So richtig kann es Adam Chubb selbst nicht glauben. „Ich bin völlig überrascht, wie das alles gelaufen ist“, sagt der Basketballprofi von Alba Berlin. „Dass ich so schnell wieder ins Spiel finde…“
Es ist wirklich erstaunlich: Am 20. Januar hatte er sich im Bundesligaspiel gegen den Mitteldeutschen BC am Oberschenkel verletzt – sechs Wochen Pause.
Am 3. März stand er erstmals wieder auf dem Feld. Sein Comeback gegen Le Mans dauerte damals nur zwei Minuten. Doch inzwischen ist der 2,08 m große Center wieder der alte, fliegt schon mal zum Dunking. Der US-Amerikaner spielte beim umjubelten Eurocup-Sieg in Badalona ebenso eine wichtige Rolle wie zuletzt beim Erfolg in der Bundesliga gegen Trier. Und auch Samstagabend (19 Uhr, O2 World) gegen die Frankfurt Skyliners wird er unter den Körben dringend benötigt. Mit einem Sieg könnte sich Alba als erstes Team für das Play-off qualifizieren.
Adam Chubb ist ein Phänomen. Denn eigentlich lautet die Regel: Nach einer Verletzung benötigt ein Spieler bis zum Erreichen der alten Form ebenso lange Zeit, wie er ausgefallen war. Beim 28-Jährigen jedoch ging alles viel, viel schneller.
Er hatte erst „gar keine Vorstellung gehabt“, wie seine Reha-Zeit und die Rückkehr ins Team vonstatten gehen würden. Eigentlich hatte die Verletzung, ein „Pferdekuss“, gar nicht so dramatisch ausgesehen. Aber das Hämatom wuchs stark an, weil ein Gefäß gerissen war: Chubb musste operiert werden.
Es begann eine harte Zeit. Chubb musste zusehen, wenn die Teamkollegen spielen. Sein Lächeln wirkte gequält, wenn er bei Heimspielen vom Hallensprecher begrüßt wurde, er überlebensgroß auf dem Videowürfel erschien und den Fans zuwinkte. „Ich habe alles getan, was ich konnte“, sagt er mit Blick auf seine Zeit als Rekonvaleszent. Er musste anfangs viel schwimmen, dann durfte er das Bein langsam immer mehr belasten. Die Reha-Einheiten seien auch nicht viel kürzer gewesen als normales Training.
Erst jetzt so richtig angekommen
Albas Geschäftsführer Marco Baldi staunt vor allem darüber, dass Chubb „sofort die Handbremse wieder gelöst hat“. Denn nicht selten ist es für einen Spieler nach einer Verletzung weniger problematisch, körperlich wieder in Schuss zu kommen. Oft geht man unbewusst nicht an die Grenze, eher spielt also die Psyche nicht mit. Für Chubb kein Thema: „Ich habe mich auch mental auf meine Rückkehr vorbereitet. Mir war klar, dass es gleich klappen musste.“
Es hat ihm auch nichts ausgemacht, dass er nach dem Ausfall von Jurica Golemac (Handbruch) ab und an auf eine Position nicht direkt unter dem Korb herausrücken muss. „Das geht schon.“ Irgendwie scheint Adam Chubb sowieso in seiner zweiten Saison bei Alba erst so richtig angekommen zu sein. Aus 7,3 Punkten im Schnitt bei einer Einsatzzeit von durchschnittlich 16 Minuten im Vorjahr sind jetzt 19 Minuten und 10,4 Punkte geworden. Er ergänzt sich sehr gut mit seinem Center-Kollegen Blagota Sekulic.
Vor allem profitiert Chubb auch davon, zum ersten Mal in seiner Profikarriere eine zweite Spielzeit beim selben Klub spielen zu können. „Es ist prima, wenn man zum Saisonbeginn zurückkommt, gleich wieder viele bekannte Gesichter sieht und weiß, was gespielt wird und was der Coach will.“
Zu Beginn der Saison 2008/2009 sah es allerdings völlig anders aus. Vom Liga-Konkurrenten Artland Dragons, wo er fast 25 Minuten pro Spiel im Einsatz war, zu Alba gekommen, musste Chubb sich an das komplexe Berliner Spiel erst gewöhnen. „Adam muss das Gleichgewicht finden zwischen Aggressivität und Ruhe“, sagte Baldi damals. Der Center ging oft übermotiviert zur Sache – und kassierte schnell Fouls.
Inzwischen hat Adam Chubb die Balance gefunden.




