Levon Kendall, der kanadische Center von Alba Berlin, hat mit seiner fünf Worte umfassenden Weisheit recht: „Ein Sieg ist ein Sieg.“ Ob die Bundesligapartie des Berliner Basketballklubs gegen den Mitteldeutschen BC am Sonnabend besonders ansehnlich und von etlichen Fehlern durchsetzt war oder nicht, danach fragt bald niemand mehr. Ein 86:73 ist ein 86:73.
Für Alba-Coach Sasa Obradovic war das aber noch lange kein Grund, um zur Tagesordnung überzugehen. Denn dafür hatte dem Serben zu vieles nicht gefallen, was seine Mannschaft am Sonnabend vor 11.075 Zuschauern in der O2 World gezeigt hatte. „Manche wollten heute nur punkten, anstatt ihren Beitrag abzuliefern“, vermisste Obradovic oft konsequentes Teamspiel. „Durch Einzelaktionen hatten wir im Angriff unnötige Ballverluste.“ Für ihn seien eben nicht nur das Ergebnis oder die Punkte wichtig. „Für mich ist auch entscheidend, wer wie seine ihm gestellte Aufgabe erfüllt hat.“
Noch ist die Alba-Mannschaft ein fragiles Gebilde, der Prozess des Zusammenwachsens, des blinden Verständnisses auf dem Feld dauert lange. Alba ist noch mittendrin in der Entwicklung. Eine Entwicklung, die seit dem vergangenen Mittwoch sehr gestört ist. Denn während des Eurocup-Spiels gegen Saragossa (71:68) zog sich Leon Radosevic eine Verletzung am linken Fuß zu. Wegen eines Risses im Außenband und eines Anrisses des vorderen Syndesmosebandes wird der 23-Jährige wohl sechs Wochen fehlen.
„Das ist natürlich ein Schlag für uns“, sagt Obradovic. Der Kroate Radosevic, der die Positionen Power Forward und Center ausfüllen kann, hatte sich in den vergangenen Wochen zu einem der prägenden Spieler des Kaders 2013/2014 entwickelt.
Für Obradovic ist klar: „Wir müssen so schnell wie möglich Ersatz für ihn verpflichten.“ Auf die Frage, wie schnell das passieren müsse, kam die spontane Antwort: „Am besten gleich morgen.“
Konfrontiert mit dieser klaren Aussage, konnte sich Albas Geschäftsführer Marco Baldi ein Grinsen nicht verkneifen. „Das ist doch normal, dass ein Trainer einen solchen Wunsch hat.“ Es würde ihn im Gegenteil „nervös machen, wenn der Trainer nicht mehr und bessere Spieler haben wollte“.
Kroate wird zwölf Spiele fehlen
Alba steckt in einer schwierigen Situation: Nimmt man von jetzt an sechs Wochen als Verletzungszeitraum an, würde Radosevic noch bis einschließlich der Partie am 8. Dezember bei Meister Bamberg fehlen. Insgesamt stehen in dieser Zeit zwölf Spiele auf dem Programm, sechs in der Bundesliga, sechs im Eurocup, in denen der Grundstein zum Weiterkommen gelegt werden muss.
Ganz davon abgesehen, dass es nicht einfach sein dürfte, kurzfristig einen Ersatz zu bekommen, der dem Anforderungsprofil entspricht und der sich auf ein temporäres Engagement in Berlin einlassen würde, sagt Geschäftsführer Marco Baldi: „Sechs Wochen sind eine saublöde Zeit.“ Denn: „Kaum ist der Neue da, ist er auch fast schon wieder weg.“ Ob dies dem Teamgefüge gut tun würde, steht auf einem anderen Blatt. Man sondiere – wie immer – natürlich den Markt; dass es aber eine Verpflichtung geben werde, hält Baldi für „unwahrscheinlich“. Er fügt jedoch gleich noch hinzu: „Ich will es aber auch nicht ausschließen.“
Einen Ersatz kann sich Alba im Notfall kaufen, „Zeit kann man sich aber nicht kaufen“, sagt Baldi mit Blick auf die Entwicklung der Mannschaft. Die vielen Zugänge, auch gestandene Profis wie David Logan oder Levon Kendall, müssen sich mit den neuen Arbeitskollegen zusammenfinden und ans neue Umfeld gewöhnen. Bis das alles problemlos ineinander greift, so Baldi, „wird es mal toll sein und mal nicht so toll“. Egal, ob mit Verstärkung oder ohne.




