USA

Verweigerer von Körperscannern fliegen nicht mit

In den USA gibt es Aufruhr wegen scharfer Kontrollen vor Flugreisen. Auch religiöse Überzeugung bewahrt nicht vor Körperscannern.

Flugpassagiere in den USA können Kontrollen mit Körperscannern oder manuelles Abtasten durch Sicherheitspersonal nicht aus religiösen Gründen verweigern. Das hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde (TSA) klargestellt. Wer die Prozedur verweigert, wird nicht an Bord gelassen, betonte TSA-Chef John Pistole jetzt vor dem Ausschuss für Heimatschutz des US-Senats.

Bürgerrechtsorganisationen machen geltend, die intensiven Kontrollen verstießen gegen Rechte, darunter das Recht auf freie Religionsausübung und das Recht auf Privatsphäre. Pistole hält die verschärften Bestimmungen dagegen schlicht für notwendig.

Hintergrund der Klarstellung ist der wachsende Widerstand vieler Amerikaner gegen die als übertrieben empfundenen Sicherheitskontrollen vor Flugreisen. Das Thema hat in den letzten Tagen an Dynamik gewonnen: Aktueller Anlass ist der Wutausbruch eines Passagiers, der sich einem Körperscan und einer Abtastung widersetzt hat. Mit seinen an einen Sicherheitsbeamten gerichteten Worten „Wenn Sie mich angrapschen, lasse ich Sie verhaften“ ist er binnen kurzer Zeit zur Berühmtheit im Internet geworden.

Boykottaufruf für verkehrsreichsten Tag des Jahres

Schon läuft im Netz eine Körperscan-Boykott-Kampagne für den 25. November, den Tag vor Thanksgiving. Da an diesem Familienfest viele Amerikaner zu ihren Verwandten heimfliegen, ist das einer der verkehrsreichsten Tage im Jahr.

John Tyners Online-Bericht über den Vorfall, der sich am vergangenen Samstag am Flughafen von San Diego abspielte, hat ein riesiges Echo ausgelöst. Schon gibt es T-Shirts, Autoaufkleber, Kappen und sogar Unterwäsche mit dem Aufdruck „Grapsch mich nicht an“ („Dont' Touch My Junk“).

„Ich habe nichts Heldenhaftes getan“, erklärt der 31-Jährige, der nach dem verweigerten Körperscan nicht seine Leistengegend abtasten lassen wollte. Den ganzen Vorfall filmte er mit seinem Handy und stellte die Aufnahme später ins Internet. Wegen seiner Weigerung wurde er schließlich aus dem Flughafen geworfen, nachdem man ihm zuvor noch eine Geldbuße und ein Prozess angedroht hatte. Er trete nicht dafür ein, dass andere Leute seinem Beispiel folgten, da es sich viele Passagiere schon aus finanziellen Gründen gar nicht leisten könnten, eine teure Flugreise aufs Spiel zu setzen, sagt Tyner.

"Ziviler Ungehorsam"

"Die Leute sollten aber ihrem Gewissen folgen“, empfiehlt der Programmierer aus Kalifornien. „Wenn man aber glaubt, dass ziviler Ungehorsam funktioniert, dann sollte man es meiner Meinung auch tun.“

Der Vorfall hat der Internet-Kampagne für einen „Nationalen Aussteiger-Tag“ in Sachen Passagierkontrollen am kommenden Mittwoch einen gewaltigen Auftrieb gegeben, wie Brian Sodergren aus Virginia berichtet, der vor rund einer Woche eine entsprechende Seite ins Netz gestellt hat. „Das Thema hat mehr Fahrt bekommen, als ich mir jemals hätte träumen lassen“, sagt der 33-Jährige. Zu einem Boykott von Scannern und Abtasten will Sodergren nicht direkt aufrufen. „Die angemessene Reaktion besteht nicht darin, wegzulaufen und sich Strafen auszusetzen. Angemessen ist es, seinen Volksvertretern zu schreiben und das Gesetz ändern zu lassen.“

In den USA sind etwa 300 Körperscanner an 60 Flughäfen im Einsatz. Bis zum Ende dieses Jahres sollen es, so hofft die Verkehrssicherheitsbehörde, bis zu 500 sein.

Nicht alle Passagiere in den USA werden zu einem Körperscan herangezogen, bei dem nie die Gesichter gezeigt werden und die Identität der untersuchten Person dem jeweiligen Sicherheitsbeamten nicht bekannt sein soll. Wer sich aber weigert, sich durchleuchten zu lassen, der muss sich gemäß TSA-Vorschrift abtasten lassen – auch an Schenkeln und Po. „Es geht allein um die Sicherheit“, betont die Ministerin für Heimatschutz, Janet Napolitano. „Es geht darum, dass jeder seine Rolle anerkennt.“

"Es geht um Leben oder Tod"

Befürworter der verschärften Sicherheitskontrollen an US-Flughäfen verweisen darauf, dass Flugreisende in anderen Ländern wie beispielsweise Israel noch viel schärfer kontrolliert werden. „Die Amerikaner haben noch gar keine wirklich großen Opfer für ihre Sicherheit bringen müssen“, erklärt der Luftfahrtexperte Joseph Schwieterman von der DePaul-Universität in Chicago. Abtasten und Scannen seien nun wirklich nicht sonderlich aufdringlich. „Und selbst dagegen gibt es Widerstand – wegen 15 peinlicher Sekunden.“

Für die Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Flugsicherheit tritt Shama Chopra ein. Die 55-Jährige aus Montreal saß im vergangenen Jahr an Weihnachten in der Maschine von Amstrerdam nach Detroit, die ein islamischer Extremist aus Nigeria mit einem in der Unterwäsche geschmuggelten Sprengsatz in die Luft jagen wollte. Der Anschlag wurde aber vereitelt. Chopra hat zum Thema Sicherheit eine feste Meinung: „Die Leute sollten sich nicht so viel Sorgen über ihre Privatsphäre machen, denn hier geht es um Leben oder Tod!“