Erste Wohnung

So klappt das mit der ersten Wohnung in Berlin

Welche Wohnform ist für mich die beste? Wer aus dem Hotel Mama ausziehen will, muss mit seinem Budget genau planen - egal ob Wohnheim, WG oder eigene Wohnung.

Berlin zieht viele junge Menschen an – und viele von ihnen sind Studenten. Doch es wird immer schwieriger für Neuankömmlinge, in der Hauptstadt eine Wohnung zu finden. Außerdem steigen wegen der wachsenden Nachfrage die Mieten. Welche Möglichkeiten gibt es für Neu-Berliner mit kleinem Budget, eine Wohnung zu finden? Ein Überblick:

Zum einen gibt es die Studentenwohnheime. Diese Wohnheime des „Studentenwerks“ bieten für viele Hochschüler günstige Unterbringungsmöglichkeiten. Die 33 Heime des Berliner Studentenwerks sind über zehn Bezirke verteilt und bieten sowohl Wohnungen für mehrere Mieter als auch Zimmer für die alleinige Nutzung an. Es gibt möblierte als auch unmöblierte Apartments. Das Studentenwerk legt sehr viel Wert auf Freizeitangebote, wie beispielsweise Fitness- und Hobbyräume oder der sogenannte „Club“ zeigen. Allerdings kann es auch etwas länger dauern, bis man einen Studentenwohnheimplatz zugeteilt bekommt, die Wartelisten sind bis zu 1600 Personen lang und unterschreiten nur selten die Tausender-Marke, wie Ricarda Heubach, Leiterin der Abteilung „Studentisches Wohnen“ des Studentenwerks Berlin, sagt. Besonders attraktiv ist das Studentenwerk für viele junge Menschen auch, weil eine Kaution nicht erforderlich ist. „Das macht das Studentenwerk auch gerade für ausländische Hochschüler attraktiv. Ihr Anteil an unseren Mietern liegt bei über 50 Prozent. Ich selbst würde das Studentenwohnheim anderen sehr empfehlen. Ich habe damit auch Erfahrungen gemacht, es war eine schöne Zeit“, so Ricarda Heubach.

Wohnheimplatz für durchschnittlich 204 Euro

Ein Einzelzimmer kann man beim Studentenwerk ab knapp über 100 Euro im Monat mieten, im Durchschnitt liegt ein Wohnheimplatz bei 204 Euro. In den Heimen gibt es viele Mieterwechsel; maximal kann ein Student sieben Jahre im Wohnheim leben. Die Kündigungsfrist liegt bei nur sechs Wochen. Jonathan B., 28, hat eine Zeit lang in einem Studentenwohnheim gewohnt. Nachdem er innerhalb von drei Monaten seine Wohnung verlassen musste, war das Studentenwerk die einzige Stelle, die sich auf seine Anfrage zurückmeldete. Bei der zweiten Besichtigung – ein 24 Quadratmeter großes Zimmer in einem Lichtenberger Studentenwohnheim – klappte es. Die Wohnung bot Platz für drei Bewohner, eine Küche und ein Bad. Er berichtet, dass das Leben im Studentenwohnheim ähnlich wie ein Leben in einer WG sei: „Man trifft Abmachungen, und man versucht sie so gut wie möglich einzuhalten. Mal klappt das gut, mal weniger.“

Aber im Gegensatz zu einer WG habe man keinerlei Mitbestimmungsrecht, was die Mitbewohner betreffe. Die Besetzung wechsle auch relativ häufig: „So alle drei Monate kam jemand Neues in die Wohnung.“ Die Schwierigkeit des Zusammenlebens läge auch darin, dass viele sich nicht an Abmachungen halten würden. Als vorteilhaft sieht Jonathan die günstige Miete. Sein Rat für andere ist: „Wenn ihr Party wollt, dann seid ihr im Studentenwohnheim genau richtig. Und sonst: Nehmt es nicht so schwer und seht es euren Mitbewohnern nach!“

Bei der WG muss man oft durch ein Casting

Eine andere beliebte Möglichkeit sind Wohngemeinschaften. Der Vorteil dieser Konstellation ist die Aufteilung der Miete auf die WG-Bewohner. Oft werden WGs von Freunden gegründet, doch immer häufiger gibt es auch sogenannte „WG-Castings“. Dafür können sich Interessenten bei den bereits zusammenlebenden WG-Bewohnern bewerben. In Berlin herrscht bei solchen Castings oft ein großer Andrang, da Plätze in gut gelegenen WGs heiß begehrt sind.

Eine 26-jährige Studentin erzählt: Sie lebt schon das dritte Mal in einer WG, heute in einer Zweier-WG in Prenzlauer Berg. Jede der beiden Frauen hat ein eigenes Zimmer, eines ist 23 Quadratmeter groß, das andere zwölf. Dementsprechend teilen die beiden auch die Miete auf, die insgesamt monatlich 730 Euro warm beträgt. Insgesamt gefällt der Studentin das WG-Leben: „Im Moment bin ich wunschlos glücklich.“ Viele Regeln brauchen sie nicht, der Kühlschrank sei von beiden für beide gefüllt, und das Putzen erledige man mehr oder weniger abwechselnd am Wochenende. In einer größeren WG wäre das komplizierter: „Man muss mehr planen.“

Tipps vom Gesobau-Experten

Die dritte und für junge Menschen wohl teuerste Möglichkeit ist das Leben in einer eigenen Wohnung. Doch einige Gesellschaften bieten auch günstige und gut geschnittene Wohnungen für Ein-Personen-Haushalte an. Die Gesobau AG etwa ist ein städtisches Wohnungsunternehmen und konzentriert sich auf den Norden Berlins. Zurzeit befinden sich rund 37.000 Wohnungen im Bestand der Gesobau, die meisten sind im Märkischen Viertel.

Im Interview berichtet Mandy Frick, Leiterin der Vermietung der Gesobau-Tochtergesellschaft „aktiva“, dass das Unternehmen in diesem Jahr mehr Wohnraum für Studenten zur Verfügung stellen wolle. Die durchschnittliche Kaltmiete bei modernisierten Wohnungen läge zwischen sechs und sieben Euro pro Quadratmeter. „Wir haben herausgearbeitet, dass für Studenten der Mietpreis 350 bis maximal 400 Euro nicht übersteigen sollte“, sagt Mandy Frick. Für Wohnstarter wichtig sei, sich im Vorfeld zu informieren: „Man sollte abklären, was man an Bafög bekommt und auch mit den Eltern über eine mögliche Unterstützung reden.“

Trotzdem braucht das Unternehmen eine Sicherheit. Wird der Mieter finanziell von den Eltern unterstützt, kommt ein Elternteil in den unbefristeten Mietvertrag. Aus Erfahrung weiß die Expertin: „Wenn die Warmmietkosten höher sind als ein Drittel des Nettoeinkommens, kann man sich meistens die Wohnung auf Dauer nicht leisten.“

Die Gesobau AG vermietet auch größere Wohnungen für WGs. Mandy Frick sagt: „Es hat Spaß gemacht, WGs zu vermieten. Besonders im Wedding werden die Studentenwohnungen gut angenommen und sind am meisten gefragt.“ Einen Tipp für Wohnungssuchende hat sie noch: „Neben der Finanzierung sollte man sich auch, wenn möglich, von seinem Bauchgefühl leiten lassen: Gefällt mir die Wohnung auf den ersten Blick?“