Es war das spannendste Thema, das Union Berlin in diesem Transfersommer zu bieten hatte. Einen Tag nach dem Ende der Wechselperiode in der Fußball-Bundesliga hat sich Horst Heldt, der Geschäftsführer Profifußball von Union Berlin, zur Causa Diogo Leite geäußert – und verdeutlicht, dass ein Abgang des Innenverteidigers immer noch nicht vom Tisch ist.
„Es sind noch einige Fenster geöffnet“, sagte Heldt, „und wenn er nicht geht, hat er einen Vertrag bei uns bis 30. Juni 2026.“ Hintergrund ist, dass Wechsel zum Beispiel nach Österreich (bis 5. September), in die Schweiz (9. September), nach Saudi-Arabien (11. September), in die Türkei (12. September) oder auch nach Portugal (16. September) weiter möglich sind.
Auch interessant
Leite, der einen Wechselwunsch klar geäußert hatte, ist folglich auch in den kommenden Wochen nur bedingt Teil der Mannschaft in den Trainingseinheiten. Für die Köpenicker geht es dabei um eine Ablösesumme im zweistelligen Millionenbereich. Umso erstaunlicher ist es, dass ein Wechsel bislang nicht zustande gekommen ist. Denn entsprechende Angebote für den Portugiesen hat es gegeben, so Heldt.
Leite soll Union Berlin eine zweistellige Millioneneinnahme bringen
„Es ist viel passiert, ohne dass viel transportiert wurde“, sagte Heldt, „und nicht nur Diogo hat bei einem Thema nein gesagt.“ Soll heißen: Mal war die Ablöse zu niedrig, mal passte es für den Profi nicht. Dass Leite nur noch individuell trainiert, „war eine gemeinsam besprochene Sache“, erklärte der Union-Manager. Der Abwehrspieler sollte sich unter keinen Umständen verletzen.
Dass die Köpenicker auch ein Stück weit die Einnahmen, die ein Leite-Transfer bringen kann, benötigt, machte Heldt ebenfalls deutlich: „Union Berlin ist natürlich angewiesen auf Ablösesummen. Es gehört zu unserem Modell dazu, Spieler zu verkaufen. Das betrifft fast jeden Verein in der Bundesliga. Selbst der FC Bayern verändert gerade seine Strategie.“
Lesen Sie auch: Diesen Preis wird Union Berlin noch öfter zahlen müssen
Mit anderen Worten: Heldt ist mehr oder weniger aufgefordert, Leite in den kommenden Wochen zu verkaufen, um eine hohe Ablösesumme zu erzielen. Gelingt dies nicht, bleibt nur noch das Wintertransferfenster. Die Ablöse dürfte dann jedoch um einiges geringer sein.
Heldt sieht Union Berlin flexibler aufgestellt
Insgesamt zog Heldt ein durchaus positives Fazit, was Unions Transferaktivitäten angeht. „Wir haben einen Kader, mit dem wir unser Ziel erreichen und in der Liga bleiben werden. Da bin ich mir sicher“, sagte Heldt. Die Köpenicker hätten ihre Wunschspieler bekommen, „weil Union Berlin wirklich sexy ist. Es hat nicht lange gedauert, Spieler wie Derrick Köhn oder Ilyas Ansah davon zu überzeugen, zu Union zu wechseln.“ Für Profi, die dauerhaft in der Champions League spielen wollen, „sind wir der falsche Ansprechpartner“, erklärte Unions Geschäftsführer.
Auf die Kritik, Union würde in seinem Jahrgang 2025/26 zu wenig Kreativspieler besitzen, entgegnete Heldt dies: „Ich glaube, jetzt sind wir flexibler, Tore zu machen. Diese Variabilität wird uns in dieser Saison helfen. Wir haben qualitativ in der Breite dazugewonnen. Was uns auszeichnet, ist, dass wir einen sehr intensiven Fußball spielen. Was beispielsweise Stürmer Andrej Ilic vorn leistet, ist schon bemerkenswert.“
Auch interessant
Die Idee des Union-Fußballs unter Trainer Steffen Baumgart sei, dass jeder Spieler „in der Lage sein muss, Gas zu geben. Ich weiß nicht, ob jemand wie Max Kruse heute noch bei Union Fußball spielen würde“, verdeutlichte Heldt.
Tanja Pawollek ist der Königstransfer bei Union Berlin
Auch Jennifer Zietz sieht es ähnlich wie Heldt. „Man merkt schon, dass Union sexy ist“, so die Geschäftsführerin Profifußball Frauen. Fünf Tage vor dem Bundesliga-Debüt der „Eisernen Ladies“ gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag (18.30 Uhr, DAZN) zog auch Zietz eine positive Bilanz des Transfersommers. Mit Tanja Pawollek (Polen), der derzeit noch verletzten Hannah Eurlings (Belgien) und Nadine Böhi (Schweiz) konnte Union drei EM-Fahrerinnen verpflichten.

„Ich denke, wir haben eine gute Mischung“, sagte Zietz. Vor allem die Verpflichtung von Pawollek stellte die Union-Managerin heraus. „Sie ist ein Hochkaräter, eine Topverpflichtung. Sie hat ganz viel Erfahrung, ein ruhiges Gemüt und kann den einen oder anderen Druck abfangen“, sagte Zietz über die defensive Mittelfeldspielerin.
Die Frauen von Union Berlin wollen sich schnell in der Bundesliga etablieren
Neben dem sportlich gesteckten Ziel, so schnell wie möglich mit dem Klassenerhalt nichts mehr zu tun zu haben und sich gleich im ersten Jahr in der Bundesliga zu etablieren, verfolgen Unions Frauen aber noch ein anderes Ziel, wie Zietz erläuterte: „Wir wollen natürlich schon die eine oder andere Überraschung schaffen. Aber wir wollen auch den Frauenfußball mitziehen und zeigen, dass wir in unserer Entwicklung viel schneller sind, mit unseren Fans, dem Stadion, dem Neubau des Leistungszentrums für beide Profimannschaften. Das sollte ein Beispiel für andere Vereine sein.“
Lesen Sie auch
Vor zwei Jahren hat Union Berlin eine Frauenabteilung professionalisiert. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass der Verein eine Lizenzspielerabteilung hat, in der beide Profimannschaften untergebracht sind. „Diese Idee, wie Frauenfußball hier gedacht wird, gehört einfach in die Bundesliga“, sagte Zietz: „Es ist einfach das Gesamtpaket, was es hier gibt, mit professionellen Rahmenbedingungen und mit der Unterstützung innerhalb des Vereines. Ich freue mich sehr, dass es jetzt endlich losgeht.“








