Leichtathletik-EM

Antje Möldner-Schmidt meisterte viele Hindernisse

Erst kämpfte sich Antje Möldner-Schmidt nach einer Krebserkrankung zurück, jetzt gelang ihr das Comeback nach der Babypause.

Auf dem Sprung: Antje Möldner-Schmidt (l.) startet am Freitag bei der EM in Berlin

Auf dem Sprung: Antje Möldner-Schmidt (l.) startet am Freitag bei der EM in Berlin

Foto: imago sportfotodienst / imago/foto2press

Berlin.  So ganz hat sie die Abläufe noch nicht wieder verinnerlicht. Als Hindernisläuferin Antje Möldner-Schmidt im Mai nach dreieinhalbjähriger Pause zum ersten Mal wieder in einen Wassergraben sprang, war sie schockiert, wie kalt das Wasser war. Auch an das lange Warten im Call-Room musste sie sich erst wieder gewöhnen, ganz zu schweigen von der Nervosität vor dem Wettkampf.

Cottbuserin fühlt sich wie eine Debütantin auf der Bahn

„Ich musste erst wieder reinkommen“, sagt die Cottbuserin. Antje Möldner-Schmidt ist mittlerweile 34 Jahre alt, doch nach der langen Auszeit aufgrund von Verletzungen und der Geburt ihrer Tochter fühlte sie sich wie eine Debütantin auf der Laufbahn. Für die Europameisterschaften in Berlin, bei der am Freitag im Olympiastadion die Vorläufe über die 3000 Meter Hindernis anstehen, qualifizierte sie sich trotzdem relativ souverän – auch weil Deutschland aufgrund des Titelgewinns von Gesa Felicitas Krause vor zwei Jahren in Amsterdam in dieser Disziplin gleich vier Läuferinnen melden durfte. Außerdem war es ja nicht das erste Mal, dass Möldner-Schmidt das Hindernislaufen quasi noch einmal neu erlernen musste.

Im Januar 2010 diagnostizierten die Ärzte bei ihr eine bösartige Tumorerkrankung. Eine lange Therapie folgte, ehe der Lymphdrüsenkrebs besiegt war und Antje Möldner-Schmidt im Sommer 2011 auf die Bahn zurückkehren konnte. Nur ein Jahr später wurde sie bei der EM in Helsinki Zweite, 2014 dann sogar Europameisterin in Zürich. Es war die Feelgood-Geschichte des Jahres; selbst Medien, in denen die Leichtathletik sonst kaum eine Rolle spielt, interessierten sich plötzlich für den Sport und für diese Läuferin, die selbst das größte Hindernis gemeistert hatte. Möldner-Schmidt wurde zur Leichtathletin des Jahres 2014 gewählt. Bei der Ehrung der deutschen Sportler des Jahres im Kurhaus von Baden-Baden erhielt sie den Sparkassen-Preis für Vorbilder im Sport.

Anfangs sprach Antje Möldner-Schmidt kaum über ihr persönliches Schicksal. Mittlerweile aber engagiert sie sich auch öffentlich in der Krebshilfe. Einen Teil des Geldes aus dem Sparkassen-Preis hat sie der Deutschen Kinderkrebshilfe gespendet. Als Botschafterin der Initiative „Bewegung gegen den Krebs“ der Deutschen Krebshilfe fordert sie gemeinsam mit Fachärzten zudem die verstärkte Einbeziehung sportlicher Übungen in der Krebstherapie. „Sport und Bewegung haben mir sehr geholfen, dies schwere Zeit durchzustehen“, sagt sie.

Sie lebt jetzt bewusster und hört mehr auf ihren Körper

Seit ihrer Krankheit lebe sie viel bewusster, sagt Antje Möldner-Schmidt. Sie höre jetzt mehr auf ihren Körper. „Wenn etwas nicht geht, kann ich das besser akzeptieren als früher“, sagt sie. Eine noch größere Herausforderung als das Comeback nach der Erkrankung sei allerdings die Rückkehr nach der Mutterschaft gewesen. Durch den Krebs hätte ich damals lediglich ein Dreivierteljahr verpasst, ehe sie wieder mit dem Training beginnen konnte. „Dieses Mal waren es durch die Fuß-OP 2015, die anschließende Schwangerschaft und die Beckenprobleme im vergangenen Jahr insgesamt fast drei Jahre Pause“, erklärt sie. Dafür sei die Leistung von bislang 9:39,25 Minuten schon ganz gut, auch wenn sie damit noch ein ganzes Stück von ihrer Bestzeit von 9:18,54 Minuten entfernt liegt.

Hindernisläuferin Antje Möldner-Schmidt macht sich keinen Druck. Schließlich war lange offen, ob sie überhaupt noch einmal auf die Bahn zurückkehrt. „Ich hatte zwischenzeitig schon ein bisschen Abstand zur Leichtathletik gefunden“, sagt sie. Ihr Leben hat sich durch die Geburt ihrer Tochter verändert. Das Training sei zwar noch dasselbe, doch die Regeneration komme manchmal schon ein wenig kurz. „Ich hatte es mir einfacher vorgestellt“, gesteht sie. „Aber ich will es mir selbst noch einmal beweisen.“

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