Kurztrip

Verzichten Sie in Barcelona auf Ihren Schlaf!

Im Wettlauf der Weltmetropolen bleibt Barcelona auf der Überholspur. Wer nichts verpassen will, braucht Durchhaltevermögen.

Küchenchefs, Modedesigner und Clubbetreiber – sie alle tragen dazu bei, dass Barcelona im Wettlauf der Weltmetropolen auf der Überholspur bleibt. Wer als Besucher nichts verpassen will, muss Durchhaltevermögen beweisen. Die katalanische Stadt lohnt sich bei Tag und bei Nacht. Unsere Wochenend-Tipps.

Freitag

17 Uhr: Nach der Siesta gehen in den Geschäften des Barri Gòtic, des gotischen Viertels, die Rollläden hoch. Vor Jahrzehnten besuchte Picasso in den mittelalterlichen Gassen noch zwielichtige Etablissements. Vernascht werden heute eher leckeres Oliveneis sowie Bonbons frisch aus der Showküche und noch warm, zum Beispiel bei "Belgious" (C/ d'Avinyó 50) oder "Papabubble" (C/ Ample 28). Neben jungen Boutiquen behaupten sich im Barri Gòtic noch viele alteingesessene Läden, die seit Generationen Kräuter, Porzellanpuppen, Baskenmützen, katalanischen Schinken oder Käse anbieten - vor allem auf der Carrer d'Avinyó und der Carrer dels Banys Nous. Eine Märchenwelt für sich: der Vintage-Shop "Heritage" (C/ Banys Nous 14). Besitzer Edgardo Medina verkauft hier Seidenstoffe aus dem 19. Jahrhundert sowie Kleider aus den 50er- bis 70er-Jahren von Pucci, Yves Saint Laurent & Co.

21 Uhr: Auch wenn nach dem Shopping die Füße wehtun und der Magen knurrt: Ein kurzes Anstehen lohnt sich vor dem "Tapaç24". Die Barhocker und Tische sind eigentlich immer bis auf den letzten Platz besetzt. Die Köche schieben im Akkord köstliche Tapas über die Theke - Mini-Burger mit Gänseleberfrikadelle, frittierte Sardinen, Schokomousse-Kügelchen mit hauchdünnem Toast, Meersalz und Olivenöl. Geschmacksexplosionen, die abgelöscht werden müssen.

23 Uhr: Zum Beispiel mit einem Watermelon Martini in der Bar des "W-Hotels". Im November eröffnet, ist das "Eclipse" schon jetzt ein Hotspot zum Sehen, Gesehenwerden - und Rausgucken! Im 26. Stock wandert der Blick ungestört über die Skyline, ungefähr bis zwei Uhr: Dann tanzen die ersten Gäste vor den Panoramafenstern.


Samstag

10 Uhr: Der Morgenspaziergang auf der Prachtstraße Passeig de Gràcia beginnt mit einem Aha-Erlebnis: Großer Imponierdrang bringt große Architektur hervor - wie die Jugendstilhäuser, die sich in der Umgebung des Boulevards gegenseitig übertrumpfen. Wohlhabende Industrielle gaben hier zwischen 1880 und 1910 zahlreiche Prestigebauten in Auftrag und tauften sie mit ihrem Familiennamen. Wie das Casa Calvet, seit 1994 ein Restaurant, in dem noch heute die hölzernen Bürokabinen des gleichnamigen Textilunternehmers zu sehen sind (Casp 48). Ein paar Häuserblocks weiter ließ sich der Textilfabrikant Josep Batlló von Antoni Gaudí ein Denkmal in Form eines Wohngebäudes errichten (Passeig de Gràcia 43). Die Fassade ist von einer reichen Farbigkeit, die geschwungenen Säulen und Balkone wirken wie Schädelknochen und Gebeine - ein Paradebeispiel der revolutionären modernistischen Architektur, die Barcelona damals prägte. Ähnlich berühmt: Gaudís Casa Mila (genannt: "La Perdrera"), dessen gewellte Fassade an ein versteinertes, sanft wogendes Meer erinnert (Carrer de Provença 261-265). Unbedingt die Dachterrasse erklimmen, die Spaniens berühmtester Architekt als mosaikverzierten Skulpturengarten inszenierte!

12 Uhr: Zu Fuß geht es auf der Promenade Las Ramblas weiter, vorbei an Pantomimen und Akrobaten, um die sich staunende Kinder drängen. Einige der Kleinen naschen an kandierten Früchten aus den Boqueria-Markthallen. Hier präsentieren über 200 Stände die feinsten Delikatessen - Manchego-Käse in allen Reifegraden, frisch gepflückte Orangen, getrockneter Thunfisch. Abgesehen von manchen Suppenzutaten (Lammköpfe, Rinderfüße) sieht alles sehr appetitlich aus. Ganz entspannt lässt sich das Marktgewimmel in den Bistros "El Cochinello Loco" oder "Petit" beobachten - zum Beispiel bei einem Teller Schwertmuscheln (Navajas) mit viel Knoblauch.

