Wenn der Duft von Glühwein und Bratwurst durch die kalte Dezemberluft weht, wenn Zehntausende Kerzen flackern und Menschen dicht an dicht stehen, dann ist wieder Weihnachtssingen beim 1. FC Union. Am Abend vor Heiligabend wurde das Stadion An der Alten Försterei wieder zur Bühne von Berlins größtem Weihnachtschor.

Schon Wochen zuvor waren alle 28.500 Tickets verkauft. Weil die Nachfrage wie in den Vorjahren wieder deutlich größer war, als Tickets vorhanden waren, musste der Vorverkauf erneut mittels Losverfahren durchgeführt werden.

Besinnliche Weihnachtsstimmung trotz sportlich angespannter Situation

Die Begeisterung für die Traditionsveranstaltung – das zeigte sich am Montagabend wieder – ist ungebrochen, und das trotz der derzeit sportlich ungemütlichen Situation. Zuletzt neun Pflichtspiele in Folge ohne Sieg hatten den Verantwortlichen des 1. FC Union die Laune zum diesjährigen Weihnachtsfest ordentlich verhagelt. Von der derzeit angespannten Lage war beim Weihnachtssingen jedoch nichts zu spüren. Die Ablenkung dürfte vielmehr gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein.

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Das Weihnachtssingen in der Alten Försterei hat inzwischen eine mehr als 20-jährige Geschichte. 2003 hatten sich 89 Mitglieder des Fanklubs „Alt-Unioner“ um Initiator Torsten Eisenbeiser in einer Guerilla-Aktion Zugang zum Stadion verschafft, um mit Glühwein und Gebäck auf Höhe der Mittellinie gemeinsam Weihnachtslieder zu singen. Zunächst vom Bezirk geduldet, wurde es später auch genehmigt.

Von Jahr zu Jahr wurden es mehr Besucher. Seit 2015 ist das Stadion jedes Jahr ausverkauft (2020 und 2021 fiel es wegen der Corona-Pandemie aus), sodass es auch ein wenig Glück braucht, um mit dabei zu sein. Die Veranstaltung ist inzwischen auch ein vereinsübergreifendes Ereignis.

Lichtergruß für die Opfer des Terroranschlags in Magdeburg

Nach dem Vorprogramm, wofür die Eisernen Bläser und der Männerchor Eintracht Mahlsdorf gesorgt hatten, verzögerte sich der Anfang diesmal um eine Viertelstunde, auch aufgrund umfassender Kontrollen an den Eingängen. Zum Auftakt erhoben nach Aufforderung von Christian Arbeit, Pressesprecher des 1. FC Union, alle Besucher einmal kurz ihre Kerzen als Lichtergruß Richtung Magdeburg, wo bei einem Terroranschlag am Freitag fünf Menschen ums Leben kamen und mehr als 200 weitere Menschen verletzt wurden.

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Danach wurde wie gewohnt das gemeinsame Singen vom Chor des Emmy-Noether-Gymnasiums aus Köpenick eröffnet. Nach „Guten Abend schön‘ Abend“ wurden Klassiker wie „Ihr Kinderlein kommet“, „Oh, du fröhliche“, „Morgen Kinder wird’s was geben“ und „Oh Tannenbaum“ angestimmt. Viele der Besucher, die sich auch von dem strömenden Regen auf dem Weg zum Stadion nicht abhalten ließen, trugen dabei rot-weiße Mützen oder gleich komplette Weihnachtskostüme. Die kurzen Pausen zwischen den Liedern nutzten sie immer wieder auch für Union-Fangesänge.

Weihnachtsgeschichte von Pfarrer Ulrich Kastner vorgetragen

Zum Programm gehörte auch diesmal wieder die Weihnachtsgeschichte, vorgelesen von Pfarrer Ulrich Kastner aus Grünau. Das macht er bereits seit 2017, als er Nachfolger von Pfarrer Peter Müller wurde, der sich damals aus persönlichen Gründen zurückzog. Das Weihnachtssingen gebe Hoffnung, und das brauche es in der aktuellen Zeit auch, hatte Kastner vorab im Interview der Berliner Morgenpost gesagt.

Pfarrer Ulrich Kastner, hier wenige Tage vor dem Weihnachtssingen in der Friedenskirche Grünau, las die Weihnachtsgeschichte vor.
Pfarrer Ulrich Kastner, hier wenige Tage vor dem Weihnachtssingen in der Friedenskirche Grünau, las die Weihnachtsgeschichte vor.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Für einen rührenden Moment sorgte Union-Sprecher Christian Arbeit, als er mit der Trompete zusammen mit seiner Mutter Marion an der Klarinette und seinem Vater Bernd an der Posaune ein Lied aus Südtirol vorspielte und seine musikalischen Fähigkeiten anschließend selbstironisch als „war auch schon mal besser“ kommentierte. Christian Arbeit ist auch Vorstandsvorsitzender der Stiftung „Union vereint. Schulter an Schulter“, für deren Arbeit im Rahmen der Veranstaltung Spenden gesammelt wurden – genauso wie für die Nachwuchsarbeit des Vereins.

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„Bei Union und ganz besonders in unserem Stadion An der Alten Försterei finden wir zu einer Form von Gemeinschaft, die viele Unterschiede zwischen uns einfach akzeptiert und wohl auch genau deshalb besteht. Das ist selten geworden in unserem Teil der Welt und deshalb von unschätzbarem Wert für Zehntausende“, hatte er im Vorwort des Liedheftes geschrieben. Dieser Abend hat dies einmal mehr bestätigt.