Es gibt sicherlich schönere Orte als Mosel West an der A 61, zehn Kilometer südlich von Koblenz. Der ADAC-Raststättentester sitzt im Selbstbedienungsrestaurant und stochert unzufrieden in seinem Essen. Er spießt zwei Gurkenscheiben mit der Gabel auf. "Komplett vertrocknet“, sagt er. "Die liegen hier auch schon länger rum.“ Auch auf das Schnitzel mit Pommes hat er keine rechte Lust. "Immerhin ist es heiß – kann man essen.“ Begeisterung sieht anders aus.
Kein Wunder: Schnitzel mit Pommes hatte er in den vergangenen zwei Wochen gleich mehrmals am Tag. Und nicht immer waren die genießbar. Aber das gehört zu seinem Job. Georg Sommerfeld (Name geändert) ist Raststättentester. Er arbeitet inkognito. Niemand soll ihn als ADAC-Raststättentester erkennen. Nur so ist die Unabhängigkeit seines Urteils sichergestellt. Seit 1999 schickt der ADAC einmal im Jahr Tester wie Georg Sommerfeld quer durch Deutschland und europäische Urlaubsländer. Gerade hat der ADAC die diesjährigen Ergebnisse veröffentlicht. Die Bilanz: Zwei der insgesamt 65 Testkandidaten aus fünf Ländern erhielten die Note "sehr gut“, jeweils etwa 40 Prozent wurden mit "gut“ und "ausreichend“ bewertet. Testsieger ist der Autohof Burghaslach, Schlusslicht dagegen der Autohof Spreenhagen. Er fiel bei den Testern ebenso durch wie weitere neun Anlagen (siehe Tabelle).
Ein ADAC-Tester achtet auf Sicherheit, Ausstattung, gastronomische Qualität und Erholungsmöglichkeiten. Die Testergebnisse können für Urlauber sehr hilfreich sein: Wer sich vor der Fahrt informiert, kann alte, ungepflegte Anlagen vermeiden. Stattdessen gibt es oft nur ein paar Kilometer weiter frisches Essen, freundliche Bedienung – und deutlich mehr Erholung.
Zeit zum Rasten bleibt Georg Sommerfeld auf seinen Touren kaum. Über 1000 Kilometer Autobahn hat er in diesem Jahr bereits hinter sich. Innerhalb von zehn Tagen testete er 22 Raststätten in Frankreich, Österreich und der Schweiz. Seine letzten beiden Test-Stationen sind in Deutschland.
Die Raststätte Mosel West hat keinen guten Start. "Zigarettenstummel im Gras, Müll neben dem Eimer. So etwas ärgert mich“, sagt Sommerfeld beim ersten Rundgang über den Parkplatz. Er holt seine Digitalkamera aus der Manteltasche, macht Fotos von der Anlage. Beweismittel, für den Fall, dass sich hinterher jemand über die Bewertung beschwert.
Erfahrung als Hotelier
Seit vier Jahren arbeitet er als Tester. Nicht nur für den ADAC, sondern auch für Hotelketten, die die Arbeit ihrer Mitarbeiter überprüfen wollen. Zuvor hatte er mehrere Jahre selbst ein Hotel geleitet. "Diese Erfahrung hilft bei dem Job enorm.“ Bei seinen Einsätzen versucht Sommerfeld nicht als Tester aufzufallen. Schließlich möchte er nicht besser behandelt werden als andere Gäste. Damit er weiter inkognito arbeiten kann, will er auch nicht mit seinem richtigen Namen in der Zeitung stehen. Georg Sommerfeld ist ein Pseudonym.
Auch zum Probieren und Bewerten sucht er sich einen Winkel im Raststättenrestaurant, in dem man ihn nicht so leicht beobachten kann. Der Fragebogen zu jeder Raststätte umfasst insgesamt elf Seiten. Sommerfeld notiert darauf die wichtigsten Preise und benotet die einzelnen Punkte mit gut, mittel oder schlecht. Mosel West schneidet eher durchschnittlich ab. Hier ist bei weitem nicht alles perfekt, aber Sommerfeld hat in den vergangenen Jahren auch schon Schlimmeres in Raststätten gesehen: Käfer, die über Salatblätter kriechen, Wickelräume, die das Personal als Raucherzimmer zweckentfremdet hatte, oder weißgeflieste Duschen, die schwarz waren vor Schmutz.
"Insgesamt haben sich die hygienischen Verhältnisse in den Raststätten und Autohöfen in den vergangenen Jahren sehr verbessert“, sagt Simone Saalmann, Testleiterin beim ADAC. Das gilt zumindest für Deutschland. Doch noch immer gebe es nach wie vor einige, die den Standards des ADAC noch immer nicht genügen.
Siegburg Ost an der A 3 war vor drei Jahren eine davon. Diese Anlage ist heute der letzte Eintrag auf Sommerfelds Liste. An das katastrophale Ergebnis vom letzten Besuch des ADAC kann er sich noch gut erinnern: Die Bedienung war unfreundlich, das Essen schmeckte nicht und sah auch unappetitlich aus, im Eingangsbereich lag Müll herum, stand damals im Testbericht. Mit der Note "mangelhaft“ fiel Siegburg Ost klar durch – und war damit im Testjahr 2005 die zweitschlechteste aller getesteten Raststätten in Deutschland.
"Betriebe, die in den Tests sehr schlecht abgeschnitten haben, testen wir in der Regel ein paar Jahre später noch einmal“, sagt Simone Saalmann. Schließlich wolle man nicht, dass ein neuer Pächter ewig mit dem schlechten Ergebnis zu kämpfen habe.
Er probiert immer das billigste Fleischgericht
Schon bei der Anfahrt scheint es, als hätte die Raststätte Siegburg Ost ihre zweite Chance genutzt. Das Gebäude ist frisch renoviert, durch die breite Glasfassade erkennt man schon von außen den gepflegten Gastronomiebereich.
Den Testkriterien zufolge kauft und probiert Sommerfeld immer das billigste Fleischgericht auf der Karte. Dieses Mal hat er Glück. Ausnahmsweise bekommt er nicht das übliche Schnitzel mit Pommes, sondern eine Rindsroulade mit Bratkartoffeln.
Mit einem Preis von 7,30 Euro ist die sogar billiger als das Schnitzel für 8,90 Euro in Mosel West. Die Portion ist zwar nicht allzu groß, dafür schmeckt es.
Georg Sommerfeld ist zufrieden, sein Teller ist fast leer. "So viel esse ich selten“, sagt er. Normalerweise probiere er nur von den Portionen. So viel Fleisch jeden Tag vertrage er schließlich nicht.
keywordsNatürlich hat Sommerfeld auch etwas zu meckern: Es gibt keinen Zebrastreifen, die Wiese ist nicht gemäht, und der Spielplatz ist ziemlich klein – "eine lieblose Pflichterfüllung“, sagt Sommerfeld. Doch insgesamt gefällt ihm der renovierte Betrieb. "Man sieht, dass die Qualität erheblich gestiegen ist, und das wird sich auch in der Bewertung niederschlagen.“
Für Georg Sommerfeld war dieser Einsatz bei Siegburg der letzte für dieses Jahr. Nur noch wenige Kilometer, und er ist wieder zu Hause in Köln. Nach all den Tagen an der Autobahn freut ihn jetzt eines am meisten: "Morgen ist endlich mal ein Tag ohne Schnitzel.“





