Golf-Reisen

In der Türkei ist man total heiß auf Golf

Deutschland wartet auf den Frühling, die Türkische Riviera schwitzt schon. Golfer finden hier unzählige schöne Plätze.

Das Verlangen nach saftig grünen Wiesen wird mit jedem Tag größer. Nach Bewegung an der frischen Luft - endlich ohne Eis, Schnee oder Matsch. Golfer leiden derzeit wie ein Hund, denn es wird noch Wochen dauern, bis heimische Plätze für ihre so heiß geliebte Lifetime-Sportart wieder öffnen werden.

Das Go geben letztlich die Greenkeeper, die Männer, die sich um die Pflege der Plätze kümmern. Eine heilige Instanz!

Man muss derzeit wohl oder übel ins Flugzeug steigen, will man wieder so richtig in Schwung kommen und sich gezielt auf die anstehende Golfsaison vorbereiten. Das Angebot an Golfplätzen, Golfschulen, Golfhotels, Golfreisen allein in Europa ist unüberschaubar groß. Und es gibt ein paar übliche Verdächtige, die noch vor offiziellem Frühlingsbeginn Sonne, blauen Himmel, 15 bis 20 Grad im Schatten und sattgrüne Fairways versprechen. Die Algarve etwa (Portugal) oder die Costa del Sol (die aufgrund der Golfplatzdichte auch als Spaniens Costa del Golf bezeichnet wird). Auch Marokko ist ein tolles Golfziel.

Zwischen Taurus und Riviera

Doch still und leise hat sich auch in der Türkei eine Golfszene entwickelt, die es - betrachtet man das Klima, die Freundlichkeit, das Preis-Leistungs-Verhältnis und Anzahl und Zustand der Plätze - praktisch mit jedem Golfziel in der Welt aufnehmen kann. Wenn man von Golf im Urlaubsland Türkei redet, meint man im Prinzip "nur" die Region rund um Belek, einen rund 30 Autokilometer östlich vom Flughafen Antalya gelegenen Streifen zwischen Taurusgebirge und Türkischer Riviera.

Auch wenn Golfer ohne Mühe den lieben langen Tag auf dem Golfplatz verbringen können und sich noch abends beim Viergängemenü beinahe ausschließlich über den Sport unterhalten, den Tiger Woods weltweit so populär gemacht hat, lohnt es sich, auch mal über den Lochrand hinwegzuschauen: gewaltig aufragende Berge im Hinterland, tosende Wasserfälle wie etwa der Kursunlu, kulturhistorisch bedeutsame Ausgrabungsstätten wie Aspendos mit seinem berühmten Theater oder aufregende Nationalparks wie der Köprülü-Canyon mit der Ruinenstadt Selge laden förmlich dazu ein. In den rund 40 All-inclusive-Anlagen werden bis zu 20 verschiedene Ausflüge angeboten - bei einer Jeepsafari zu alten Dörfern und Stauseen im Hinterland kann man vom geländegängigen Allradgefährt auch auf einen geräumigen Katamaran mit Picknick an Bord wechseln. Und knapp 100 Kilometer entfernt gibt es ein sehr gutes, auch für Familien geeignetes Rafting-Gebiet.

Wer dagegen in Belek bleibt, tut dies nicht wegen dieses Kunstdorfes, das mit seinen Autoverleihern, Souvenirläden, Bars und Restaurants gänzlich auf touristische Bedürfnisse zugeschnitten ist. Sondern der genießt den herrlichen, zwölf Kilometer langen Strand, der jetzt im Frühling noch recht leer ist - kein Wunder bei Wassertemperaturen von 17 Grad. Dann geht man doch lieber golfen.

Noch Mitte der 90er-Jahre war das Golfgeschäft in Belek ein zartes Pflänzchen, das Klubhaus des National Golf Club befand sich bei meinem Besuch vor 15 Jahren noch im Bau, doch es war bereits erkennbar, dass sich hier Großes anbahnen könnte. Denn die Zutaten stimmen. Auch wenn in den - nach Landeskategorie ausgewiesenen - Fünfsternehotels längst nicht alles tiptop abläuft, gravierende Service- und Baumängel leider in vielen Häusern an der Tagesordnung sind: Das milde Klima stimmt auch den Gast milde, und - viel entscheidender - bei den Golfplätzen wird nicht gespart. Wünschte man sich im Hotel den einen oder anderen dienstbaren Geist mehr, um den Aufenthalt vollends genießen zu können, so ist Personal auf den Plätzen ausreichend vorhanden. Mit eingekauftem Know-how werden die insgesamt 14 Plätze fachmännisch gepflegt.

Namen wie Nick Faldo, Colin Montgomerie oder David Feherty haben in der Welt der Golfer einen Klang wie derzeit Lindsay Vonn, Maria Riesch oder Magdalena Neuner für Wintersportinteressierte. Und die genannten Golfprofis, die neben anderen Architekten hier unten ihre Handschrift hinterlassen haben, fanden ideales Gelände für ihre Vorhaben vor: Noch vor hundert Jahren war das gesamte Areal ein Sumpfgebiet, das aber bald von seinen Bewohnern und Bauern mit Gräben und Anpflanzungen von Pinien und Wasser ziehenden Eukalyptusbäumen trockengelegt wurde. Als dann vor rund 15 Jahren die ersten Golfplätze gebaut wurden, fanden die Erbauer erfreuliche Zustände vor: ein bewaldeter Küstengürtel, der über das Schmelzwasser aus den Bergen dennoch nicht unter Wasserknappheit leidet. Und Wasser wird auf Golfplätzen sehr viel benötigt.

