So strahlt nur einer, dem es rundum gut geht. Deon Thompson stehen noch die Schweißperlen auf der Stirn, gerade ist das Training für den Basketballprofi von Alba Berlin beendet – ein wenig schnauft der 24-Jährige noch. Ob er sich denn gut eingelebt habe, nachdem er vor drei Monaten nach Berlin gekommen ist? „Ich habe hier eine perfekte Situation.“ Das erklärt seine gute Laune.

Zum Wohlbefinden Thompsons trägt sicherlich auch bei, dass momentan seine Freundin aus den Staaten zu Besuch ist. Er amüsiert sich, als er vom gemeinsamen Ausflugsprogramm vor ein paar Tagen erzählt: „Wir waren zusammen im Zoo.“ Die Dame seines Herzens ist aber vor allem sehr an Kultur interessiert. Etliche Museen hat er so zuletzt kennengelernt. Doch die Arbeit geht vor: „Ich konzentriere mich natürlich auf Basketball.“ Mit Erfolg.

Deon Thompson ist angekommen bei Alba. Sportlich und menschlich. Mit im Schnitt 15,5 Punkten in der Bundesliga und 15,0 Zählern in der Europaliga ist er bisher Albas bester Werfer. Sein Teamkollege Heiko Schaffartzik sagt über ihn: „Er ist ein sehr angenehmer Mensch.“ Am Donnerstag wird aber eher seine Durchsetzungskraft unter den Körben gefragt sein, wenn Alba in der Europaliga in der O 2 World (Beginn 20.45 Uhr) auf Montepaschi Siena trifft. „Wir müssen uns 40 Minuten lang voll konzentrieren“, weiß er.

Sprung in dei NBA verpasst

Zuletzt hatte es Alba oft an Konstanz gemangelt. Ein Defizit, das Albas Sportdirektor Mithat Demirel auch noch bei Thompson sieht. „Aber er ist noch jung und kein fertiger Spieler – und das weiß er auch.“ Doch der US-Amerikaner, der als Power Forward und als Center einsetzbar ist, hat sehr viel Talent. Und er ist bereit, hart zu arbeiten, um sich zu verbessern.

Er weiß selbst, dass er noch mittendrin in seiner Entwicklung ist. Als er sich im Sommer mit Alba einig war, twitterte er seiner Gefolgschaft nur zwei Worte: „Next step“. Der nächste Schritt also. Nach einer erfolgreichen College-Karriere, die er an der University of North Carolina krönte. 2009 wurde er NCAA-Champion. Thompson schaffte 2010 den erhofften Sprung in die NBA nicht, wurde auch wegen seiner Größe von „nur“ 2,04 Metern nicht für gut genug befunden – und suchte sein Glück in Europa. Erst beim kleinen griechischen Erstligisten Ikaros Kallitheas Athen. Die ersten Tage in Europa, in Athen seien „ein Kulturschock“ gewesen. Doch er biss sich durch, wurde fürs griechische Allstar Game nominiert. Ebenso wie in Slowenien, wo er beim Europaligisten Olimpija Ljubljana spielte.

Zu den Berlinern wechselte er, „weil ich von jedem nur Positives gehört habe“. Zum Beispiel vom ehemaligen Alba-Profi Bryce Taylor, den er über einige Ecken kennt. Er habe ein Alter, „in dem man sich jeden Wechsel sehr gut überlegen muss“. Natürlich waren auch die Finanzen ein nicht zu vernachlässigender Faktor, aber es gab andere Prioritäten: Wo kann ich auf hohem Niveau spielen, wo kann ich Verantwortung tragen, vor allem: wo kann ich mich weiterentwickeln?

Nächster Schritt Alba

Es gibt Spieler, die schnell zufrieden sind, die sich auf ihrem Talent ausruhen. Aber Thompson will mehr, er träumt immer noch von der NBA. Auf der Highschool machte es „klick“, als er mit 17 Jahren „fett und langsam“ (Thompson) war. Das Dickerchen wog fast 140 Kilogramm, speckte aber mit viel Ehrgeiz gewaltig ab. „Er hat den Willen, immer besser zu werden“, sagt Albas Cheftrainer Sasa Obradovic. Dieser Charakterzug hat ihn nicht überrascht. Schließlich habe er sich gut informiert, bevor Thompson, der heute gut 110 Kilogramm schwer ist, verpflichtet wurde. Es gab Informationen „von meinem Freund Saso“, erzählt Obradovic. Gemeint ist Trainerkollege Saso Filipovski, unter dem Thompson in Ljubljana spielte.

In Slowenien hatte er noch eine andere Rolle inne: „Ich kam von der Bank.“ Nächster Schritt Alba. Jetzt steht er in Berlin in der Startformation, er sei „ein Schlüsselspieler“, erklärt Obradovic. „Wenn du das Vertrauen des Trainers spürst, hilft dir das sehr“, sagt Thompson. Mit Blick auf das Jahr unter Filipovski spricht Demirel davon, dass Thompson „den Test bestanden hat“. Knallhartes Training, Kritik, die gern mal Zimmerlautstärke weit übersteigt, eine Spielphilosophie in festem System – Saso und Sasa sind sich nicht nur in Bezug auf ihren Vornamen sehr ähnlich, sie sind Brüder im Geiste. Deon Thompson trägt"s mit Fassung.