Basketball

Warum Alba Berlin schwer verunsichert ist

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Sebastian Arlt

Foto: Bongarts/Getty Images

Die Berliner Bundesliga-Mannschaft steckt in einer Formkrise. Drei der vergangenen vier Spiele hat das Team von Trainer Pavicevic verloren. Morgenpost Online erklärt, was falsch läuft.

Sie waren alle bedient bei Alba Berlin, Spieler, Trainer, Funktionäre, die Fans sowieso. Bis in die Kabine des Berliner Basketballteams drangen die Jubelgesänge der etwa 1000 Bamberger Fans unter den knapp 12?000 Besuchern in der O2 World. Die Berliner hingegen mussten das 64:79 (35:40) „erst einmal runterschlucken“, wie es Albas Geschäftsführer Marco Baldi ausdrückte.

Baldi sprach von einem „enttäuschenden Abend“, Center Adam Chubb ärgerte sich über „die vielen Fehler, die wir gemacht haben“, und Trainer Luka Pavicevic wirkte ratlos: „Es ist schwer zu begreifen: Je mehr wir investiert haben, desto mehr ist uns das Spiel aus den Händen geglitten.“ Das gebe ihm „ein ganz komisches Gefühl“.

Alba ist zurzeit weit von der Bestform entfernt – und das ausgerechnet vor dem entscheidenden Spiel um den Einzug ins Eurocup-Viertelfinale am Dienstag bei Joventut Badalona, ein Spiel wie ein Finale. Was sind die Gründe für die Schwäche? Wann hatte Alba zuletzt eine solche Durststrecke wie jetzt? Hat das Team gegen die Spanier überhaupt eine Chance?

Müdigkeit wegen hoher Belastung. Bereits am 29. September 2009 begann für Alba die Saison mit der Europaliga-Qualifikation. Gegen Bamberg bestritt die Mannschaft schon ihr 41. Pflichtspiel. Gerade die vielen Auswärtspartien haben das Team, vor allem aber die Stammspieler, nicht nur physisch, sondern auch psychisch ausgelaugt. „Aber das kann und darf keine Ausrede sein“, sagt Pavicevic immer.

Ausfälle durch Verletzungen. Vor gut sechs Wochen verletzte sich Chubb am Bein, er musste operiert werden. Am vergangenen Mittwoch, im Eurocup gegen Le Mans, feierte er mit einem Kurzeinsatz sein Comeback. Gegen Bamberg kam er wieder 15 Minuten zum Einsatz, wird aber noch einige Zeit benötigen, um wieder der Alte zu sein. Schwer wiegt der Ausfall von Jurica Golemac, der sich vor 13 Tagen einen Mittelhandbruch zuzog und noch mindestens vier bis fünf Wochen fehlen wird. Mit seiner großen internationalen Erfahrung spielte er eine ganz wichtige Rolle im Team.

Stabilität ist verloren gegangen. Bedingt durch die Verletzungen mussten zuletzt Positions-, aber auch Personalwechsel vorgenommen werden. Zugang Cemal Nalga hat sich zwar gut eingefunden, ist ein Center, der nichts und niemanden fürchtet, aber es wird noch dauern, bis er Albas Spielweise automatisiert hat. Eine große Last durch lange Einsatzzeiten musste während Chubbs Fehlen Center-Kollege Blagota Sekulic tragen, mal half auch Dragan Dojcin unter dem Korb mit aus. Jetzt versuchen Dojcin und Philip Zwiener, die Golemac-Position adäquat auszufüllen. Doch das Gefüge ist durcheinander, das Team hat auch deshalb an Stabilität eingebüßt.

Die Überzeugung fehlt. Nur ein Erfolg in den vergangenen vier Partien hat bei Alba eine Negativspirale in Gang gesetzt. „Es fehlt die Überzeugung“, sagt Baldi. Nach den vielen Rückschlägen bedarf es nicht viel, dass die Berliner aus der Bahn geraten. Sogar ein Erfolgserlebnis wie der Sieg gegen Le Mans am vergangenen Mittwoch brachte keine Selbstsicherheit. Die schlechte Wurfausbeute gegen Bamberg – selbst bei einem so verlässlichen Werfer wie Julius Jenkins – ist auch Resultat der allgemeinen Verunsicherung. Von den Ergebnissen her schlimmer kam’s unter Pavicevic bisher nur im Februar 2009: lediglich ein Sieg in fünf Spielen.

Auch Joventut schwächelt. Wird dieser Negativrekord am Dienstag eingestellt? Zugegeben, es spricht im Moment wenig für einen Erfolg der Berliner bei Joventut. Doch das Team aus der katalanischen Industriestadt Badalona, wenige Kilometer nordöstlich von Barcelona gelegen, ist noch viel mehr von der Rolle als Alba. In der nationalen Liga ACB verlor Joventut seit dem 17. Januar sämtliche sieben Spiele. Zuletzt kam in Pepu Hernandez sogar ein neuer Trainer. Trotzdem gab es am Samstagabend (ohne die Stammkräfte Tucker und Tripkovic) ein 79:104 gegen Vitoria.