Die Klasse 6a der Ellef-Ringnes-Grundschule bearbeitete das Thema Konzentrationslager und Zweiter Weltkrieg. Wir beschäftigten uns am ersten Tag mit Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg, auf denen Juden, Nazis oder der Reichstag zu sehen waren. Danach beschrieben wir, was darauf zu sehen war. Anschließend trugen wir in ein Heft ein, was wir bei der Ansicht dieser Bilder fühlen, denken und empfinden. Zuletzt lernten wir mit einem Arbeitsbogen die Biografie des KZ-Häftlings Herschel Grynszpan kennen. Er war angeblich ein krimineller Jude. Er galt als kriminell, weil er auf einen Botschaftssekretär geschossen hatte. Herschel war verzweifelt, weil die Juden keine Rechte mehr hatten. Er durfte seine Schwester nicht einmal finanziell unterstützen, denn Geldtransfer an Juden war verboten. Nach dem Überfall kam er ins KZ Sachsenhausen.

Zu Beginn haben wir den Sträfling auf unser Plakat gemalt. Er trug längsgestreifte, blau-weiße Häftlingskleidung. Weiterhin zeichneten wir eine KZ-Nummer und ein mit der Spitze nach unten zeigendes Dreieck auf seine Kleidung. Dieses Zeichen sagt aus, dass er ein sogenannter krimineller Jude war. Die KZ-Häftlinge wurden alle mit verschiedenen Zeichen, Farben und Buchstaben markiert, damit sie von den KZ-Wächtern auseinander gehalten werden konnten. Da bei allen Menschen, die im KZ waren, die Haare abrasiert wurden, zeichneten wir den Häftling mit einer Glatze. Zuletzt notierten wir die Lebensdaten von Herschel Grynszpan auf unserem Plakat.

Außerdem besuchte die Klasse 6a das KZ Sachsenhausen, in dem die Häftlinge in der Hitlerzeit inhaftiert wurden. Während einer Führung wurde uns der Grundriss des KZs erklärt. Uns fiel auf, dass dieses sich in der Zeit des Nationalsozialismus enorm vergrößert hat. Wir gingen über die Lagerstraße zum Turm A. Dieser war der Kontrollturm, auf dem die Nazis die Häftlinge kontrolliert haben.

Bei unserer Besichtigung des KZ Sachsenhausen sahen wir teilweise erschreckende Fotos von unterernährten und überarbeiteten Menschen. Von Häftlingen gezeichnete Bilder beschreiben sehr genau das Lagerleben. Jedem Insassen wurde eine Arbeit zugeordnet, die er bis zu 16 Stunden am Tag ausführen musste. Bereits um 4:15 Uhr war Weckzeit und erst spät am Abend durfte man nach einer kärglichen Mahlzeit schlafen gehen. Die Häftlinge lebten in verschiedenen Baracken, je nach dem Grund ihrer Inhaftierung. Eingeteilt waren sie in „Juden, Politische Feinde, Kriegsgefangene, Homosexuelle und Kriminelle“. Ihre längs gestreifte Kleidung war entsprechend gekennzeichnet, sodass jeder Aufseher sofort Bescheid wusste.

Die Klasse arbeitete in fünf Arbeitsgruppen zu den Themen Appellplatz, Schuhprüfstrecke, Leben in den Baracken, Freizeit und Küche. An ihren Stationen bereiteten sie kleine Vorträge vor. Unsere Gruppe guckte sich die Lagerküche an und erfuhr, dass es nie Fleisch gab. Das Essen, das sie bekamen, ist in der heutigen Zeit unvorstellbar: Die Häftlinge erhielten nur wässrige Suppen, die meist verschimmeltes Gemüse enthielten. Dazu bekamen sie eine Scheibe Brot. So waren sie ständig hungrig und bestahlen sich gegenseitig. Wenn dies herauskam, wurden sie bestraft, z. B. mit langem Stehen draußen in der eisigen Kälte.

Rund um den Apellplatz, auf dem die Sträflinge oft stundenlang Strafe stehen mussten oder standen, um gezählt zu werden, gab es eine 145 Meter lange, mit Steinen bedeckte Laufbahn. Hier waren die so genannten Schuhläufer eingesetzt. Pro Tag liefen sie 30 bis 40 Kilometer in neu produzierten Schuhen im Kreis, um diese auf Qualität und Haltbarkeit zu testen. Die Schuhe waren ihnen oft zu klein. Deshalb hatten sie abends immer blutige Füße.

Zum dritten Projekttag lud unsere Klasse Frau L., eine Zeitzeugin aus der Nazizeit ein. Sie erzählte von ihrem Leben, das in Frankreich begann. Wir Schüler hatten viele Fragen, die Frau L. beantwortete.

Ihr Vater war einige Zeit verschollen. Sie verlor im Alter von zwei Jahren auch ihre Mutter, die im französischen Exil lebte. So kam Frau L. in ein Kinderheim für jüdische Kinder. Wenn Nazis das Heim kontrollierten, flohen die Kinder in ein Geheimversteck im Wald.

Schließlich fanden Vater und Tochter wieder zusammen. Auf ihrer Flucht in die Schweiz mussten sie lange Fußmärsche in Kauf nehmen. Teilweise kamen ihnen die Nazis so nah, dass sie sich nur auf dem Bauch robbend vorwärts bewegen konnten. Einige schafften es nicht und starben auf dem Weg. Frau L. überlebte in einem Sammellager in der Schweiz - immer in der Angst, doch noch ausgeliefert zu werden.

Diese drei Tage haben uns eine Seite deutscher Geschichte gezeigt, die sich nie wiederholt werden darf. Wir haben wichtige und wertvolle Lehren aus diesen drei Tagen gezogen für unser Miteinander. Niemand darf wegen seines Aussehens, Glaubens oder Eigenschaften ausgegrenzt werden!

Alan, Anika, Clarissa, Coco, Dennis, Isabelle, Jordan, Joshua, Laura-Madeline, Lisa, Liv-Grete, Louisa, Marie, Marvin, Mira, Nico, Philipp, Salim, Santana, Sarah, Simon, Sören-Ole, Tarja, Tina, Ellef-Ringnes-Grundschule, Heiligensee