„Viele Chancen, zu wenig Tore.“ Kurz und knapp brachte Ailien Poese ein Spiel der Bundesliga-Frauen von Union Berlin auf den Punkt, das im Lager der Köpenickerinnen viele enttäuschte Gesichter zurückließ. Denn was das Team beim 1:1 (0:0) gegen den Hamburger SV im Duell der Aufsteigerinnen zeigte, war trotz überzeugender Leistung nicht weniger als ein Festival der vergebenen Chancen. Wenigstens konnte die Negativserie nach vier Niederlagen in Pflichtspielen gestoppt werden.
Verunsicherung war vor 6525 Zuschauern in der Alten Försterei ein ständiger Begleiter bei den Unionerinnen, vor allem in den ersten knapp 30 Minuten. Die Sieglosserie und die angespannte personelle Situation haben sichtlich Spuren hinterlassen. Gegen die Hamburgerinnen spielte Union praktisch mit dem letzten Aufgebot.
Georgieva feiert Startelfdebüt für Union Berlin
Ein Blick auf die Teamaufstellung verriet, wie dramatisch die Lage wirklich ist. Statt der möglichen neun Ersatzspielerinnen standen nur sechs Akteurinnen auf dem Spielberichtsbogen. Beim obligatorischen Kreis kurz vor dem Anpfiff hatten sich die Spielerinnen um die Trikots mit den Nummern 2 und 22 versammelt. Auch beim anschließenden Teamfoto wurden die Jerseys von Tomke Schneider und Mariann Noack gezeigt.
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Spätestens jetzt wurde sichtbar, wie wichtig die Nachverpflichtung von Marina Georgieva gewesen ist. Die Österreicherin, die seit Sommer ohne Verein gewesen war, wurde Ende Oktober geholt. Ihre Erfahrung – unter anderem bei der AFC Florenz in der ersten italienischen Liga – wurde gegen die Hamburgerinnen dringend gebraucht.
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Halbherzige Abspiele, zu oft falsche Laufwege, und fehlendes Selbstvertrauen auf dem Weg zum gegnerischen Tor prägten das Spiel der Köpenickerinnen in der Anfangsphase. Erst die Riesenchance von Eileen Campbell nach herrlicher Kombination war der Weckruf für die Gastgeberinnen (29.), die den HSV nun am eigenen Strafraum kaum noch zur Entfaltung kommen ließen.
Union-Trainerin Poese sieht Gelb
Die fehlende Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor blieb dennoch. Lisa Heiseler fasste sich von der Strafraumgrenze ein Herz (31.), Campbell verstolperte den Ball vor HSV-Torhüterin Larissa Haidner (34.), Sophie Weidauer versuchte es (36.), Dina Orschmann traf nur das Außennetz (37.) – Chancen gab es reichlich.
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Zur Wahrheit gehörte auch, dass Torhüterin Haidner einen Glanztag erwischte, nicht nur beim Campbell-Freistoß in der 39. Minute. Trainerin Poese kassierte sogar die Gelbe Karte, weil Heiseler bei ihrer Chance kurz vor der Pause im Strafraum gefoult worden sein soll (44.). Ein weiteres Indiz dafür, welche Wirkung die vergangenen Wochen auf die Köpenickerinnen hatten.
Weidauer staubt für Union Berlin ab
Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Weidauer scheiterte an Haidner (47.). Selbst ein Alleingang der Union-Angreiferin blieb an der Hamburger Torhüterin hängen (52.). Das Nervenspiel, an dem die Unionerinnen schon im DFB-Pokal gegen Jena (0:1) verzweifelt waren, begann erneut.
Es war ein Zusammenspiel der beiden Union-Stürmerinnen, das den Bann brach. Weidauer schickte Campbell, die – natürlich – zunächst an Haidner scheiterte. Doch im Nachsetzen schob Weidauer den Ball zum hochverdienten 1:0 über die Linie (61.).
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Der Ausgleich für den HSV per Elfmeter durch Sophie Hillebrand (85.) verhinderte den dritten Heimsieg für Union Berlin. Dass zuvor Campbell das sichere 2:0 vergeben hatte, soll nicht unerwähnt bleiben (80.).
„Ich glaube, jeder, der selbst Fußball spielt, weiß: Wenn man eine kleine Durststrecke hinter sich hat, dass dann vielleicht nicht jeder Ball über die Linie geht, dass man ein paar mehr Versuche braucht“, sagte Mittelfeldspielerin Jenny Hipp. Gegen Hamburg gab es jedoch genügend davon.





