Der Mann bereitet Sasa Obradovic ganz schön Kopfzerbrechen. Wenn der Cheftrainer von Alba Berlin an Montepaschi Siena denkt, den Europaliga-Gegner am Donnerstag (20.45 Uhr, O* World), fällt ihm sofort Bobby Brown ein. „Der ist ja in absoluter Topform“, sagt Obradovic anerkennend über den Spielmacher der Italiener.
Der 28-Jährige führt mit im Schnitt pro Spiel erzielten 20,8 Punkten die Korbjägerliste in der Europaliga an. Zuletzt gelang dem US-Amerikaner das Kunststück, in der Europaliga zweimal hintereinander zum „Spieler der Woche“ gekürt zu werden. Nachdem er erst gegen Chalon 34 Punkte erzielt und dann gegen Gdynia 27 Zähler nachgelegt hatte.
„Er ist der Schlüsselspieler“, stellt Obradovic fest und fordert: „Wir müssen Brown stoppen.“ Für beide Basketballteams geht es um viel. Sie haben zwei Siege und drei Niederlagen auf ihrem Konto – mit Erfolg Nummer drei könnte ein großer Schritt in Richtung Top 16 gemacht werden. In Siena sorgte Alba für eine große Überraschung und siegte dort zum Auftakt. Aber Obradovic weiß: „Siena spielt jetzt viel besser.“ Auch Brown, zu Saisonbeginn zum italienischen Meister gekommen, spielt inzwischen viel besser.
Pendeln zwischen Genie und Wahnsinn
Bobby Brown wird am Donnerstag sicherlich mit Beifall begrüßt werden. So wie im vergangenen Jahr, als er mit den Baskets Oldenburg in der O 2 World aufkreuzte. Denn unvergessen sind bei den Berliner Fans seine Taten, als er in der Saison 2007/2008 Alba zur bislang letzten Meisterschaft führte. Brown ist einer, der schon mal zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Der nicht immer der Mannschaftsdienlichste ist, was man ihm beispielsweise in Oldenburg sehr verübelt hat. Brown wurde in der vergangenen Saison zwar mit im Schnitt 16,9 Punkten Topscorer der Bundesliga, sein Team jedoch verpasste völlig enttäuschend das Play-off.
Als damals 22-jähriger Nobody war er im Spätsommer 2007 direkt vom College zu Alba gekommen. Er sollte erst einmal lernen, aber aufgrund eines Kreuzbandrisses des Zuspielers Nummer eins, Goran Jeretin, musste er gleich die volle Verantwortung übernehmen. „Mein Jahr in Berlin war irgendwie ein Blindflug“, erinnert er sich. „Ich war ein Kind, musste aber schnell ein Mann werden.“ Es war für ihn eine harte Zeit unter Trainer Luka Pavicevic, doch er habe davon sehr profitiert, meint Brown im Rückblick.
Alba wurde für ihn zum Sprungbrett in die NBA, wo er für vier Klubs 113 Spiele absolvierte. Dann ging es über Prokom Gdynia, Aris Saloniki und Oldenburg nach Siena. Wo er gerade in der Form seines Lebens zu sein scheint. Was er morgen nicht unbedingt beweisen muss.





