Das ist er: Noch einmal durchatmen, Kraft tanken, die Energiespeicher auffüllen. Immerhin liegt das letzte kraftraubende Engagement noch gar nicht so lang zurück. Und so genoss Steffen Baumgart um Weihnachten herum die Abwesenheit von Stress. Während seiner Australien-Auszeit fotografierte er Kängurus am Strand, er startete zum Privat-Rundflug über Cape Hillsborough und zeigte sich nach dem Aus beim Fußball-Zweitligisten Hamburger SV ganz lässig in Badelatschen. Wenige Tage später stürzt er sich wieder in die Arbeit: Baumgart wird Trainer von Union Berlin. Dort, wo er vor 20 Jahren als Spieler geglänzt hat. Dort, wo er sich heute noch zu Hause fühlt.

„Ich freue mich sehr auf die Rückkehr in die Bundesliga und zu Union“, sagte der 52-Jährige in der Mitteilung des Vereins vom Montag. „Es ist sicher ein Vorteil, den Verein und viele Menschen hier gut zu kennen.“ Schließlich war der ehemalige Offensivspieler in seinen zwei Jahren in Köpenick (2002 bis 2004) extrem beliebt: Er war Kapitän und wurde zweimal zum Union-Profi des Jahres gewählt. In den 68  Pflichtspielen erzielte er 22 Tore und bereitete acht Treffer vor. Der Stadtteil im Berliner Südosten wurde auch privat seine Heimat.

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Union Berlin: Letzter Sieg liegt mehr als zwei Monate zurück

Nun übernimmt er von seinem erst am vergangenen Freitag entlassenen Vorgänger Bo Svensson eine Mannschaft, die zweifellos Potenzial besitzt, dieses aber zuletzt selten abrief. Vier der letzten fünf Spiele gingen verloren – und den Heim-Punkt im Skandalspiel gegen Schlusslicht VfL Bochum (1:1) könnte der Klub am grünen Tisch verlieren. Das DFB-Sportgericht verhandelt den Fall mündlich am 9. Januar in Frankfurt. Ein Fan aus dem Union-Block hatte VfL-Torhüter Patrick Drewes mit einem Feuerzeug am Kopf getroffen.

Der letzte Sieg der Köpenicker liegt sogar bereits mehr als zwei Monate zurück, immerhin aber besitzt Union (noch) ein Sieben-Punkte-Polster auf den Relegationsplatz. Steffen Baumgart beginnt also vorerst keine Rettungsmission, er soll stabilisierend wirken und ein altes Fieber neu entfachen. „Wir haben keine lange Vorbereitungszeit und werden mit den Spielern intensiv arbeiten, um für die vor uns liegenden Aufgaben gewappnet zu sein“, betonte er: „Union bietet sehr gute Voraussetzungen, um erfolgreich sein zu können. Diese möchte ich gemeinsam mit dem Trainerteam, den Betreuern und der Mannschaft bestmöglich nutzen.“

Steffen Baumgart
Von 2002 bis 2004 spielte Baumgart bereits als Profi bei Union Berlin und erlangte in dieser Zeit Kultstatus.© DPA Images | Michael Hanschke

Horst Heldt hat den gebürtigen Rostocker Baumgart 2021 bereits zum 1. FC Köln geholt, er erhofft sich vom alten Bekannten einen Raketenstart nach dem Jahreswechsel. „Er ist ein Trainer, der keine lange Anlaufzeit braucht und einer Mannschaft schnell eine klare Ausrichtung geben kann“, sagte der Geschäftsführer Profifußball. „Wir sind überzeugt davon, dass er der richtige Trainertyp für uns ist.“ Ein wichtiger Aspekt sei Baumgarts Art gewesen, „eine Mannschaft zu führen, Spieler zu fördern und zu fordern“. Der Verweis auf die Vergangenheit durfte selbstverständlich nicht fehlen: „Er kennt Union bestens.“ In Co-Trainer Sebastian Bönig und Spielanalyst Adrian Wittmann kehren zudem zwei langjährige Unioner zurück ins Team.

Die erste Einheit mit seiner neuen Mannschaft wird Baumgart am kommenden Donnerstag auf dem Trainingsgelände an der Alten Försterei leiten – zur Freude der Fans wird es öffentlich sein.

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Union Berlin: Darum kommt Baumgart statt André Breitenreiter

Nach Weihnachten hatten die Berliner die Trennung von Svensson bekannt gegeben. Der Däne hatte die Mannschaft erst im Juli übernommen, zuletzt aber in neun Spielen nacheinander keinen Sieg geholt. Die Vereinsverantwortlichen sahen sich zum Handeln gezwungen. Zunächst galt André Breitenreiter als aussichtsreicher Kandidat. Dieser wurde aber einen Tag vor der Baumgart-Bekanntgabe als neuer Trainer beim Zweitligisten Hannover 96 präsentiert. Baumgart selbst wurde zwar immer wieder als Kandidat gehandelt, wenn in der Försterei ein Trainer gesucht wurde. Seine starke Persönlichkeit hielt so mancher aber für ein Hindernis.

Viel Zeit hatten Heldt und auch Vereinspräsident Dirk Zingler nicht, um den Posten neu zu besetzen. Nach dem Trainingsstart am Donnerstag steht bereits am Sonntag gegen den Ligarivalen Holstein Kiel der erste Test an. Am 11. Januar kommt es zum Meisterschaftsspiel beim Aufsteiger 1. FC Heidenheim. Vier Tage später ist der FC Augsburg zum Hinrunden-Abschluss zu Gast. In die Rückrunde startet Union mit dem Heimspiel gegen Mainz 05 am 19. Januar. Eine Woche später gastieren die Köpenicker in Hamburg bei Aufsteiger St. Pauli. Mit Baumgart als neuem Trainer.

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mit lro, jst, sid, dpa