Reiseärger

Worüber sich Deutsche im Urlaub so beklagen

Zu viel Sand am Meer, zu viele Wellen im Wasser oder zu wenig Essen auf dem Teller: Die Deutschen sind nicht nur Reiseweltmeister, sondern liegen auch bei den Beschwerden ganz weit vorn. Welche Klagen diesen Sommer bereits die Gerichte beschäftigt haben, ist ziemlich unglaublich.

Noch ist die Urlaubshochsaison in vollem Gange, doch deutsche Gerichte mussten sich auch in diesem Sommer wieder mit vielen Klagen enttäuschter Reisender befassen.

Flug verschlafen

Dreist war etwa der Versuch eines Mannes, vor dem Amtsgericht München aus seinem Rausch noch Kapital zu schlagen. Auf einer organisierten Gruppenreise in den Fernen Osten musste er sieben Stunden auf dem Flughafen von Dubai totschlagen. Der Kläger vertrieb sich die Wartezeit an der Flughafenbar und schlief dann in der Wartehalle ein. Als es Zeit wurde, weckte ihn die Reiseleiterin und machte ihn auf den Start des Check-in aufmerksam. Doch er schlief erneut ein und verpasste den Flug. Für die Umbuchung auf einen späteren Flieger stellte ihm der Reiseveranstalter 281 Euro Zusatzkosten in Rechnung. Der Mann verklagte im Gegenzug das Unternehmen auf 1000 Euro Schadenersatz, da die Reiseleiterin nicht die Anwesenheit am Gate kontrolliert hatte. Doch für die Verspätung war allein er verantwortlich, urteilten die Richter.

Wind und Wellen auf den Seychellen

Dass es auf den Seychellen zwar weder Tropenstürme noch giftige Tiere, aber dafür Wellen gibt, wollte ein Familienvater aus Wiesbaden nicht einsehen. Da wegen des heftigen Windes seine Kinder während der zwei Wochen Urlaub kaum Baden oder Schnorcheln konnten, klagte der Mann. Ein Viertel des Reisepreises von 27.000 Euro wollte er erstattet haben. Zwar kann nach der gängigen Rechtsprechung für schlechtes Wetter niemand verantwortlich gemacht werden, doch der Vater will eine gerichtliche Entscheidung erzwingen. Der Prozess in Hannover läuft noch.

Hotel war ein Altersheim

Eigentlich nichts zu meckern hatten die Teilnehmer einer Seniorenreise nach Brasilien: In ihrem Hotel gab es keinen Grund zur Klage – nur dass die Unterkunft kein Hotel mehr war. Das Viersternehaus war kurz vor der Reise in ein Altersheim umgewandelt worden. Die Senioren klagten daher wegen Betrugs. Schließlich kam es aber zu einer gütlichen Einigung über je 500 Euro Entschädigung.

Ausgerutscht

10.000 Euro forderte eine Klägerin, weil sie im Urlaubsflug auf einer Plastikfolie ausgerutscht war. Die Richter befanden allerdings, herumliegender Müll sei „keine typische, dem Luftverkehr eigene Gefahr“, und wiesen die Klage ab.

Die meisten Klagen im Urlaub werden gar nicht mehr verhandelt. Baulärm, der fehlende Strandzugang und zu kleine Zimmer sind schon lange geregelt, Schadenersatzansprüche in Urteilssammlungen wie etwa der Frankfurter Tabelle enthalten. Daher landen nur noch die Skurrilitäten vor Gericht. Besonders skurril gehr es in Liebesdingen zu.

Amors Pfeil ist stumm

Etwa im Fall einer Urlauberin. Weil sie im Vorjahr eine Affäre mit einem Hotelanimateur verlebt hatte, buchte sie wieder das gleiche Hotel – wohl in Erwartung einer Wiederholung. Doch der Animateur vergnügte sich diesmal lieber mit einer anderen Urlauberin. Die enttäuschte Klägerin wollte daher den Reisepreis zurück – erfolglos.

Etwas zu romantisch wurde es dagegen einem Deutschen auf einer Las-Vegas-Reise. Dort heiratete er spontan seine Freundin. Er hatte aber nicht damit gerechnet, dass diese Ehe auch in Deutschland anerkannt wird. Schmerzensgeld für diese unfreiwillige Vermählung gab es vom Reiseveranstalter aber dennoch nicht.

Wenn es in der Ehe kracht

Auch für gestandene Ehepaare wird der Urlaub oft zum Beziehungstest. Weil ihr Ehemann so laut schnarchte, warf ihn seine Frau aus dem gemeinsamen Doppelzimmer. Der Geschasste musste sich ein Einzelzimmer nehmen und wollte dafür die Kosten zurück. Doch auch für Ehekrach kommt ein Reiseveranstalter nicht auf.

Gebiss über Bord!

Tröstlich ist vielleicht, dass nicht nur Deutsche für skurrile Beschwerden sorgen. So wollte ein seekranker englischer Rentner etwa seine Reisegepäckversicherung in Anspruch nehmen. Der Mann hatte sich auf einer Kreuzfahrt über der Reling übergeben und dabei sein Gebiss verloren.

Ungewollt schwanger

Eine polnische Mutter war ihrer Tochter gegenüber wohl etwas zu gutgläubig und beschäftigte deshalb die Gerichte im Nachbarland. Weil ihre 13-jährige Tochter aus dem Ägypten-Urlaub schwanger zurückkam, verklagte sie den Veranstalter. Begründung? Die unbefleckte Empfängnis ihrer Tochter sei von „durch den Hotelpool streunenden Spermien“ verursacht worden. Der Klage wurde selbst im katholischen Polen nicht stattgegeben.