Wenn man für etwas dankbar bei Union Berlin sein sollte, dann sind es die 32 Punkte, die die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart bereits gesammelt hat. Denn was Berlins Fußball-Bundesligist mit dem 1:3 (0:2) beim 1. FC Heidenheim ablieferte, hatte über fast die gesamte Spielzeit nur in Spurenelementen etwas mit Erstligatauglichkeit zu tun.

Nach schwungvollen ersten fünf Minuten „war es ein desolater Auftritt. Schwierig, jetzt eine Antwort parat zu haben. Die 85 Minuten waren eine Frechheit, was wir angeboten haben. Dementsprechend haben wir auch verdient verloren“, sagte ein konsternierter Rani Khedira.

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Trainer Baumgart konnte seine Enttäuschung auch nicht verbergen: „Wir haben nach zehn Minuten nicht mehr das umgesetzt, was man hätte umsetzen müssen, um auf Augenhöhe mit Heidenheim zu agieren.“ Damit bleibt Heidenheim neben dem FC Bayern das Bundesliga-Team, gegen das Union noch nicht gewinnen konnte. Ein Makel, den die Berliner angesichts des drohenden Abstiegs der Gastgeber wohl lange nicht loswerden.

Linus Güther debütiert bei Union Berlin

Union-Coach Baumgart startete mit zwei Überraschungen in die Partie an der Brenz. Zum einen stand Alex Kral in der Startelf für den verletzten Wooyeong Jeong. Es war erst der zweite Einsatz von Beginn an für den Tschechen. Und erstmals überhaupt im Kader: Linus Güther. Am vergangenen Mittwoch war das Riesentalent 16 Jahre alt geworden. Damit ist er in der Bundesliga spielberechtigt.

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Güther könne „in den Kader kommen“, so der Union-Coach im Vorfeld der Partie. Und „der Junge wird auch spielen. Ob es dann am Samstag ist – der Junge ist gerade 16 Jahre alt geworden.“ In jedem Fall sei man sich an der Alten Försterei sicher, „dass wir den Jungen nicht aufhalten werden“.

Nach den ersten fünf Minuten war es ein desolater Auftritt.

Rani Khedira, Mittelfeldspieler von Union Berlin

In der 84. Minute war es soweit: Güther wurde mit seiner Einwechslung der zweitjüngste Spieler der Fußball-Bundesliga (16 Jahre und drei Tage). „Linus hat sich das in der Woche erarbeitet. Eigentlich seitdem er bei uns ist“, sagte Baumgart.

Union Berlin startet mit dem Sturmduo Ilic/Burke

Wie erwartet agierte Union mit Andrej Ilic und Oliver Burke im Angriff. Ilic war nach seinem Ausgleichstreffer gegen den FC St. Pauli (1:1) eine Woche zuvor mit neuem Selbstvertrauen angetreten. Zudem hatte Burke das Herz des Trainers bezüglich des Zusammenspiels in vorderster Front erfreut.

1. FC Heidenheim 1846 v 1. FC Union Berlin - Bundesliga
Frederik Rönnow, Torwart von Union Berlin, kassiert den ersten Gegentreffer durch Heidenheims Mathias Honsak.© Getty Images | Christian Kaspar-Bartke

Nach nicht mal zwei Minuten trat das Sturmduo auch gleich in Aktion. Über Ilic und Burke kam der Ball zu Derrick Köhn links in den Strafraum. Doch der Ball flog aus sieben Metern weit über das Tor auf die Tribüne. Zu diesem Zeitpunkt wusste noch keiner im Union-Kosmos, dass dies die einzige Tormöglichkeit für die Gäste in der ersten Halbzeit sein würde.

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Denn was die Köpenicker im Anschluss bis zur Pause ablieferten, ist mit dem Begriff Sommerfußball noch sehr wohlwollend umschrieben. Das Baumgart-Team enttäuschte nicht nur die gut 2000 mitgereisten Union-Fans auf ganzer Linie. Die Statistik wies zur Halbzeit eine Torwahrscheinlichkeit von 0,17 Prozent aus – zusammen mit dem Auftritt insgesamt präsentierte sich Union wie ein Absteiger.

Sommerfußball umschreibt die Leistung noch wohlwollend

Dies galt nicht nur für die Offensive, sondern vor allem für das Abwehrverhalten. Schon erstaunlich, wie einfach die Heidenheimer das Spiel auf die linke Union-Seite verlagern konnten. Schon erschütternd, wie viel Platz und damit auch Zeit zum Flanken Marvin Pieringer von Unions Köhn bekam. Und schon enttäuschend, mit wie wenig Gegenwehr Mathias Honsak das 0:1 erzielen konnte (9.).

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Nein, Union war mit dem Tabellenletzten der Bundesliga nicht auf Augenhöhe. Die Berliner standen klar eine Stufe tiefer. Marnon Busch zog aus 18 Metern einfach mal ab, wie im Training. Unions Torwart Rönnow war zwar in der richtigen Ecke. Doch ob die Nummer eins rechtzeitig dagewesen wäre – fraglich. So flog der Ball knapp am Tor vorbei (18.).

Union Berlin agiert nicht auf Augenhöhe mit Heidenhiem

Baumgarts „Wow!“ an der Seitenlinie offenbarte, dass diese Leistung auch dem Trainer ein echtes Rätsel aufgab. Soeben hatte sein Team das 0:2 kassiert. Nach einem Einwurf samt problemloser Kopfballverlängerung war erneut Honsak zur Stelle. Janik Haberer auf der rechten Abwehrseite wirkte bei seinem viel zu späten Rettungsversuch wie aus dem Schlaf gerissen (36.).

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Es dauerte bis zu 68. Minute, ehe Union mit einem Ilic-Kopfball Heidenheims Torwart Diant Ramaj überhaupt mal ins Spiel brachte. Bis dahin hatte Union in Halbzeit zwei irgendwie versucht, Zugriff auf das Spiel zu bekommen. Doch dies schien ein Weckruf zu sein. Noch einmal scheiterte Ilic an Ramaj (74.). Kurz darauf durfte Querfeld den Ball zum 1:2 ins Tor wuchten (75.).

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Die Hoffnung auf vielleicht noch einen Zähler zerstörte Heidenheims Budu Zivzivadze mit einem Hammerschuss in den Winkel des Union-Tores (79.). Das vermeintliche 1:4 des Georgiers kassierte der VAR wieder ein (90.+4). Rönnow soll die Sicht versperrt gewesen sein.