Basketball

Warum Alba Berlin Deutschlands Topklub ist

Am 15. März 1995 holte Alba Berlin den begehrten Korac-Cup. Seit dem Triumph vor 15 Jahren hat sich der Hauptstadt-Club zu einem der Top-Clubs Europas entwickelt. In seiner Heimatstadt selbst ist der Verein längst eine feste Instanz – vor allem, weil er den Basketball-Nachwuchs gezielt fördert.

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Wenn Dieter Hauert morgens sein Büro in Charlottenburg betritt, fällt sein Blick auf eine bronzefarbene Büste. Zwei Hände greifen nach einem halben Basketball – es ist eine Nachbildung des Korac-Cups. Der 74-jährige Präsident von Alba Berlin sagt: „Ich schaue sie jeden Tag an. Diese Erinnerung will ich nicht missen in meinem Leben.“

Am Montag jährte sich zum 15. Mal der Tag, an dem Alba unter seinem damaligen Trainer Svetislav Pesic vor 10.000 Zuschauern in der Deutschlandhalle durch einen 85:79-Rückspielsieg gegen Stefanel Mailand den Korac-Cup gewann. „Damit haben wir den Berliner Basketball aus seiner Mittelmäßigkeit rausgeholt“, sagt Hauert, „da wurde Alba in ganz Europa bekannt.“ Und was ist seitdem die größte Veränderung? „Dass wir seit diesem Tag permanent unter Erfolgsdruck stehen.“

Und nicht nur das. Der Verein hat seine Geschäftsstelle in der Tribüne des Schwimm-Olympiastadions längst verlassen. Die aktuellen Räume im Jahn-Sportpark sind mit auf 350 Quadratmetern dreimal so groß. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von drei auf 17. Zu Ligaspielen kommen nicht mehr im Durchschnitt 2000 Fans in die Sömmeringhalle, sondern über 10.000 in der O2 World. Damit ist Alba sogar in Europa die Nummer eins. Mit 3000 Dauerkarten wurden zehnmal so viele Dauerkarten wie 1995.

Der Verein wurde 2008 von der Europaliga für das beste Marketing ausgezeichnet, im Jahr darauf Geschäftsführer Marco Baldi als Manager des Jahres. Viermal war Alba Berlins Mannschaft des Jahres. Die Erfolgsgeschichte erzählen aber auch die acht Deutschen Meisterschaften und sechs Pokalsiege, die seitdem gefeiert wurden. „Das Entscheidende ist“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „dass wir etwas Bleibendes schaffen.“ Er meint: Identifikation und Verankerung in der Stadt. Und: Verlässlich Jahr für Jahr um Platz eins mitspielen. Die Mannschaft ist der Fahnenträger, dafür verantwortlich, wie sich der Klub präsentiert. Und tut dies gerade jetzt sehr positiv mit dem Erreichen des Viertelfinales im Eurocup.

„Wir waren uns immer einig: Wir können nur bestehen, wenn wir unsere Infrastruktur ausbauen.“ Deshalb habe der Verein immer auch in die Geschäftsstelle und ins Management investiert, die Trainingsmöglichkeiten optimiert. Und zuletzt auch unter der Leitung der einstigen Basketball-Idole Henning Harnisch und Henrik Rödl eine eigene Jugendarbeit aufgebaut. Seitdem breitet sich Alba Berlin wie ein Geflecht über die Stadt aus.

Weil der Verein nicht wartete, dass die Kinder zu ihm kommen, sondern den umgekehrten Weg nahm: in die Schulen gehen, Partnerschaften und Basketball-AGs bilden, sogar schon in Kitas. Lehrer weiterbilden. Die Zahl der Trainer hat sich von vier (1995) auf jetzt 51 erhöht. 24 Jugendteams gehen für Alba an den Start, die Mitgliederzahl stieg von 50 auf 825. Sie wird weiter erheblich zunehmen – sofern es gelingt, Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Das Interesse, ins Alba-Trikot zu schlüpfen, ist riesengroß. Die zur Hälfte aus eigenen Mitteln restaurierte Halle in der Knaackstraße in Prenzlauer Berg ist längst ausgebucht. Nach gleichem Modell wurde in der Krausenstraße in Mitte eine weitere leer stehende Schulhalle herausgeputzt. Sie soll demnächst öffnen, dort soll sogar die Profimannschaft trainieren können.

„Das Programm Alba hat sich unglaublich entwickelt“, sagt Rödl, selbst Korac-Cup-Sieger, seit 1993 im Verein, zunächst als Spieler, danach als Trainer und jetzt als Sportlicher Leiter des Jugendprogramms, „Alba ist führend in Deutschland in allen Bereichen, von der Jugend bis zum Marketing, von der Halle bis zur Infrastruktur. Und das Jugendprojekt ist riesig.“ Ziel ist natürlich auch, dass einmal selbst ausgebildete Talente das Profiteam prägen. „Es wird sich irgendwann lohnen“, ist Rödl zuversichtlich, „aber es ist noch ein langer Weg.“

Nur mit Investitionen und einem sich immer weiter entwickelnden Fundament sei der Klub in der Lage, „dauerhaft konkurrenzfähige Budgets und Teams ins Rennen zu schicken. Auch in Europa“, sagt Baldi. Der Etat hat sich ebenfalls seit 1995 verdoppelt – auf jetzt acht Millionen Euro. Auch wenn Baldi weiß, dass Klubs wie Olympiakos Piräus oder Real Madrid vorerst unerreichbar sind, bleibt er bei seiner „dauerhaften Vision: Alba unter den ersten 16 Klubs in Europa zu etablieren“.

? Aber nicht noch einmal solche finanziellen Risiken eingehen wie in den späten neunziger Jahren, als Alba mehr Geld ausgab als einnahm, um Europas Spitze im Sturm zu nehmen und in Deutschland die unangefochtene Nummer eins zu sein. Hauert stand damals mit seinem Vermögen für den Klub gerade. Heute sagt er: „Wir sind ein ganz normaler Verein geworden, mit einer großen, gesunden Basis. Wenn wir jetzt mal nicht Meister werden, ist das gar nicht so schlimm.“ Und manchmal kann er noch immer nicht glauben, wie rasant die Entwicklung Alba Berlins seit dem Korac-Cup-Sieg vorangeschritten ist. „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, wir würden immer in einer Halle für 15.000 Zuschauer spielen, und die wäre auch noch zu zwei Dritteln voll – den hätte ich für verrückt erklärt.“

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