Wer sich einmal den Spaß macht und sich auf Luftaufnahmen, wie sie etwa Google Earth bietet, diesen Küstenstreifen ansieht, wird leicht erkennen, wie viele Golf-Grünzungen und helle Sandhindernisse dicht an dicht liegen. Die meisten der Anlagen verfügen über dieselben Grundzutaten von Pinien, Eukalyptusbäumen, echten und künstlichen Wasserhindernissen, "Bunkern", die so manches Mal mit fast weißem Quarzsand gefüllt sind. Und doch hat jeder Platz seinen eigenen Charakter, spielt sich jede Anlage anders.

Bunker mit Eisenbahnschwellen

Ein Platz, er liegt derzeit am östlichsten Rand dieser Golfhochburg, sticht aufgrund seiner Lage, seiner Vegetation und seines Designs heraus: In Denizyaka (etwa 30 Kilometer entfernt von Belek) spielt man in völlig offenem Gelände direkt am Meer auf den "Lykia Links Antalya". Weit und breit keine Bäume, dafür sanft dahinrollende Dünen. Der Wind treibt hier sein eigenes Spiel, und der Golfer übt sich noch mehr in Demut.

Der Amerikaner Perry Dye, einer der renommiertesten Golfarchitekten der Welt, hat auch hier sein Markenzeichen in das Platzdesign eingewoben: 54 der immerhin 98 Sandhindernisse ("Bunker") sind mit rustikalen Eisenbahnschwellen ausgekleidet. So einen Links-Course gibt es sonst am gesamten Mittelmeer kein zweites Mal. Dieser Küstenplatz mit seinen rollenden Fairways inmitten übermannshoher Dünen, mit ausgedehnten "Waste Bunkers" (riesige Sandflächen als zusätzliche Hindernisse) ist ein absolutes Muss für jeden wahren Golffan.

Vier Abschläge sind Standard

Die größte Golfanlage der Region gibt es im Gloria Golf Club, sie bietet zwei 18-Loch-Plätze und einen 9-Loch-Kurs, dazu eine zweistöckige Driving Range und großzügige Übungsmöglichkeiten für das kurze Spiel. Der "Old Course", der "New Course" und der "Verde" (9 Loch) sind bestens gepflegte Golfplätze, manch deutscher Greenkeeper würde sich die Qualität der Abschläge für seine Grüns wünschen! Vier Abschläge sind Standard auf den meisten Golfplätzen, so auch hier. Damit werden die Plätze für Golfer aller Klassen spielbar; und wer einen schlechten Tag hat, rückt einfach einen Abschlag nach vorn, dann sieht der Score doch gleich besser aus.

Der "Old Course" wurde im Oktober 1996 eröffnet, war nach dem "National" der zweite Platz in Belek. 63 Sandbunker, Teiche und Seen, die an sieben Löchern ins Spiel kommen - ein reizvoller Platz. Der "New Course", im Oktober 2005 eröffnet, hat dieselbe Charakteristik, Eukalyptus und Pinien säumen die Fairways, schmeicheln dem Auge und kommen als natürliche Hindernisse immer wieder in Spiel. Der "Verde" ist ein relativ kurzer Platz, mit 5106 Metern von den Herren- und 4588 Metern von den Damenabschlägen ist er auch für Golfnovizen bestens geeignet, hier gibt es auch keine Handicapbegrenzung wie auf den meisten anderen Plätzen, die für Herren ein Handicap 28 und für Damen von 36 erwarten.

Und noch ein Tipp für einen Platz, den man in seiner Türkei-Golfwoche unbedingt einbauen sollte: Der Cornelia Golf Club überrascht mit einem exzellenten Layout von Sir Nick Faldo: 27 Löcher auf höchstem Niveau mit tollen Aussichten und bester Pflege.

Nick Faldo selbst, als Golfprofi gewann der Brite sechs Majors (dreimal US-Masters, dreimal British Open), kommentiert den Platz so: "Das ist ein außergewöhnlich schönes Stück Land, und ich hoffe, Golfer aller Spielklassen werden sich inspirieren lassen und gern an ihn erinnern."

Anreise: Nonstopflüge gibt es ab Tegel und Schönefeld nach Antalya, etwa mit Sun Express, Germanwings, Turkish Airlines oder Condor (Preisbeispiel Condor: ab 98 Euro ab/bis Berlin)

Hotels : Es gibt eine Vielzahl guter Hotels, die meisten in landestypischer Fünf-Sterne-Kategorie. Ein Hotel, das auch den internationalen Vergleich nicht scheuen muss, ist das Kempinski Hotel The Dome (ganz in der Nähe des National GC und Tat Golf Belek International GC); über Airtours gebucht kostet die Nacht im Doppelzimmer ab 114 Euro pro Person inklusive Halbpension. Ein Golfpaket für 4x18 Loch kostet 275 Euro.

Pauschalangebot : Öger Tours hat einen eigenen Türkei-Golfkatalog, eine Woche im Lykia World & Links Golf Resort kostet im Doppelzimmer mit Ultra All Inclusive ab 599 Euro pro Person, inklusive Flug ab/bis Schönefeld und Hoteltransfers. Dazu ein Golfpaket: 3 x Greenfee auf dem Lykia Links Golf Club für 239 Euro (im April).

Die Reise erfolgte mit Unterstützung von Öger Tours.