Selten hat man Horst Heldt entspannter erlebt. Der Geschäftsführer Profifußball Männer von Union Berlin wirkt grundsätzlich wenig aufgeregt nach dem Ende einer Transferperiode. Das Wintertransferfenster, das sich am Montagabend geschlossen hat, hat jedoch auch für weniger Aufregung gesorgt, als man es beim Berliner Fußball-Bundesligisten hätte vermuten können.

Vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt am Freitag (20.30 Uhr, Sky) in der Alten Försterei erzählt der 56-Jährige entsprechend locker über …

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… die Wechselkandidaten Diogo Leite und Danilho Doekhi: „Diogo ist sicherlich bei vielen Vereinen auf der Rechnung gewesen. Aber wahrscheinlich hat es dann auf seiner Position auch mehrere Kandidaten gegeben. Fakt ist: Damit wir überhaupt über einen Transfer grundsätzlich nachdenken und entscheiden, machen wir das oder machen wir das nicht, bedarf es eines schriftlichen Angebotes, auf das wir reagieren können. Ich kann Ihnen sicher sagen, dass wir im Sommer und jetzt im Winter kein einziges offizielles Angebot vorgelegt bekommen haben. Im Sommer gab es bei Danilho die Möglichkeit, aber da haben wir uns nicht einigen können. Die Ablöse war einfach nicht in der Höhe, wo wir gesagt hätten: Diese Summe macht den Qualitätsverlust wett.“

Union Berlin sieht keinen Bedarf für Korrekturen

… entgangene Transfererlöse: „Transfereinnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Handhabe. Gleichzeitig muss man das differenzieren. Danilo ist ja ablösefrei gekommen und hat über Jahre hier seine Leistung gebracht. Dann gibt es andere Beispiele, wo der Verein Geld investiert hat und natürlich dementsprechend wieder eine Ablöse generieren will. Doch es steht außer Frage, dass wir mit Danilo und Diogo zwei Spieler haben, die zu den Stammspielern gehören. Natürlich fühlen wir uns alle wohler, weil sie Woche für Woche ihre Leistungen bringen. Und ein Abstieg ist teurer als alles andere. Ein Abstieg kostet 50 Millionen Euro. Jeder Tabellenplatz, den man sich verbessert, bringt zwischen 1,5 und drei Millionen Euro.“

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… den Verzicht auf eine Verstärkung für die Offensive: „Wir denken, dass wir einen guten Kader haben. Zumal im Winter ist meistens ein Transferfenster, wo du versuchst, Sachen zu korrigieren. Aber das Vertrauen ist sehr, sehr groß in jeden einzelnen Spieler, sodass wir nicht unbedingt eine Notwendigkeit für Verstärkungen gesehen haben. Man muss sich die Frage stellen, ist das, was im Winter zur Verfügung steht, so viel besser als das, was wir haben? Wer gibt schon einen Spieler ab, der 15 Tore gemacht hat in der Halbserie? Und dann muss das Ganze auch noch bezahlbar sein.“

Die Köpenicker verkleinern wie gewünscht ihren Kader

… die Abgänge von Marin Ljubicic und Oluwaseun Ogbemudia: „Das, was wir machen wollten, haben wir gemacht: den Kader kleiner zu machen, damit wir noch mehr Spielzeit garantieren. Bei Marin gehe ich fest davon aus, dass er sie in Düsseldorf bekommt. Und Olu wollten wir weiterentwickeln und das kann er in der Dritten Liga (bei Waldhof Mannheim, d. Red.). Weitere Abgänge wird es nicht geben, weil wir nicht mehr reagieren können.“

Es wird nicht passieren, dass wir uns selbst anfangen zu belügen

Horst Heldt, Union-Geschäftsführer

… das Transfergerücht Raheem Sterling: „Sowohl im Sommer, aber im Winter und noch mal irgendwie gefühlt krasser, kriegst du von Gott und der Welt alle möglichen Ideen vorgestellt und Spieler vorgeschlagen. Unter anderem wurde mir auch dieser Spieler vorgeschlagen. Ob das jetzt ein Berater gewesen ist, kann ich gar nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Aber es ist natürlich ein glanzvoller Name. Doch du weißt, er hat gerade seinen Vertrag (mit dem FC Chelsea, d. Red.) aufgelöst, richtig gespielt hat er in den letzten Jahren nicht wirklich mehr, aber es ist natürlich ein klangvoller Name. Das war es aber dann auch. Eine Kontaktaufnahme kam nicht wirklich zustande.“

Diogo Leite
Abwehrspieler Diogo Leite bleibt bei Union Berlin.© Soeren Stache/dpa | Soeren Stache

Union Berlin blickt weiter nach unten

… die sportliche Situation nach fünf Spielen ohne Sieg in diesem Jahr: „Ich glaube, wir stehen mittendrin. Das bedeutet, wir müssen nach wie vor nach unten aufpassen. Gleichzeitig fühlen wir uns wohler, je kleiner die Zahl wird. Nach dem Spiel in Köln hatte ich gesagt, wir haben ein gutes erstes halbes Jahr gehabt, in dem wir viel gepunktet haben. Da war alles dabei, glückliche Siege, unglückliche Niederlagen, verdiente Siege, also die ganze Bandbreite. Auch jetzt in Hoffenheim ist es so gewesen, dass bis zum Elfmeter nicht wirklich was passiert ist. Das heißt also, wir sind in der Lage, im Spiel vieles selbst zu entscheiden.“

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… die Gefahr, sich die Lage in der Tabelle schönzureden: „Es wird nicht passieren, dass wir uns selbst anfangen zu belügen oder es besserzureden, als es ist, intern schon gar nicht. Wir müssen die Balance halten. Wir müssen uns an den Fakt halten, dass wir jedes Mal in Rückstand geraten, aber auch, dass wir die letzten Tore nur durch Einwechselspieler gemacht haben. Aber zum Fakt gehört es halt auch, dass wir in der Lage sind, Spiele so zu beeinflussen, dass wir sie gewinnen. Diese Kraft darf man auch nicht unterschätzen. Aber wir streuen uns keinen Sand in die Augen. Das sind wir nicht, das ist der Verein nicht, das sind die Spieler nicht. Wenn wir das Gefühl haben, dass das in so eine Richtung laufen würde: Wir beweihräuchern uns über Niederlagen, wie toll wir waren – dann sind wir die ersten, die dagegen angehen.“