Bei der Suche nach einer Erklärung für das Debakel bei Borussia Dortmund kam sogar Steffen Baumgart in Schwierigkeiten. „Das muss man erst mal sacken lassen“, sagte der Trainer von Union Berlin nach dem 0:6 (0:2) beim Champions-League-Achtelfinalisten. Die Köpenicker kassierten damit ihre höchste Niederlage in der Fußball-Bundesliga.

„Die erste Halbzeit war von der Leistung her okay“, sagte Baumgart bei Sky, „doch was nach dem 0:3 passiert, ist schwer zu erklären. Das ist auch mit einer Analyse nicht zu erklären.“

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Mit Andras Schäfer und Lucas Tousart neu im Mittelfeld sowie Tom Rothe als Linksverteidiger, der den verletzten Robert Skov erwartungsgemäß ersetzte, hielten die Berliner von Beginn an gegen die ebenfalls zuletzt durch die Liga taumelnden Dortmunder zunächst gut mit. „Doch dann darf es uns nicht passieren, dass wir uns als Mannschaft einfach auflösen, dass wir nicht mehr in die Zweikämpfe gehen und jeder für sich selbst spielt“, erklärte der Ex-Dortmunder Rothe.

Ex-Dortmunder Rothe ersetzt Skov bei Union Berlin

Danilho Doekhi hatte nach einer Ecke von Josip Juranovic sogar nach nicht einmal drei Minuten die Chance zur Führung für Union. Nein, das war keine Elf, die durch die vergangenen Monate verunsichert war. Und Dortmund brauchte trotz der Möglichkeit durch Pascal Groß (7.) einige Zeit, um mit dem mutigen Spiel der Gäste klarzukommen. Es war nicht nur aufgrund der Tabellensituation (Elfter gegen 13.) ein Duell auf Augenhöhe.

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Es passte jedoch zur Situation der Berliner, dass sich die Baumgart-Elf selbst auf die Verliererstraße brachte. Der ehemalige Unioner Julian Ryerson hatte über die linke Seite Fahrt aufgenommen und den Ball in Richtung Tor geschossen. Das Spielgerät wäre weit am Tor vorbeigeflogen – wäre nicht Diogo Leite dazwischengegangen.

Leite ist der Pechvogel bei Union Berlin

Mit seiner Abwehraktion fälschte der Portugiese den Ball zu einer Bogenlampe ab, die unerreichbar über Union-Torwart Frederik Rönnow hinweg ins Tor segelte (25.). Union spielte den Aufbauhelfer für eine Mannschaft, die unter dem neuen Coach Niko Kovac immer noch ihre Identität sucht.

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Doch der Gegentreffer zeigte kaum Wirkung. Auch dies hatte man bei Union in den vergangenen Wochen schon anders erlebt. Andrej Ilic kam zum Abschluss, sein Schuss wurde in der 28. Minute jedoch abgeblockt. Der Stürmer hatte den Vorzug vor Ivan Pratjin und Marin Ljubicic erhalten.

Hollerbach mit Chance zum Ausgleich für Union Berlin

„Was Fleiß und Intensität angeht, hat er zuletzt viel mitgebracht. Das Anlaufen macht er gut. Und er hat als Stürmer gegen Gladbach zum zweiten Mal getroffen. Ihn dann draußen zu lassen, ist schwierig“, hatte Coach Baumgart seine Entscheidung für Ilic begründet.

Dennoch war nicht zu übersehen, dass Union Berlin mehr Probleme bekam, weil der BVB besser ins Spiel fand. Groß hatte nur die Latte des Union-Tores getroffen, nachdem Benedict Hollerbach den Ball noch einmal in den eigenen Strafraum gespielt hatte, anstatt ihn zu klären (28.).

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Nach 40 Minuten war es schließlich passiert. Nachdem Hollerbach zunächst Dortmunds Torwart Gregor Kobel aus spitzem Winkel zu einer Parade gezwungen hatte (35.), erhöhte Serhou Guirassy auf 0:2. Wooyeong Jeong hatte den Ball im Duell mit Ramy Bensebaini verloren, Groß konnte vor das Union-Tor zu Guirassy flanken, der per Kopf vollendete. Erneut machte Leite nicht die beste Figur (40.).

Guirassy schockt Union Berlin nach dem Seitenwechsel

Nach dem Seitenwechsel verstärkte Union die Offensive, zunächst mit Laszlo Benes (für Rani Khedira, 57.), später auch mit Ljubicic (für Hollerbach) und Tim Skarke (für Jeong, beide 72.). Doch es blieb beim Versuch, dem Spiel vielleicht doch noch mal eine Wende zu geben. Denn Dortmund drehte nun auf.

Torwart Frederik Rönnow musste gegen Groß alles riskieren (71.), hatte beim Schuss von Karim Adeyemi an den Pfosten Glück (74.) – und war schließlich doch geschlagen, als Guirassy den Ball aus kürzester Distanz an Rönnow vorbei zum 0:3 in den Winkel setzte (75.). Dortmunds Stürmer legte sogar noch das 0:4 (80.) und 0:5 (83.) nach. Beier setzte den Schlusspunkt mit dem 0:6 (89.).

Union Berlin hatte sich in einer Partie, die hoffnungsvoll begann, aufgegeben. „Du kannst hier unter die Räder geraten“, bilanzierte Union-Trainer Baumgart, „aber nicht in einer letzten Viertelstunde, nachdem du zuvor eine ordentliche Leistung gebracht hast.“

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