Die Frauen von Union Berlin sind ein wenig in der Realität angekommen. Nach der Heimniederlage gegen Carl Zeiss Jena (1:2) müssen sich die Aufsteigerinnen vor allem auf den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga fokussieren. Nach rund zwei Dritteln der Saison spricht Jennifer Zietz (42), Unions Geschäftsführerin Profifußball, über …

Union Berlin hat in der Bundesliga die besten Bedingungen

... die Niederlage gegen Jena: „Am Montag war auch schon noch mal eine schwere Stimmung in der Mannschaft, im Trainerteam, ganz klar. Das letzte Spiel zu Hause haben wir im Oktober gewonnen. Das Thema Festung Alte Försterei, das ist gerade überhaupt kein Thema. Ich glaube, dass viele Mannschaften leider gerne hierherkommen und das nicht nur wegen der Massen an Zuschauern und unserer Gastfreundlichkeit. Von der Warte her muss man an alle appellieren, auch an die Spielerinnen. Am Ende stehen die auf dem Platz. Am Ende müssen die auch ein Stück Verantwortung übernehmen. Es sind viele Spielerinnen hier, die auch Ambitionen haben, die auch hierhergekommen sind, weil wir die gleichen Ambitionen haben. Und da darf man sich so ein Spiel nicht aus der Hand nehmen lassen.“

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... die veränderte Teamchemie nach dem Aufstieg: „Auf der einen Seite haben wir ja danach geschrien, also wir wollten das ja so, auch die Spielerinnen wollten das so. Es kann sich eigentlich keiner beschweren. Aber klar ist, dass man sich immer neu kennenlernen muss. Man muss natürlich auch wissen, was braucht mein Nebenmann. Das wirkt sich immer etwas auf die Teamdynamik aus. Aber wir kommen aus der Regionalliga, und es ist einfach wichtig, dass wir diese Schritte gehen, weil wir diesen Möglichkeiten, die wir dem Frauenfußball geben, halt nur so irgendwie gerecht werden können. Ich glaube, die Kombination aus dem, was wir hier haben, hat keiner. Selbst Spielerinnen aus Wolfsburg waren hier und haben gesagt: Diese Bedingungen haben wir so nicht in dieser Kombination.“

Ich glaube, die Kombination aus dem, was wir hier haben, hat keiner. Selbst Spielerinnen aus Wolfsburg waren hier und haben gesagt: Diese Bedingungen haben wir so nicht in dieser Kombination.

Jennifer Zietz, Union-Managerin

Zietz befürchtet, dass die deutschen Frauen den Anschluss verlieren

... die Gründung des Frauen-Bundesliga FBL e.V.: „Es geht einfach um die Rahmenbedingungen, dass Frauen ein Berufsbild ausüben können, vernünftige Bedingungen vorfinden und auch vernünftig dafür honoriert werden. Es gibt leider immer noch Spielerinnen in der Bundesliga, die nebenbei arbeiten gehen und Fußball spielen. Da ist es schwer, dass Spielerinnen ihre Leistung bringen. Was die sportliche Entwicklung angeht: International dürfen wir den Anschluss nicht verlieren, was die Nationalmannschaft, die Champions League und den Europapokal angeht. Wir schwimmen mit, können aber keine Akzente setzen. Und es geht um die Wertsteigerung des Frauenfußballs als Marke.“

Frauen-Bundesliga 1. FC Union - FC Carl Zeiss Jena 2025/26
Lia Kamber ist eine von vier Winterzugängen bei Union Berlin. © IMAGO/Matthias Koch | IMAGO/Matthias Koch

... erste gescheiterte Gespräche mit dem DFB: „Bei Union zum Beispiel haben wir jahrelang im Männerfußball alles an Erfahrung gesammelt, in der Umsetzung der Veranstaltung, in Schaffung von Trainingsbedingungen, in Ansprache von Sponsoren. Bei einem Verband wie dem DFB, der erstmal all seine Landesverbände bei Entscheidungen fragen muss, dauert das einfach zu lange. Es ist gut, dass wir in der FBL auch schnelle Entscheidungen treffen können. Jetzt kommt eine sehr große Kraft mit den Vereinen in den Frauenfußballbereich, und dem kann der DFB nicht mehr standhalten. Ich glaube, dass der DFB gut daran tut, das auch ein bisschen in die zweite Reihe zu schieben und es den Vereinen zu überlassen, die wissen, wovon sie eigentlich sprechen.“

Union Berlin will die Liga-Spitze angreifen

... die Lehren aus den ersten sieben Monaten Bundesliga: „Auf jeden Fall wurden wir ein wenig eingenordet, aber es hindert uns nicht daran, an unseren Zielen festzuhalten. Es kann nichts anderes geben, als irgendwann auch in der Spitze der Liga anzukommen und auch bestmöglich international zu spielen mit solchen Rahmenbedingungen. Das muss einfach der Antrieb sein.“

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... den Klassenerhalt: „Ich denke, darum muss man sich keine Sorgen machen, dafür ist der Kader zu stark. Wir müssen uns einfach bewusst werden, wofür Union steht. Aber es ist natürlich auch klar, dass es noch nicht jeder so verinnerlicht hat. Am Ende darf das aber keine Ausrede sein. Spielerinnen, die überzeugt sind, dieses Trikot zu tragen, die müssen wissen, wofür Union steht. Wir hatten gerade den 60. Geburtstag, da ist es vielen bewusst geworden. Es geht nicht darum, schön Fußball zu spielen. Das schöne Spiel kann später kommen.“