15 Uhr: Siesta! Ideal für einen Besuch im Picasso-Museum (Carrer de Montcada 15-23). In fünf gotischen Stadthäusern sind hier die wichtigsten Werke aus der Frühphase des Künstlers ausgestellt, der einen Großteil seiner Jugend in Barcelona verbrachte. Auf naturalistische Landschaftsgemälde und Stillleben folgen die düsteren Porträts der blauen Phase und die Harlekin-Gemälde der rosa Periode - bis die Formen geometrischer werden. Kaum ein anderes Museum dokumentiert so anschaulich Picassos kubistische Anfänge.

17 Uhr: In der Nähe, rund um die Kirche Santa Maria Del Mar, befinden sich die wichtigsten Shops katalanischer Mode-Labels (die nicht nur für Frauen schneidern). Die Erkundungstour beginnt mit psychedelischen Flatterkleidern und lässigen Männerhemden bei Custo Barcelona (Plaça de les Olles 7). Weiter geht's mit Wohlfühl-Outfits aus weichen Baumstollstoffen von Lurdes Bergada (Plaça Santa Maria 2) und knallbunter Streetwear von Desigual (Carrer de L'Argenteria 65). Wer bei El Delgado Buil klingelt, findet im Showroom grob gemusterte Strickpullover und flauschige Flokati-Blousons. Und für den Sommer: Hosen und Minis mit mehrstufigen Volants - so urspanisch wie ein Flamenco-Rock (Lledó 4-6).

20 Uhr: Der Shopping-Rausch verlangt nach einem ruhigen Abendspaziergang in Barceloneta. Das ehemalige Fischerviertel hat noch Dorfcharakter. Kinder spielen auf den Plätzen, weißhaarige Männer mit Hosenträgern sitzen bei Schinken und Oliven in den Cervecerias. Gut versteckt in der obersten Etage der Markthalle: das Restaurant "Llucanes". Sternekoch Angel Pascual zelebriert hier die katalanische Küche in einem ansprechenden Loft-Ambiente. Wer die Gänseleberpastete mit Rumschaum und hausgemachter Birnenmarmelade probiert, verfällt sofort in seliges Schweigen. Die aktuellen Kreationen sind mit Trüffeln verfeinert. Allein zwischen Dezember und März muss der restauranteigene Pilzsucher davon 45 Kilogramm beschaffen.

24 Uhr: Müde? Besser gar nicht dran denken! Im Ausgehviertel Raval schiebt sich nämlich jetzt das Partypublikum durch die Gassen. Kneipen wie "Ambar", "68" und "Plastico" präsentieren sich mit 70er-Jahre-Tapeten und Benzinkanisterlampen ziemlich verrockt. Ganz anders als die Glitzerclubs am Strand wie "Opium" oder "CDLC", wo statt Bier eher dem prickelnden Cava zugesprochen wird. Ausgelassenheit herrscht überall. In den studentischen Bars von Raval staunt man besonders, wie viele Menschen auf winzigen Schankflächen tanzen können.

Sonntag

10 Uhr: Mit der U-Bahn geht es zum Wahrzeichen Barcelonas, der Kirche Sagrada Familia (um dem Touristenansturm später am Tag zu entgehen). Das Gotteshaus ist das einzige in der Stadt, in dem geraucht wird: Stuckateure, Steinmetze und Maurer, die an der Basilika arbeiten, zünden sich ab und zu eine Zigarette an. Seit ihrer Grundsteinlegung 1882 wird an der Sagrada gebaut. Die Hälfte ist inzwischen fertig, erst 2026 soll die Jahrhundertkirche vollendet sein - zum 100. Todestag ihres Schöpfers Antoni Gaudí. Auch wenn über der Krypta glühende Eisenspäne der Schweißbrenner herunterregnen: Der Besuch ist unvergesslich. Wie riesige Schilfrohre streben die Säulen im Hauptschiff nach oben, um sich in steinerne Halme zu verzweigen, die in die wabenförmige Decke übergehen. Das angeschlossene Museum veranschaulicht gut, wie Gaudí sich von pflanzlichen Formen zu dieser architektonischen Großtat inspirieren ließ.

14 Uhr: Der Abschied von Barcelona fällt in einem Strandrestaurant mit Blick auf das Meer nicht gerade leicht, macht aber Lust auf einen Folgetrip zur Badesaison. Im "Can Majó" lassen sich auf der Terrasse bei einem dampfend heißen Fischeintopf (Zarzuela) die hüpfenden Kite-Surfer beobachten (Carrer de l'Almirall Aixada 23). Während des anschließenden Spaziergangs am Strand entlang weht einem die salzige Gischt ins Gesicht - eine willkommene Erfrischung vor dem Rückflug.