Basketball

Wie sich Toptalent Djedovic bei Alba durchsetzen will

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Sebastian Arlt

Mit 17 zum FC Barcelona, danach in Rom und Istanbul: Nihad Djedovic hat bereits viel gesehen. Bei den Berlinern soll nun der Durchbruch folgen.

Als Nihad Djedovic vor ein paar Wochen nach Berlin kam, war es ein wenig wie eine Rückkehr. “Die deutsche Sprache, die Fernsehsender, das Essen - alles war mir sofort wieder vertraut”, erzählt der Bosnier, der bei Alba Berlin einen Einjahresvertrag mit einem Jahr Option unterschrieben hat. Um seinen Satz zu verstehen, muss man wissen, dass der 22-Jährige 1990, im Alter von wenigen Monaten, mit seinen Eltern aus Sarajevo nach München kam. Sein Vater hatte dort einen neuen Job gefunden. 1992 begann der Balkankrieg, die Familie Djedovic blieb bis 1997 in Bayern und kehrte nach Kriegsende zurück. Für Nihad Djedovic war München “meine erste Heimat”. Er wuchs zweisprachig auf, die erste Klasse der Grundschule absolvierte er noch dort.

Er erinnert sich an die Rückkehr nach Sarajevo: “Anfangs als kleiner Junge habe ich das Ganze mit dem Krieg ja gar nicht richtig verstanden.” Vieles war zerstört in der Stadt. Zuerst eher als “aufregend und lustig” habe der damals Siebenjährige das Leben in seiner neuen Heimat wahrgenommen, wo er dann mit dem Basketballspielen begann.

Sprachbegabt

Jetzt tastet er sich langsam wieder an die deutsche Sprache heran. “Ich verstehe alles”, sagt er. Beim Sprechen weicht er - noch - lieber ins Englische aus. “Aber auch das wird sich bald ändern”, verspricht er. Überhaupt ist der 1,96 Meter große Basketballprofi in vielen Fremdsprachen zuhause: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch. Beleg dafür, dass er für seine 22 Jahre privat wie sportlich schon viel herumgekommen ist. “Aber”, sagt der Flügelspieler, “in keinem Team konnte ich über längere Zeit so richtig zeigen, was ich kann.” Daher sei Alba Berlin für ihn nun “ein Neubeginn und eine große Gelegenheit”.

Djedovic gilt als einer der Talentiertesten seines Jahrgangs in Europa. Als 16-Jähriger spielte er bereits im Profiteam von Bosna Sarajevo. Der FC Barcelona wurde auf ihn aufmerksam und nahm ihn 2007 für vier Jahre unter Vertrag. Seine Eltern und der sieben Jahre jüngere Bruder Nedim zogen gleich mit nach Barcelona. Aber es war ein steiniger Weg “und nicht leicht für mich”. Erst spielte er zwei Jahre lang in Barcas Farmteam, beim Drittligisten Cornella, dann wurde er ein Jahr an den Erstligisten Obradoiro ausgeliehen, ein weiteres Jahr war er danach an Lottomatica Rom ausgeliehen, wo er sowohl in der italienischen Liga als auch in der Europaliga auf sich aufmerksam machte. In der folgenden Saison blieb er noch für einige Monate in Rom, dann wechselte dort der Trainer, es gab finanzielle Probleme, so dass Djedovic für den Rest der Spielzeit 2011/2012 bei Galatasaray Istanbul unterschrieb. Und nun also Alba.

Ob er nicht enttäuscht sei, es nicht in Barcelonas Profimannschaft geschafft zu haben? “Enttäuscht ist das falsche Wort. Jeder weiß, dass das eine Startruppe ist, in der ein junger Spieler es ganz schwer hat, Einsatzzeit zu bekommen.” Aber: “Ich bin Teil der Barca-Familie gewesen.”

Kleiner Bruder beim FC Barcelona

Vielleicht schafft es ja Nedim Djedovic, sich bei den Katalanen durchzusetzen, der mit 15 Jahren jetzt beim FC Barcelona in der Jugend unter Vertrag steht. Zwei Meter ist der kleine Bruder bereits groß. “Er kann alle Positionen vom Pointguard bis zum Center spielen”, sagt der Ältere stolz. Und lachend fügt er an: “Ich hoffe, er wird mal besser als ich.”

Das viele Hin und Her hat für Nihad Djedovic aber auch den Vorteil, “dass ich mich sehr schnell irgendwo neu einfinden kann.” Auf dem Feld ebenso wie im zwischenmenschlichen Bereich. Das war für ihn auch bei Alba “sehr hilfreich”, da er - ebenso wie der deutsche Nationalspieler Heiko Schaffartzik - wegen der EM-Qualifikation erst mit knapp einem Monat Verspätung zum Team stieß. Beide Nationalmannschaften qualifizierten sich für die Titelkämpfe 2013 in Slowenien. Bei Bosnien stand der Mann mit im Schnitt 36 Minuten am längsten auf dem Feld, der mit 16 Punkten auch der erfolgreichste Werfer war: Nihad Djedovic.