Das Petermännchen ist eine seltsame Gestalt. Obwohl eher nachtaktiv, begegnet der in einer Grotte beim Schloss hausende Zwerg dem Schwerin-Besucher: als steinerne Figur, auf Stadtrundfahrt-Bussen oder als Fähre.
Das nach ihm benannte Schiff vom Pfaffenteich erzählt eine typische Geschichte von Schwerin, der vergleichsweise kleinen Stadt mit vergleichsweise großen Ambitionen. In schlechten Zeiten wurde die 1879 eingerichtete Verbindung zwischen den naheliegenden Ufern immer mal abgeschafft – um sobald es besser ging, sofort wieder genutzt zu werden.
Zuletzt stand sie vor reichlich 20 Jahren in Frage. Aber die Einstellung dieser eigentlich uneffektiven Seefahrts-Linie war mit den Schwerinern nicht zu machen. Also schippert der Kahn noch immer über den Pfaffenteich: als Kreuzfahrtschiff mit vier Häfchen.
Gehalten wird, wo Wartende am Anleger stehen oder wenn jemand aussteigen will. Die Runde kostet 2013 noch einen Euro, 2014 schon zwei Euro, aber die Erklärungen vom Fährmann bleiben gratis. Nur Hektik mag der olle Binnen-Seebär nicht.
Vor dem Bauch derer, die zu eilig an Bord streben, lässt er die Kette einfach zu und schaut die Stürmischen ermahnend an. Nachdem ein munteres Touristen-Trüppchen ausgestiegen ist, murmelt er kopfschüttelnd: „Das sind alles keine Mecklenburger.“
Über den Pfaffenteich
Während der zwanzigminütigen Kreuzfahrt auf dem Petermännchen stellen sich dem Passagier zwar nicht die Höhepunkte der Stadt vor, oder er entdeckt sie – wie die Türme des Doms – nur in der Ferne.
Aber immerhin ist Typisches zu sehen: Wasser, Grün und Häuser aus dem 19. Jahrhundert. Das war nämlich jene Zeit, in der die Stadt ihre Wiederkehr als großherzogliche Residenzstadt feierte, in der sie sich ausdehnte, in der das Schloss seine jetzige Gestalt annahm und ganze Straßenzüge prachtvoller Bürgerhäuser aus dem Boden schossen.
Am Südwestufer des Pfaffenteiches strecken sich die Mauern des damals errichteten Arsenals. Ein paar Schritte weiter das Hotel „Niederländischer Hof“, in dem sich auch heute noch gekrönte Häupter betten.
Prunkvollen Neoklassizismus präsentiert das Haus am Ostufer des Pfaffenteiches, wo das Restaurant „Friedrichs“ Sonnenschirme in seinen Garten zum Wasser hin gepflanzt hat. Hier kann man sitzen und versuchen, den Fahrplan des Petermännchens herauszubekommen. Aber da gibt es keinen. Warum auch?
Überschaubarer Stadtkern
Der Weg zur nächsten Schiffstour ist ein Fußweg durch die Altstadt. Planung ist unnötig, man lässt sich einfach treiben. In Schwerin geht das. Der Stadtkern ist überschaubar – und beschaulich.
Ein Hauch von Residenz ist nicht nur durch die noble Architektur geblieben. Er weht auch aus den zahllosen Antiquitätengeschäften und Galerien oder aus dem Café „Prag“, das seine Geschichte, in der sogar ein Hofkonditormeister vorkommt, erzählt. Und über den Platz vor dem einstigen Hoftheater, in dem sich noch immer der Vorhang hebt.
Beim Schlendern gelangt man stets an einen der Seen, die ihre Buchten bis in die City strecken. Zum In-See-Stechen mit der Weißen Flotte sollte man allerdings in der Nähe vom Schloss am Schweriner See ankommen.
Zuvor noch eine Stippvisite beim Petermännchen? Das ist nicht ganz ohne Risiko: jene, die es mit der Treue nicht ganz so genau nehmen, bewirft der Winzling mit Steinchen.
Prachtbau mit goldener Kuppel
Die Geschichte des Schlosses tönt an Bord eines Weiße-Flotte-Dampfers über die Lautsprecher. Neuschwanstein des Ostens wird dieser historistische Prachtbau mit der goldenen Kuppel genannt. 365 Türmchen sollen ihn zieren – angeblich.
Man sitzt also auf dem Oberdeck, leert sein Glas, bewundert das Panorama der Stadt, hört die Erläuterungen und genießt, was Schwerin so einzigartig macht: Immer ist irgendwo ein Ufer, und immer weht von irgendwo eine frische Brise. Die Schiffsreise führt durch Kanäle und über Seen zum beinahe mal wichtig gewesenen Schweriner Hafen und dann zum Ziegelaußensee.
Dort begegnen sich der Dampfer und ein kleines Solarboot. Das gehört zum „Best Western Seehotel Frankenhorst“ und dreht gerade mit Gästen eine abendliche Runde.
Das Hotel ist vom Wasser aus kaum zu sehen, denn es verunziert nicht als großer Klotz die Landschaft, sondern liegt wie ein ausgekippter Baukasten in der grünen Bucht. Deshalb empfiehlt ein Schild den Anreisenden: „Bitte melden Sie sich an der Rezeption, bevor sie Ihr Gepäck ausladen.“
69 Zimmer, maritim oder romantisch
Über 13 Hektar Wiese mit alten Bäumen verteilen sich die gelben Häuser, und keines gleicht dem anderen: Das Haupthaus, die einstige Villa des Schriftstellers Hans Franck, hat sein Wintergarten-Restaurant zum See hin gewandt, so wie ein anderes Gebäude das Schwimmbad.
In deren Rücken ducken sich mehrere einstöckige Häuschen, von denen einige schon früher eine Funktion im Anwesen hatten, als Gärtnerhaus zum Beispiel. Andere wurden in den vergangenen Jahren behutsam dazwischen gebaut.
Und weil die Gebäude so verschieden sind, haben auch alle 69 Zimmer, Suiten und Ferienhäuschen ein anderes Gesicht: Im Kolonialstil oder maritim, romantisch oder sachlich. „Deshalb dauern Buchungs-Telefonate bei uns schon ihre Zeit“, sagt Geschäftsführerin Petra Schmidt, „die Auswahl fällt vielen so schwer.“
Hoteleigener Bootsverleih
Im Schilf fast versteckt haben sich noch eine Seesauna mit Badesteg, eine kleine Marina für Hausboote und der Liegeplatz des hoteleigenen Bootsverleihs. Auch Gäste, die mal schnell von Schwerin herüberkommen, legen hier an.
Auf den Grünflächen zwischen den Kieswegen weiden Esel und Alpakas. Und sogar der Koch – er sammelt in seinem Kräutergärtchen Zutaten fürs Abendessen.
Das Haus ist fast ausgebucht, und doch gibt es kein Gewusel; die Gäste sitzen auf Bänken, huschen badebemantelt von der Wellnessabteilung in den See. Man ist in Schwerin – und doch nicht in Schwerin. Aber man hat vieles, was Schwerin ausmacht.
Nur das Schloss ist weit weg. Und damit auch das Petermännchen. Aber da der Zwerg auch unterirdische Gänge nutzt, weiß man ohnehin nie ganz genau, wo er gerade unterwegs ist.
Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von „Best Western Seehotel Frankenhorst“ und dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit



