Kennen Sie die faszinierenden Gestalten des Pflanzenreiches wie zum Beispiel Schwiegermuttersessel, Schraubenbaum, Taschentuchbaum und Baumfarne?“ So wirbt der Frankfurter Palmengarten. Kennen Sie nicht? Wollen Sie auch nicht unbedingt kennenlernen? Macht nichts. Es gibt bessere Gründe, einen dieser kalten Tage im Palmengarten oder Tropenhaus zu verbringen – und sei es, um sich aufzuwärmen und mal auf andere Gedanken zu kommen. Regenwaldgedanken.
Engländer und Franzosen hatten vor rund 150 Jahren die Idee, exotische Pflanzen vornehmlich aus ihren Kolonien daheim zu kultivieren. Das aufkommende Gusseisen-Zeitalter ermöglichte kühne Hallenkonstruktionen. Sogenannte Palmenhäuser gerieten in Mode: Der „Jardin des Serres“ in Paris, „The Great Conservatory“, das „Palm House“ und der „Crystal Palace“ von Paxton in England sind berühmte Beispiele. Wien zog 1882 mit dem Schönbrunner „Palmenhaus“ nach, und in Berlin entstand von 1905 bis 1907 das „Große Tropenhaus“ des Botanischen Gartens – alles im Dienst der Wissenschaft – und (oft mit allerlei Getier belebt) auch der Volksbelustigung. Eine Dschungelsafari quer durch Deutschland:
Der Frankfurter Palmengarten
1869 schuf der Gartenbauarchitekt Heinrich Siesmayer einen Landschaftspark für die Bürger der Stadt. Herzstück der Frankfurter Anlage war das „Palmenhaus“, das zu den größten Konstruktionen dieser Art in Europa gehörte. Mit unterschiedlichsten Themengärten und Gewächshäusern, Blumen- und Informationsausstellungen sowie umfangreichen Kulturprogrammen hat es bis heute einen festen Platz im Frankfurter Kultur- und Gesellschaftsleben – und ist ein angesagter Treffpunkt nicht nur im Winter.
Öffnungszeiten: Februar bis Oktober von 9 bis 18 Uhr, November bis Januar von 9 bis 16 Uhr.
Eintrittspreise: Erwachsene fünf Euro, Kinder zwei Euro.
Auskunft:
www.palmengarten-frankfurt.de
Die Stuttgarter Wilhelma
In der Tradition herrschaftlicher Schlösser, Gärten und Parks von Wilhelm I., König von Württemberg, nach dem Vorbild der Alhambra als privater Lustgarten erbaut, bietet die Wilhelma heute, wiederholt auf-, aus- und umgebaut, auf etwa 30 Hektar ein malerisches Ensemble aus reich verzierten Gewächshäusern, einigen Bauten im maurischen Stil, kostbarer Gartenarchitektur, Wasserspielen – und dem mit 8900 Tieren zweitartenreichsten Zoo Deutschlands. Dazu präsentiert die Wilhelma 5800 Pflanzenarten aus allen Klimazonen, am spektakulärsten im anno 2000 eingeweihten „Amazonienhaus“. Besonders sehens- und erlebenswert sind dort die verschiedenen Wasserläufe, darunter zwei größere Gewässer mit Wasserfällen, von denen eines als Gehege für Reptilien und Amphibien fungiert. Eine „Ziervernebelung“ mittels einer Hochdrucknebelanlage garantiert echtes Regenwaldfeeling.
Öffnungszeiten: Von 8.15 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit.
Eintrittspreise im Winter: Erwachsene acht Euro, Kinder vier Euro.
Auskunft:
www.wilhelma.de
Dresdens Botanischer Garten
Der Botanische Garten der Technischen Universität liegt im Großen Garten, der größten und schönsten Parkanlage Dresdens mit Freilichtbühnen und Theatern, einer Parkeisenbahn und seit 2001 der Gläsernen VW-Manufaktur, einer populären Neu-Dresdner Sehenswürdigkeit. Der Große Garten geht zurück auf einen 1676 von Kurfürst Johann Georg II. angelegten Lustgarten. In der Parkmitte befindet sich der Gartenpalais mit dem Palastteich und den Kavaliershäusern, den „frühesten Barockbau Sachsens“.
Drei Schaugewächshäuser geben einen Einblick in die Flora der Tropen und Subtropen. Das „Große Tropenhaus“ beherbergt im hinteren Bereich Pflanzenarten aus den Regenwäldern Amerikas. Einmalig: Die berühmte Victoria regia mit bis zu zwei Meter großen Schwimmblättern im „Victoria-Haus“.
Öffnungszeiten: Januar und Dezember 10 bis 15.30 Uhr, Februar und November 10 bis 16.00 Uhr.
Eintritt frei.
Auskunft:
www.tu-dresden.de/bot-garten
Das Chemnitzer Tropenhaus
Überspannt von Glas, von Licht durchflutet und von künstlichen Felsen begrenzt, wachsen in einer Halle von 800 Quadratmetern und acht Metern Höhe Palmen und Agaven, Bananen und Bambus und andere 1000 Pflanzen, wo vor einigen Jahren noch die Arbeiter des „Diamant“-Fahrradwerkes zu Mittag aßen.
Bänke und Ruhezonen, frei fliegende Vögel, Klammeraffen und Zwergflusspferde, Wasserschweine und Brauenkaimane, alle ohne störende Gitter oder distanzierende Gräben, sorgen für Safarigefühl im Tierpark Chemnitz, der so wirbt: „Ein sanfter Windhauch bewegt die Blätter der großen Bananenstaude, große Tropfen perlen über das saftige Grün und zerstäuben am Boden. Fern unterbricht das Grollen eines großen Raubtiers das allgegenwärtige Vogelgezwitscher, bevor die melodischen Rufe der Affenfamilie Entwarnung geben.“
Öffnungszeiten: November bis Februar 9 bis 16 Uhr.
Eintrittspreise: Erwachsene vier Euro, Kinder 2,50 Euro.
Auskunft:
www.tierpark-chemnitz.de
Botanischer Garten Berlin-Dahlem
Es ist eines der markantesten Baudenkmäler Berlins und mit 60 Meter Länge und 25 Meter Höhe eines der imposantesten freitragenden Gewächshäuser der Welt überhaupt: das Große Tropenhaus in Berlin-Dahlem, 1905 bis 1907 nach Plänen des Königlichen Baurates Alfred Koerner erbaut. Leider ist es wegen Renovierung geschlossen. Gerade wurde das Außengerüst und die verhüllende Plane komplett abgebaut.
Im Frühjahr 2009 werden die tropischen Pflanzen zurückkehren. Und im September wird das Tropenhaus wieder eröffnet. Ein Besuch lohnt sich trotzdem: Denn die 13 übrigen, kaum minder stattlichen Gewächshäuser im Botanischen Garten Berlin sind nach wie vor geöffnet: für Kamelien und tropische Gewürzpflanzen, Orchideen, Begonien und Mangroven. Besonders empfehlenswert: das Farnhaus und die drei Kakteenhäuser.
Öffnungszeiten: Dezember und Januar von 9 bis 16 Uhr, im Februar bis 17 Uhr, im März bis 18 Uhr.
Eintrittspreise: Erwachsene fünf Euro, Kinder 2,50 Euro.
Auskunft:
www.botanischer-garten-berlin.de




