Touristen bleiben aus, Unternehmen drehen jeden Cent zweimal um, kürzen bei Events und Geschäftsreisen, und weil die Auslastung zurückgeht, sinken Übernachtungspreise und Umsatz. Gewinner der Krise sind Ferien- und Budget-Hotels.
Zwar konnte sich der deutsche Hotelmarkt im europaweiten Vergleich noch bis Ende 2008 gut behaupten, doch inzwischen ist das anders. Im Juni verzeichnete das Beherbergungsgewerbe laut Statistischem Bundesamt Umsatzrückgänge von nominal minus 7,4 Prozent (real: minus 9,6 Prozent). Im ersten Halbjahr 2009 sackten die Umsätze in den Hotelbetrieben um 7,1 beziehungsweise 9,4 Prozent ab. Rückläufig war in Deutschland zuletzt vor allem die Nachfrage aus dem Ausland, die in den vergangenen Jahren für hohe Zuwächse sorgte. Das Übernachtungsminus von ausländischen Gästen beziffert Destatis im ersten Halbjahr 2009 auf 8,2 Prozent, insgesamt beträgt der Rückgang nur 3,6 Prozent.
Der Grund sei vor allem die Zurückhaltung im internationalen Geschäfts-, Messe- und Kongressreiseverkehr, heißt es bei GHH Consult. Tagungs- und Kongresshotels bekämen die Krise am deutlichsten zu spüren - vor allem in Städten, denen die "euphorische Markteinschätzung" der Vergangenheit zusätzliche Hotelbetten bescherte.
Überkapazitäten gibt es an Spree und Isar. Wegen rückläufiger Zimmerpreise werde der Umsatz der Hauptstadt-Hotels 2009 um voraussichtlich zehn bis 20 Prozent sinken, prognostiziert der Hotel- und Gaststättenverband. Berlin habe gerade im Fünf-Sterne-Bereich zu viele Häuser, und weitere sind im Bau: "Bis Ende 2011 soll sich die Zahl der Betten um 13.000 auf 120.000 erhöhen", sagt Burkhard Kieker, Chef der Berliner Tourismus Marketing Gesellschaft (BTM). Allerdings steigt die Besucherzahl bei weitem nicht so stark wie die Bettenzahl.
2008 wurden in den Berliner Hotels und Pensionen knapp 17,8 Mio. Übernachtungen gezählt. Bis Jahresende 2010 geht die Marketinggesellschaft von 200.000 zusätzlichen Übernachtungen aus. Notwendig wären jedoch 2,1 Millionen, meinen Berliner Hoteliers. Höhere Gästezahlen verspricht sich die Branche durch den Flughafen Berlin-Brandenburg International, der im November 2011 eröffnet werden soll.
In München gibt es Planungen für rund 30 neue Hotels. Werden alle gebaut, entstehen etwa 5600 neue Zimmer. Langfristig seien die Rahmenbedingungen der Metropole zwar positiv, doch hätten sich im ersten Halbjahr einige Vorteile ins Negative umgekehrt, heißt es bei PKF Hotelexperts. Aktuell leide der Münchner Hotelmarkt besonders darunter, dass viele ausländische Gäste ausbleiben.
Die durchschnittliche Zimmerbelegung der Münchner Hotels lag in den ersten sechs Monaten 2009 bei 61,7 Prozent und damit 6,3 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau. Der durchschnittlich erzielte Netto-Zimmerpreis betrug im ersten Halbjahr 96,18 Euro, 2,3 Prozent weniger als im Vorjahresvergleichszeitraum. Vor allem im zweiten Quartal brachen die Preise ein. In Städten wie Köln oder Leipzig mit "weitgehend stagnierenden Angebotsmärkten" dagegen wurden die Zimmerraten laut GHH Consult sogar leicht angehoben.
Mit Blick auf die umfangreiche Projektpipeline - laut BulwienGesa sollen in Deutschland bis 2013 rund 40 000 neue Zimmer entstehen - stellt sich die Frage, ob nicht noch härtere Zeiten auf die Branche zukommen. "Der Hotelbauboom ist noch lange nicht am Limit", sagt Carsten Hennig von der CHD Experts GmbH. Demnach sind in Deutschland aktuell 353 neue Hotels projektiert, bis 2013 sollen 42 Fünf-Sterne-Hotels eröffnet werden. Damit würde die Zahl der Luxushotels um rund 20 Prozent steigen. Zudem sind 176 Vier-Sterne-Hotels (plus sechs Prozent) und 87 Drei-Sterne-Hotels (plus ein Prozent) geplant. "Der hohe Zuwachs im Luxussegment weist auf einen stärkeren Verdrängungswettbewerb hin", sagt Hennig, gibt aber zu bedenken, dass sich die konjunkturelle Lage bis zur Fertigstellung der Projekte wohl verbessern werde.
Zunächst stehen die Zeichen aber eher für andere Segmente günstig. "Gegenwärtig sind Langzeitwohnungsangebote und Boutiquehotels im Trend", sagt Christoph Bürkel von Ernst & Young Real Estate: "Viele Betreiber prüfen sogar, ob sie ihr Angebot an Standorten, an denen sie bereits vertreten sind, durch ein weiteres Hotel ausbauen können." Auch die Ferienhotellerie zählt zu den Gewinnern der Krise: Laut statistischem Bundesamt ist die Zahl der Übernachtungen deutscher Gäste im Inland im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat um fünf Prozent auf insgesamt 31,2 Millionen gestiegen.





