlafen würde, um sich selbst mit einem Sieg im Eurocup gegen das dort ansässige Team von Chimik das bestmögliche Geschenk zu machen.

Soweit der Plan, der dann allerdings in einer Abfolge von schlechten Nachrichten mehrfach geändert werden musste. Beim Flug nach Kiew gab es noch keine Probleme, Obradovic und seine Mannschaft hoben dann auch mit dem Anschlussflug Richtung Odessa ab. Die Maschine konnte dort aber wegen einer vereisten Landebahn nicht aufsetzen und sollte daraufhin nach Kiew zurückkehren. Dort war allerdings mittlerweile aber ein heftiger Schneesturm ausgebrochen. Jetzt ging es weiter nach Charkow, wie sich herausstellen sollte, der vorläufigen Endstation.

Der Pilot der Maschine muss mit den schnell wechselnden Reisezielen so beschäftigt gewesen sein, dass er wohl zu erwähnen vergessen hatte, dass elektronische Geräte wie sonst üblich an Bord abgeschaltet bleiben müssen. Jedenfalls war bei der Landung in Charkow die Hotelfrage bereits geklärt, wobei es sich als äußerst nützlich erwies, dass Obradovic von 2010 bis 2012 den BK Donezk trainerte, dessen Manager aus Charkow stammt und zusammen mit Freunden dafür sorgte, dass der Alba-Tross bei einer Außentemperatur von minus 25 Grad um 1.30 Uhr in einem geheizten Hotel noch etwas zu essen bekam.

Sportdirektor Mithat Demirel fuhr am nächsten Morgen in aller Frühe zum Flughafen, um sein Team irgendwie nach Odessa zu bekommen, von wo es dann (wie schon am Tag zuvor geplant) per Bus weiter nach Juschne gehen sollte. Das, wenn irgendmöglich, noch gespielt werden würde, war klar. Da sich Alba, wie in Abschnitt 20.6 der Regularien des Eurocups gefordert, nachweislich geplant und auf den Weg gemacht hatte, am Tag vor der Partie vor Mitternacht am Spielort einzutreffen und dies aufgrund höherer Gewalt nicht möglich war, wird die Partie nicht als kampfloser Sieg für die Ukrainer gewertet.

„Die Autobahnen sind stark vereist. Von einer Busfahrt raten uns alle ab, zudem soll das Wetter eher noch schlechter werden“, erklärte Demirel, dem es gelang, seine Mannschaft um 14.50 Uhr deutscher Zeit mit handschriftlichen Bordkarten das Flugzeug nach Odessa besteigen zu lassen. Die Maschine flog dann auch wirklich eine knappe Stunde später Odessa an, wo es dann aber hieß, für eine Landung sei es zu windig.

Eine weitere knappe Stunde später landeten Obradovic und sein Team in Kiew. Damit stand fest, dass am Mittwoch nicht mehr gespielt werden kann. Demirel, in Kiew, und Geschäftsführer Marco Baldi, der in Berlin geblieben war, werden alles daran setzen, das Spiel irgendwie am Donnerstag über die Bühne zu bringen.

Doch der Wahnsinn war damit noch nicht beendet. Am Abend twitterte Alba, man müsse auf Verlangen der Euroleague tatsächlich mit dem Bus von Kiew nach Odessa fahren, sonst hätte man mit Sanktionen rechnen müssen. Das werde acht Stunden dauern, wenn alles glatt gehe. Nach der Ankunft werde man dann den Zeitpunkt für den Tipoff festlegen.