Basketball

Wie Alba dank Center Ali Traoré wieder erfolgreicher wird

Jetzt hat auch Berlin einen Eiffelturm. Denn mit Ali Traoré wurde ein 2,08 Meter großer Modellathlet verpflichtet. Er bringt mehr mit als nur gute Laune.

Der Basketball-Bundesligist hat den französischen Nationalspieler Ali Traoré verpflichtet. Der 2,08 Meter große Center erhält beim achtfachen deutschen Meister einen Vertrag bis zum Saisonende.

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Der offizielle Sprachgebrauch bei Alba Berlin ist, dass Center Ali Traoré „in der vergangenen Woche“ nach Berlin kam. Was sicherlich auch stimmt. Sicher ist aber auch, dass er nicht erst am Freitagnachmittag aus dem Flugzeug stieg.

Am Dienstag spielte die Mannschaft im Training in drei Gruppen fünf gegen null, also ohne Gegenwehr, wieder und wieder die Angriffssysteme durch und es sah nur selten so aus, als wüsste Traoré nicht, wie es weiter ginge. Er wirkt zudem nicht sonderlich behäbig „und er humpelt auch nicht“, wie Kapitän Sven Schultze erfreut feststellte.

Es fehlt also nicht mehr viel zur Topform, könnte man meinen, bis er selbst lachend die Augenbrauen hochzieht. „Fit? Ich?“, schmunzelt er. „Eine weitere Woche harten Trainings brauche ich sicher noch.“

Olympia hat er teuer bezahlt

Ohne, dass er es weiß und ohne, dass sich beide jemals begegnet wären: Traoré und Scott Touzinsky, Kapitän der BR Volleys, sind Seelenverwandte. Beide verletzten sich zum Ende der vergangenen Saison und taten alles, um irgendwie schnell wieder fit zu werden, um sich den großen Traum von Olympia zu erfüllen. Touzinsky für das US-Volleyball-Team, Traoré für die Basketball-Equipe Frankreichs.

„Olympia“, sagt Traoré mit leuchtenden Augen und seinen endlos langen Armen zur Seite gestreckt. Und als ihm die Worte fehlen, das Einzigartige zu beschreiben, sagt er ganz einfach: „Ich bereue nichts. Außer, dass wir gegen Spanien verloren haben.“ Diese Niederlage kassierte die Equipe Tricolore im Viertelfinale, als sie im letzten Viertel ihre Führung verspielten. Für all die, die fragen „Trao - Wer?“, sei noch erwähnt: Albas neuer Center war mit seinem lädierten Knie im Spiel gegen die USA (71:98) Frankreichs Topscorer.

Und dann? War erst mal alles vorbei. Wie bei Touzinsky kam die Rechnung dafür, mit einer zweiwöchigen Reha, die eigentlich zwei Monate hätte dauern müssen, eben noch fit für Olympia geworden zu sein. Das Knie zwickte weiter, sein Vertrag mit Lokomotiv Kuban Krasnodar wurde aufgelöst. Fortan, erzählt er und besteht darauf, dass er nicht scherzt, dachte er an Alba. „Nach meiner Trennung von Lokomotiv habe ich mir die Kader aller europäischen Teams angesehen und mich gefragt, wem ich helfen könnte, wenn ich wieder fit bin und Alba war so ein Team“, erzählt Traoré. „Dann hat mein Agent mit dem Klub telefoniert und ich mit Coach Obradovic – und jetzt bin ich hier.“ Und das als glücklicher Mann: „Meine Verlobte ist total happy, dass es mit Berlin geklappt, sie liebt die Stadt und wir sind nur anderthalb Flugstunden von Paris entfernt.“

Zweimonatige Reha in Paris war hart

Überhaupt sei er ein positiver Mensch, erzählt der 2,08 Meter große Modellathlet. Die zweimonatige Reha zuletzt in Paris sei zwar hart gewesen, „aber wir hatten gerade eine kleine Tochter bekommen, mit der ich dann viel Zeit verbringe konnte. Das war das Positive“. Er sei auch einer der „gute Laune in die Kabine bringt“, sagt Traoré und benennt Nihad Djedovic als Zeugen, mit dem er zusammen in Rom gespielt hat. „Ich rede gern oder mache Späße, fragt Nihad, der war wie ein kleiner Bruder für mich, ich habe ihn andauernd auf gezogen.“

Auch wenn er sicherlich nicht gleich in Topform auflaufen wird, ein wenig gute Laune und positives Denken dürften derzeit in Albas Kabine nicht ungelegen kommen. „Ich weiß, dass die Situation gerade nicht die beste ist“, sagt der Neue, „Aber die Mannschaft steht zusammen, das ich spüre ich ganz deutlich, und deswegen wird es auch wieder nach oben gehen.“

Und zwar mit ihm. Da kommt zu diesem gewaltigen Körper, zu den Oberarmen, die anderen als Beine genügen würden, und dem positiven Denken noch eine große Portion Selbstbewusstsein hinzu. „Mit mir wird es unter dem Korb mehr Punkte geben“, ist sich Traoré sicher. „Dadurch wird sich unser Spiel öffnen, für die Distanzschützen oder auch für Deon (Thompson), der ein guter Scorer ist.“

Zumindest war es überall genau so, wo er spielte. Warum sollte es bei Alba anders sein? Das Trikot mit der Nummer 24 hat er schon – jetzt muss er nur noch fit werden.