Europaliga

Albas Schaffartzik will gegen Gdynia gewinnen - egal wie

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Dietmar Wenck

Schaffen die Berliner Basketballer gegen Polens Meister einen Sieg, ist das Erreichen der Top 16 zum zweiten Mal nach 2008 geschafft.

Morgenpost Online: Herr Schaffartzik, Sie haben bis Weihnachten drei Wünsche frei bezüglich Alba Berlin. Welche sind das?

Heiko Schaffartzik: Dass wir uns für die Top 16 in der Euroleague qualifizieren, alle Spiele in der Bundesliga gewinnen und dass wir weiterhin so eine gute Stimmung in der Mannschaft haben.

Morgenpost Online: Sie haben in den knapp zwei Jahren, die Sie hier sind, einige Trainer und noch viel mehr Spieler kommen und gehen sehen. Was macht die aktuelle Mannschaft speziell?

Heiko Schaffartzik: Der Trainer hat die Spieler sehr vorsichtig ausgesucht. Ich glaube, da ging es nicht nur um die basketballerischen Qualitäten; er hat großen Wert auch auf die menschliche Komponente gelegt. Das spiegelt sich in unserem Teamgeist wider. Sasa Obradovic ist als Trainer ein harter Kerl, aber als Mensch sehr angenehm.

Morgenpost Online: Er hat lange unter Svetislav Pesic gespielt, Sie im vergangenen Sommer auch – in der Nationalmannschaft. Sind beide gleich?

Heiko Schaffartzik: Niemand ist wie Pesic. Man sieht schon Sachen, die beide ähnlich machen. Aber Obradovic macht alles auf seine Art.

Morgenpost Online: Pesic ist seit Dienstag Bayern-Trainer, Sie spielen am Sonntag gegen die Münchner…

Heiko Schaffartzik: Das ist für Bayern München und für die gesamte Bundesliga eine gute Sache.

Morgenpost Online: Jetzt heißt der Gegner aber erst einmal Prokom Gdynia. Und der hat das Hinspiel gewonnen, Alba war chancenlos. Warum?

Heiko Schaffartzik: Ich kann es nicht genau sagen. Bei denen hat der Jerel Blassingame (US-Spielmacher, d.Red.) alles getroffen und wir gerade unter dem Korb gar nichts. Wenn eine Mannschaft wie die erst mal Selbstvertrauen hat, dann legen die los. Wir müssen es Donnerstag viel besser machen. Wir müssen das Spiel gewinnen, irgendwie, egal wie. So banal es klingt: Wir müssen zu hundert Prozent konzentriert bleiben.

Morgenpost Online: Wie fühlt sich Europaliga für Sie an? Sie sind immerhin schon 28 Jahre alt, aber in dieser Liga zum ersten Mal dabei.

Heiko Schaffartzik: Ich habe es mir irgendwie krasser vorgestellt. Nicht vom Niveau her, das ist schon sehr hoch. Das ist vergleichbar mit einer EM. Aber weil wir alle drei Tage ein Spiel haben im Wechsel mit der Bundesliga, ist es nicht so, dass wir mit unseren Gedanken ständig in Europa wären. Natürlich, vor Chalon war eine große Spannung da wegen der Bedeutung. Jetzt gegen Prokom ist es wieder so.

Morgenpost Online: Vielleicht wird es krasser, wenn Sie sich für die Top 16 qualifiziert haben, dann warten Reisen in Basketball-Hauptstädte wie Barcelona, Madrid, Athen oder Istanbul.

Heiko Schaffartzik: Ja, vielleicht. Okay, Tel Aviv und Siena waren jetzt auch schon dabei. Ist auf jeden Fall eine schöne Vorstellung.

Morgenpost Online: Ist es für Sie noch intensiver, weil Sie als Berliner für Ihre Heimatstadt spielen?

Heiko Schaffartzik: Ich hab keinen Vergleich, in Barcelona oder Madrid hab ich ja noch nicht in der Europaliga gespielt (lacht). Aber ich habe schon das Gefühl, ich repräsentiere Berlin in Europa.

Morgenpost Online: Wie weit kommt Alba?

Heiko Schaffartzik: Ich hoffe, erst mal in die Top 16. Dann hätten wir unser Saisonziel schon erreicht.

Morgenpost Online: Ist Alba, nach den vielen Klubs, die Sie als Spieler hinter sich haben, jetzt Ihre Endstation Sehnsucht? Fühlen Sie sich zu Hause angekommen?

Heiko Schaffartzik: Basketball ist trotz allem ein Beruf, der einem eine beschränkte Zeit gibt. Was in der Zukunft alles passiert, kann man da nie sagen. Jetzt gerade fühle ich mich allerdings sehr wohl in Berlin. Es tut mir auch ganz gut, Freunde außerhalb vom Basketball zu haben; das ist in anderen Städten eher weniger der Fall.

Morgenpost Online: Der Trainer gibt Ihnen viel Vertrauen und Spielzeit. Machen Sie alles richtig?

Heiko Schaffartzik: Davon bin ich ganz sicher weit entfernt. Anscheinend mache ich ein paar Sachen, die der Trainer sehen will.

Morgenpost Online: Was genau?

Heiko Schaffartzik: Weiß nicht. Ich denke, ich spiele sehr mannschaftsdienlich, defensiv, offensiv, egal. Was ich zum Beispiel gar nicht kann, ist Punkte machen, wenn das Spiel schon für uns entschieden ist. Da fehlt mir was, es dient nicht mehr der Mannschaft.

Morgenpost Online: Aber den letzten Wurf des Spiels nehmen Sie gern mal. Wie gegen Maccabi Tel Aviv, der ging daneben, das Spiel verloren. Würden Sie gegen Gdynia wieder werfen?

Heiko Schaffartzik: Klar. Es hängt natürlich von der Situation ab. Aber ich will diese Würfe, und ich werde sie auch in Zukunft werfen. Ich werde in solchen Momenten meistens ganz ruhig. Ich mag das.