Dubai

Armani eröffnet trotz Dumpingpreisen Luxushotel

Über mangelnde Auslastung von Hotelzimmern kann Dubai nicht klagen. Das liegt allerdings auch daran, dass im Luxussegment inzwischen große Nachlässe gewährt werden. Der italienische Designer Giorgio Armani lässt sich davon nicht abschrecken – er eröffnet nun im welthöchsten Gebäude sein erstes Hotel.

Eine Auslastung von aktuell 86,2 Prozent in den 4- und 5-Sterne-Hotels Dubais – das klingt so, als habe das Emirat seine finanziellen Probleme überwunden. Zum Vergleich: In Berlin gilt schon eine Quote von 65 Prozent als akzeptabel. Und tatsächlich kann das Scheichtum laut der Zahlen vom Februar 2010 inzwischen wieder deutlich mehr Gäste an den Golf locken als noch ein Jahr zuvor; so lag die Auslastung in der Luxushotellerie im Februar 2009 bei 74,3 Prozent. Allerdings sanken im gleichen Zeitraum auch die Zimmerpreise in diesem gehobenen Segment deutlich, nämlich von durchschnittlich 216,71 auf 186,54 Euro, was einem Minus von 13,9 Prozent entspricht.

Den italienischen Designer Giorgio Armani dürften solche Ergebnisse alarmieren. Die Zimmerpreise seines weltweit ersten Hotels im Burj Chalifa sind zwar noch nicht offiziell. Insider rechnen allerdings mit mindestens 500 Euro für ein Doppelzimmer, und das bereits in der soft-opening-Phase. Carsten Henning, Pressesprecher von Tophotelprojects.com , das eine Datenbank für Hotelprojekte weltweit betreibt, sagt: „Nachdem Armani einen großen Teil der sogenannten Armani Residences, das sind Eigentumswohnungen in den Stockwerken neun bis 16 des Burj Chalifa erfolgreich verkaufen konnte, glaubt er offenbar fest an den Erfolg seines ersten Hotelprojektes. Das erklärt seine optimistische Preiskalkulation. Man muss aber auch zugestehen, dass die edel gestalteten Räumlichkeiten, für die er viele neue Objekte entwarf, allerhöchsten Ansprüchen genügen.“

Als „Manko“ empfindet der Branchenexperte, dass das Hotel in den unteren Etagen (eins bis acht sowie 38 und 39) residieren wird, sei es doch gerade die Weltrekordhöhe von 830 Metern, die das am 4. Januar eröffnete Burj Chalifa so besonders mache. Davon hatten die Besucher allerdings wenig, da die Aussichtsplattform At the Top im 124. Stock kurz nach der Eröffnung wegen technischer Probleme geschlossen werden musste und erst seit kurzem wieder zugänglich ist.

Doch auch aus dem veränderten Besucherprofil in Dubai könnten sich Probleme für Armani ergeben. So sank in den vergangenen Monaten die Zahl der finanziell solventen Geschäftsreisenden, während die Zahl der „Schnäppchenurlauber“ aus Europa überproportional stieg, wie aus dem Hotel Price Index (HPI) von hotels.com hervorgeht. Im HPI werden die von Hotels.com-Kunden tatsächlich pro Hotelzimmer und Nacht gezahlten Preise erfasst. Danach kamen vor allem aus Italien und den skandinavischen Ländern deutlich mehr Besucher an den Golf, was aber nur gelang, weil im Zuge neuer Rabatt- und Werbeaktionen der durchschnittliche Zimmerpreis in Dubai (er berücksichtigt alle Sternekategorien) um 25 Prozent, von 174 auf 130 Euro, sank. Damit liegt die Glitzermetropole nun gleichauf mit Zürich und Boston, während Monte Carlo an die Spitze der weltweit teuersten Städte 2009 stieg und zwar mit einem Durchschnittspreis von 177 Euro pro Nacht und Zimmer.

Entwickelt und betrieben wird der Burj Chalifa mit dem dort residierenden Armani-Hotel von dem in Dubai beheimateten Unternehmen Emaar Properties, das massiv aufs Tempo drückt. Denn nichts ist den arabischen Geschäftsleuten derzeit wichtiger, als mit neuen Prestigeprojekten um Vertrauen bei internationalen Investoren zu werben. Stolz wurde denn auch verkündet, dass bis Ende des Jahres 43 neue Hotels, unter anderem unter den Dachmarken Fairmont, Ritz-Carlton, Marriott, Mövenpick, Kempinski und Banyan Tree, in Dubai eröffnet werden.

Mit ihnen erhöht sich das Zimmerangebot in der Stadt um 18.000 auf dann fast 80.000 Zimmer, was in der Tat ein Erfolg wäre. Ob davon vor allem Unterkünfte für Schnäppchenjäger profitieren oder auch teure Fashion-Hotels auf ihre Kosten kommen – neben Armani soll Ende des Jahres das erste Versace-Hotel in Dubai eröffnen –, zeigen erst die kommenden Monate.