Easyjet-Gründer Stelios Haji-Ioannou ist auf das Management seiner Fluglinie seit Langem nicht gut zu sprechen. Schon vor mehr als einem Jahr kritisierte er den zu großen Expansionsdrang seines Vorstands. Mehrere Manager warfen daraufhin genervt das Handtuch. Nun jedoch trat Haji-Ioannou selbst aus dem Vorstand zurück.

Nichts Geringeres als eine Revolte plan der Zypriot, dem mit seinen Geschwistern noch immer 38 Prozent der Fluggesellschaft gehören. Haji-Ioannou fordert eine außerordentliche Hauptversammlung, auf der über die Expansionspläne abgestimmt werden soll. Seiner Aussage nach habe er viele andere Aktionäre auf seiner Seite.

Weitet sich der Streit aus, könnte die Fluglinie sogar ihren Markennamen „Easy“ verlieren. Easyjet sei auf diesen Ernstfall vorbereitet, zitiert die „Times“ ein Vorstandsmitglied des Konzerns. „Wir wollen den „Easy“-Namen nicht abgeben, aber wenn du eine Flut erwartest, baust du einen Damm auf“, zitiert die Zeitung den Manager, der seinen Namen offenbar nicht veröffentlicht sehen wollte.

Ob es Haji-Ioannou wirklich so weit kommen lassen würde, ist jedoch fraglich. Schließlich würde die Marke beschädigt, wenn die Fluglinie umbenannt werden müsste – was zusätzlich auch den Börsenwert schmälert. Haji-Ioannous Ziel ist klar: Endlich mehr Geld mit der 1995 gegründeten Gesellschaft verdienen. Der jetzige Easyjet-Chef Andy Harrison habe zu viel Geld in neue Flugzeuge und eine größere Flotte investiert. Das sei der Grund, warum sich der Aktienkurs in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert, im Börsenjargon: seitwärts bewegt habe. „Wie kann man 200 Flugzeuge mit dem Geld der Aktionäre kaufen und damit keinerlei Wert für sie schaffen?“ fragte Haji-Ioannou erbost.

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung will der Minderheitseigentümer daher den Vorstand darauf drängen, die geplante Bestellung von weiteren 59 Flugzeugen noch einmal zu überdenken. Der Vertrag im Wert von zwei Milliarden Pfund (2,34 Milliarden Euro) ist jedoch schon abgeschlossen und müsste neu verhandelt werden.

Easyjet-Chef Harrison ist laut Haji-Ioannou „überschätzt“. Das dürfte Harrison mittlerweile fast egal sein. Der Manager kündigte bereits Anfang des Jahres seinen Rücktritt an. Im Juni nun wird Carolyn McCall, bisher Geschäftsführerin des Verlags Guardian Media Group, den Chefposten bei Easyjet übernehmen. Einen ungünstigeren Start kann man sich für die 48-Jährige kaum vorstellen.