Die Nacht zu Sonntag war kurz, der Sonntag selbst lang. Horst Heldt, der Geschäftsführer Profifußball von Union Berlin, ließ es sich am Montag dennoch nicht nehmen, Stellung zum Trainerbeben an der Alten Försterei zu nehmen. Nach der Freistellung von Steffen Baumgart und der Berufung von Marie-Louise Eta als erste Frau auf dem Cheftrainerposten bei einem Männer-Bundesligisten sprach Heldt über …

… die Abläufe nach dem Spiel in Heidenheim: „Wenn man im Abstiegskampf steckt, und das tun wir, muss man sich auf Szenarien vorbereiten. Damit stellt man nicht die Loyalität eines Trainerteams infrage. Ausschlaggebend war im Grunde der Auftritt der Mannschaft in Heidenheim, der dazu geführt hat, dass wir die Entscheidung am Abend treffen. Danach haben wir auch Kontakt zu Marie-Louise Eta aufgenommen. Sie war sofort bereit, diese Position einzunehmen, und hat sich auch über das Vertrauen gefreut. Ich habe mich dann um 23 Uhr mit Baumgart getroffen und ihm erklärt, warum wir diesen Entschluss getroffen haben. Danach haben wir die Mannschaft informiert und sind an die Öffentlichkeit gegangen.“

Auch interessant

… die ausschlaggebende Niederlage: „Wir sind weit davon entfernt, Ultimaten zu setzen. Gegen den Tabellenletzten so einen Auftritt abzuliefern, war mitentscheidend. Das war kraftlos, ideenlos und nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Rückrunde ist alles andere als zufriedenstellend. Wir waren auf einem richtig guten Weg. Der Januar war auch noch okay mit drei Unentschieden. Obwohl wir noch genügend Abstand zu den Abstiegsplätzen haben, ist die Entwicklung entscheidend gewesen.“

Union Berlin schließt längeren Eta-Verbleib nicht aus

… die Entscheidung für Marie-Louise Eta: „Wir wollten die Saison mit einer internen Lösung zu Ende bringen. Somit ist Marie-Louise Eta die logische Konsequenz. Sie hat als Cheftrainerin mit der männlichen U19 eine klasse Runde gespielt. Dadurch hat sie auch Erfahrung auf diesem Posten. Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass wir sie alle kennen und sie alle kennt. Sie hat mit vielen schon zusammengearbeitet. Man muss ihr hier nicht noch zeigen, wo es langgeht, sondern sie kennt das alles: das Stadion, die Atmosphäre, die Menschen und insbesondere auch die Spieler. Wir sind davon überzeugt, dass ein Cheftrainer auch nur ein Cheftrainer sein kann, wenn er diese Rolle schon mal eingenommen hat.“

Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es nicht sinnvoll, irgendetwas auszuschließen. Wir haben grundsätzlich einen Plan, wie es weitergeht. Aber wir werden dann sehen, ob wir uns darüber Gedanken machen müssen.

Horst Heldt, Geschäftsführer von Union Berlin

… ein längeres Engagement von Marie-Louise Eta als Cheftrainerin der Männer: „Jetzt ist es erstmal wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und sich gut vorzubereiten auf das Spiel gegen Wolfsburg. Das wird keine leichte Partie werden. Auch wenn Wolfsburg lange Zeit nicht wirklich gepunktet hat, waren sie immer in einer Art dran. Aber zum jetzigen Zeitpunkt wäre es nicht sinnvoll, irgendetwas auszuschließen. Wir haben grundsätzlich einen Plan, wie es dann auch weitergeht. Aber wir werden dann sehen, ob wir uns darüber Gedanken machen müssen.“

Auch interessant

… Etas künftigen Umgang mit der Mannschaft: „Wir sind in einer Situation, wo es darum geht, nicht noch tiefer reinzurutschen. Da sind also enorme Führungsqualitäten gefragt. Es gilt, schnell zu erkennen, wie man mit dem Einzelnen umgeht. Vielleicht braucht es auch mal eine härtere Gangart, vielleicht muss mal einer in den Arm genommen werden. Insgesamt braucht die Mannschaft eine gute Orientierung mit einem klaren Plan, wie sie Spiele gewinnen will. All das werden wir uns diese Woche erarbeiten.“ 

Fehlende Weiterentwicklung war ein Grund für Baumgarts Freistellung

… die Reaktion der Spieler: „Am Sonntag gab es Momente in der Kabine, wo das Ganze reflektiert und sich hinterfragt wurde. Die Mannschaft hat schon verstanden, dass das auch als Niederlage für sie selbst zu sehen ist. Wir haben hochanständige Spieler bei uns im Kader, wir haben einen funktionierenden Kader. Es war Enttäuschung, dass wir das Spiel verloren haben, vor allem in dieser Art und Weise. Aber man hat auch gespürt, dass die Mannschaft willig ist, dass jeder Einzelne nach vorn blicken will.“

Auch interessant

… den Zeitpunkt des Bruchs mit Baumgart: „Es gibt nicht diesen einen Punkt, den man dann da feststellt, sondern insgesamt eine Entwicklung: wie die Mannschaft auftritt, wie die Weiterentwicklung des Einzelnen ist, wie die Homogenität in der Kabine ist, wie miteinander umgegangen wird. All das fließt mit ein. Wir hatten den Eindruck, dass wir diese Entscheidung jetzt treffen müssen, weil wir nicht davon überzeugt waren, dass das in dieser Konstellation mit den Spielen, die wir noch haben, besser wird. Wir wollten nicht in eine Situation hineinkommen, in der man uns nachsagt: Hätten wir mal vielleicht vorher reagiert.“ 

1. FC Heidenheim 1846 v 1. FC Union Berlin - Bundesliga
Horst Heldt, Geschäftsführer Profifußball von Union Berlin, setzt im Endspurt der Bundesliga auf Marie-Louise Eta. © Getty Images | Christian Kaspar-Bartke

Bei Union Berlin steht nun die Mannschaft in der Pflicht

… über die Vertragsverlängerung mit Baumgart im Januar: „Es ist immer extrem wichtig, dass Trainer immer eine starke Position im Umgang mit ihren Spielern in der Kabine und an der Seitenlinie haben. Es ist aus der Erfahrung heraus nicht von Vorteil, wenn man mit einem Trainer in eine Rückrunde mit einem auslaufenden Vertrag startet. Das kann zu Niederlagen führen, die seine Position recht schnell infrage stellen. Dem wollten wir bewusst aus dem Weg gehen. Wir haben die Gespräche im Dezember geführt. Wenn man nach 15 Spielen 21 Punkte holt und es sind noch zwei Partien zu spielen in der Hinrunde, dann ist man auf einem sehr, sehr guten Weg. Insgesamt waren die Auftritte gut. Das hat uns dazu bewogen, diesen Vertrag zu verlängern und dem Trainer den Rücken zu stärken.“

Lesen Sie auch

… seine Verantwortung für den erneuten Trainerwechsel: „Alle, die das zu verantworten haben, stehen in der Pflicht. Das fängt bei mir an und endet bei den Spielern in der Kabine. Man möchte eine Saison mit einem Cheftrainer beginnen und auch beenden. Wenn es dann zu so einer Entscheidung kommt, haben alle eine Niederlage einzustecken. Aber man kann durch einen Trainerwechsel auch im Stadion neue Energie freisetzen.“