Basketball

Warum vielleicht schon bald ein Chinese für Alba Körbe wirft

Vizepräsident Henning Harnisch ist zum Gedankenaustausch ins Reich der Mitte gereist. Er will sich Ideen holen und die Zusammenarbeit stärken. Der Besuch soll nur der Anfang sein.

Foto: Alba Berlin

„Der Weg ist das Ziel. Wenn das Ziel fern ist, ist der Weg lang.“ Konfuzius sagte diesen Satz vor rund zweieinhalbtausend Jahren und es gibt immer wieder Anlässe, darüber zu sinnieren, ob er auch heute noch den Kern aller Existenz trifft. Die Reise von Albas Vize-Präsident Henning Harnisch ist so ein Anlass. Nicht, weil er in das Land Konfuzius’ gereist ist, sondern, weil er sich bestenfalls mit dem Ziel auf den Weg nach China gemacht hat, um dort vielleicht neue Ziele zu finden.

„Alba war ja schon vor zwei Jahren zu einem Trainingslager in China und da gab es die ersten Kontakte, beispielsweise mit dem Pekinger Profi-Team, den Bejing Ducks“, erzählt Harnisch, unter dessen Leitung der Unterbau von Albas Profi-Mannschaft in den vergangenen fünf Jahren aus dem Nichts zum größten Basketball-Verein Deutschlands geworden ist. „Hinter meiner Reise jetzt steckt die Idee, diese Kontakte zu vertiefen. In unserem Programm, das wir aufgebaut haben, stecken ja gewisse Struktur-Ideen, Ausbildung von Trainern, die Zusammenarbeit mit Schulen und vieles mehr.“

NBA-Spiele sehen 300 Millionen Haushalte im TV

Alle Welt wisse zwar, „wie ungeheuer populär Basketball in China ist und dass es mit der CBA eine Profi-Liga gibt, viel mehr jedoch nicht.“ Gesprächsthemen gebe es genug: Welchen Unterbau hat die Profiliga CBA? Wie rekrutieren die Profiklubs ihre Spieler? Wie bildet man Spieler aus? Wie fördert man sie? Er sei mit der Hoffnung nach China gereist, „genau die Leute zu treffen, die mir erklären können, wie das hier läuft“.

Was Harnisch, Jahrgang 1968, gelungen zu sein scheint. Er redete viel in seiner ersten Woche in Peking. Noch mehr aber hörte er zu. Ma Jian etwa, der, ein Jahr jünger als Harnisch, als erster Chinese in Utah für ein US-College spielte, ein chinesischer Pionier, vergleichbar in etwa mit Deutschlands erstem NBA-Star Detlef Schrempf. Oder er lauscht Xu Jicheng, dem Chefredakteur des Magazins „Basketball Pioneers“. Xu Jicheng kommentiert Spiele der NBA für den chinesischen Fernsehsender CCTV 5 und arbeitet zudem für die Sportnachrichtenagentur Xinhua. Ein bekannter Mann, also, denn im Reich der Mitte werden nicht selten 20 Spiele pro Woche aus der besten Liga der Welt live gezeigt und in bis zu 300 Millionen Haushalten angeschaut werden. In Deutschland freute sich Sport1, weil das fünfte Halbfinale zwischen Bamberg und den Bayern so viele Zuschauer sahen wie nie zuvor: 460.000 im Schnitt und 570.000 in der Spitze.

Der Berliner stößt auf sehr großes Interesse

„Ich bin total davon angetan, wie interessiert mir hier alle begegnen“, sagt Harnisch, der alle Gespräche fein säuberlich dokumentiert, noch nicht wissend, ob sie Episoden am Rande des Weges bleiben oder beim Finden von Zielen helfen werden. Auch die mit Dr. Hardy Boeckle, dem Leiter der Kulturabteilung der deutschen Botschaft oder dem Vize-Präsidenten der Beijing Ducks. „Vielen klugen Menschen“ sei er bislang schon begegnet, „die sowohl bereit sind, Wissen zu teilen, aber auch daran interessiert sind, was ich zu erzählen habe.“ Albas „Basketball-Botschafter“ erzählt, dass er bezüglich seiner Gesprächspartner „großes Glück“ gehabt habe, andererseits aber auch „gut vorbereitet“ gereist sei. So habe Ingo Weiss, der Präsident des Deutschen Basketball Bundes, bei Kontakten geholfen, zum anderen steht Alba ja nicht nur für Basketball.

Der Namens- und Hauptsponsor des Berliner Basketballteams hat sich schon lange vor Harnisch auf den Weg ins Reich der Mitte gemacht. Der Einsicht folgend, dass da, wo 1,35 Milliarden Menschen leben, nicht wenig Müll anfällt, Rohstoffe immer wichtiger werden und es dementsprechend viel zu recyceln gibt. So führte Harnischs Weg nach einer Woche in der 20-Millionen-Metropole Peking nach Tongling, dem ersten Produktionsstandort der Alba Recycling Group, wo 900.000 Menschen leben. Dort sah er sich beim alltäglichen Schulsport, aber auch in einer Schule mit dem Fokus auf den Leistungssport um.

Schüleraustausch könnte Wirklichkeit werden

Der Gedanke des Schüleraustausches zwischen einer Schule in Prenzlauer Berg mit einer in Peking begeistert Harnisch genauso wie der zwischen chinesischen Jugendteams mit denen von Alba. „Mein Besuch soll ein Anfang sein. Uns allen ist klar, dass man hier nicht einmal herkommt, herumwirbelt und das war es dann, mein nächster Besuch ist im Oktober geplant. Es soll rüberkommen, dass wir verlässlich präsent sein werden.“

Vielleicht spielt ein Profi-Team namens Alba Tongling irgendwann mal in der CBA. Vielleicht spielt bei Alba Berlin bald der erste Chinese. „Oder der erste Deutsche in China“ wirft Harnisch ein. Stimmt. Für einen, der sich gerade erst auf den Weg gemacht hat, muss alles möglich sein.